Gemeinderat,
35. Sitzung vom 24.11.2003, Wörtliches Protokoll - Seite 90 von 134
Zuwanderung oder - wie Sie
immer sagen - Fremdenpolitik geht. (GR Günther Barnet: So steht es in der
Bundesverwaltung! Asyl und Staatsbürgerschaft!) Ich würde Sie wirklich sehr
ernsthaft bitten, wenn wir darüber diskutieren, dass wir die verschiedenen
Bereiche sachlich auseinander halten. Flüchtlingspolitik, Asylpolitik -
abgesehen davon, dass das nicht mein Ressort ist, aber wir können uns gerne
darüber unterhalten - ist etwas völlig anderes als Integrationspolitik, als die
Frage von Zuwanderung und die Frage von Staatsbürgerschaftsverleihungen. Wenn
Sie das durcheinander bringen, dann glaube ich, dass das keine seriöse
Diskussion ist.
Wir können uns
gerne, und das haben wir im Ausschuss auch schon öfters gemacht, über die Frage
des Deutschlernens und der Sprachkurse auseinandersetzen. Aber ich glaube, ich
kann es abkürzen. Es gibt den Weg des Bundes mit dem Zwang und der
Verpflichtung, den Sie für gut halten. Wie viele sind es jetzt, die den Kurs
gemacht haben? Ich glaube 50 oder 29? Man streitet darüber, auf
jeden Fall sind es unter 50. Und es gibt unseren Weg und wir haben
25 000 Menschen und heuer werden es wieder einige Tausend mehr sein.
Mehr, denke ich, ist zu diesem Thema nicht zu sagen. Das zeigt, welcher Weg
funktioniert und welcher nicht!
Und wenn wir schon
über Asylpolitik diskutieren, auch hier nur einen Satz: Wie gesagt, das ist
nicht mein Ressort, aber es liegt mir am Herzen, so wie jedem meiner
Fraktionskollegen und –kolleginnen, denn was sich heute in Österreich zum Thema
„Asylpolitik“ abspielt, ist eine Schande, die jedem Menschen, wurscht welcher
Fraktion er angehört, das Herz brechen sollte! Wenn es nämlich so weit ist,
dass Mütter und Väter versuchen, ihre Babys bei Beratungseinrichtungen durch
das Fenster hineinzureichen, damit wenigstens die Babys, wenn der Winter vor
der Tür steht, etwas zum Essen haben und nicht in der Kälte draußen liegen
müssen, dann ist das eine Schande! Ich geniere mich dafür, dass ich in so einem
Land leben muss, wo so etwas passiert, und ich werde alles tun, auch wenn es
nicht mein Ressort ist, um dagegen anzukämpfen! (Beifall bei der SPÖ und bei den GRÜNEN. – GR Günther Barnet: Über das
habe ich nicht gesprochen! Über das habe ich nicht gesprochen! Darüber habe ich
nicht gesprochen!)
Es ist nicht nur die Stadt Wien, die sagt, dieses
neue Asylgesetz ist rechtswidrig. Das sagen die Menschenrechtsorganisationen,
das sagt Amnesty International, das sagt das UNO-Hochkommissariat, das sagt die
EU, dass es EU-widrig ist und viele andere Stellen! Lassen Sie mich noch einen
Satz dazu sagen, weil auch die, die da so getan haben, ich glaube, sie haben
sogar wortwörtlich gesagt, es können nicht alle Flüchtlinge nach Europa
kommen... (GR Günther Barnet: Ja!)
Sie hätten... (GR Günther Barnet: Ja, das kann ich unterschreiben!) Ja,
ja, das können Sie gerne unterschreiben. Wenn mehrere Menschen von Ihnen die
Chance genutzt hätten, den EU-Kommissar Vittorino bei der Metropolitkonferenz
zu hören, was ein sehr beeindruckender... (GR Günther Barnet: Es war ja
nicht bekannt!) Es sind Einladungen an alle Fraktionen gegangen,
selbstverständlich, wir haben Ihnen sogar den kostenlosen Zugang ermöglicht.
Sie sind informiert worden, das weiß ich ganz genau.
Wenn Sie den Vittorino also gehört hätten, dann
würden Sie wissen, dass von den 13 Millionen Flüchtlingen, die es weltweit
gibt, 15 Prozent auf europäischem, auf EU-Gebiet sind und dass sich in den
letzten 10 Jahren die sogenannte riesige Flüchtlingswelle, die nach Europa
gekommen ist, halbiert hat. Das heißt, die Zahlen sprechen eine ganz andere
Sprache (GR Günther Barnet: Sehr gut!) und die Zahlen, und das hat
Vittorino auch gesagt, sprechen dagegen, dass wir immer wieder so tun, als ob
diese größte Flut weltweit von Flüchtlingen in Europa landen würde. Die große
Mehrheit spielt sich dort ab, wo es den Menschen eh schon schlecht geht,
nämlich innerhalb der armen Länder. Das ist die Wahrheit und ich denke, mit
diesen Fakten sollten wir arbeiten. (GR
Günther Barnet: Es hat sich verzehnfacht! - Beifall bei der SPÖ.)
Zum Abschluss in aller Kürze: Kollegin Vassilakou hat
einige Vorschläge gemacht, mit denen ich mich jetzt aus Zeitgründen nicht mehr
länger auseinandersetzen kann. Es stimmt, in der Frage der Gleichstellung sind
noch nicht alle Dinge so, wie wir sie uns wünschen. Es stimmt, das Thema Ältere
- es sind Senioren und Seniorinnen aus Migranten- und Migrantinnenkreisen - ist
ein wichtiges Thema. Es stimmt nicht, dass wir nichts dafür tun. Ich habe zum
Beispiel jetzt gerade im 5. Bezirk gemeinsam mit dem Vorsteher einen
interkulturellen Pensionistenklub eröffnet. Aber da ist noch viel Arbeit vor
uns.
Gerade bei der MA 61 ist ein Reformprozess im
Gange. Die Gründe, warum es dort im Moment so ein Gedränge gibt, wissen wir,
aber der Reformprozess ist im Gange.
Den Fonds für die Kosten der Staatsbürgerschaft -
hier wiederhole ich mich - möchte ich deswegen nicht, weil ich denke, es geht
nicht an, dass wir mit Wiener Steuergeldern Bundeskosten zahlen und schon gar
nicht, dass wir ungerechtfertigte Zahlungen an jene Länder leisten, die von
ihren Staatsbürgern für die Entlassung Geld verlangen. Das finde ich nicht
gerechtfertigt, aber darüber haben wir schon öfters diskutiert.
Sehr geehrte Damen und Herren, wie immer hat sich in
meinem Ressort die Diskussion auf wenige Bereiche konzentriert und da sind die
anderen entweder nur am Rande oder gar nicht erwähnt worden. Aber das ist das
Schicksal eines Ressorts, das zwei gesellschaftspolitisch so relevante Bereiche
wie Integration und Frauenpolitik beinhaltet.
Ich möchte aber doch die Gelegenheit nutzen und in
wenigen Sätzen auf die anderen eingehen, denn nicht nur stärkt das Frauenbüro
mit seiner Arbeit den...
Vorsitzende GRin Mag Heidemarie Unterreiner (unterbrechend):
Frau Stadträtin, ich unterbreche Sie ungern. Ich habe mich noch einmal
erkundigt. Auch Sie sind der Redezeit von 20 Minuten unterworfen. Ich muss
Sie erinnern, dass Sie zu Ende kommen.
Amtsf StRin Mag Renate Brauner
(fortsetzend): Ja,
Stadt Wien | Geschäftsstelle Landtag, Gemeinderat, Landesregierung und Stadtsenat (Magistratsdirektion)
Kontaktformular