Landtag, 13. Sitzung vom 26.06.2026, Wörtliches Protokoll - Seite 46 von 111
österreichische Kultur gemeinsam hier zu leben. (Zwischenruf von Abg. Armin Blind.)
Ich wurde auch im Jahr 1992 als Studentin damals für ein Auslandssemester von Spanien aus nach Deutschland geschickt, nach Heidelberg, um gemeinsam an der Zukunft Österreichs innerhalb der Europäischen Union ... Wir waren eine Gruppe von Studenten aus verschiedenen damaligen Ländern der Europäischen Union, die zusammengewürfelt wurden, um zu sagen: Was braucht ein Land wie Österreich? Was wird es einem Land wie Österreich bringen, Teil der Europäischen Union zu werden?
Am 1. Jänner 1995 durften wir dann offiziell Teil dieser Europäischen Union sein, und diese Europäische Union hat Chancen eröffnet, Möglichkeiten eröffnet, Menschen verbunden und Menschen wie mir - und das sind auch hier in diesem Saal viele - die Chance gegeben, dieses Europa richtig zu leben, weil wir auch wissen, wie ein Europa anders aussehen kann. (Beifall bei der ÖVP und von EP-Abg. Dr. Helmut Brandstätter.)
Und ja, wir ärgern uns immer wieder über die sogenannte EU-Bürokratie, über die vielen Verordnungen und Vorschriften, aber Europa macht unser Leben in vielen Bereichen auch erst möglich. Europa ist wichtig für unsere Wirtschaft. Wir profitieren gerade in Wien in ganz besonderem Maß davon. Wir haben schon einige Beispiele gehört. Unsere Stadt liegt ja im Herzen Europas. Wir sind ein internationaler Standort, wir sind Ort des Austausches, Ort der Wissenschaft, der Innovation. Jeder vierte Euro in Österreich wird direkt oder indirekt durch die Europäische Union verdient.
Wir haben zahlreiche internationale Institutionen, Organisationen, Forschungseinrichtungen. Die Europäische Union schafft in Österreich, schafft in Wien Arbeitsplätze. Das schafft Wohlstand, und das schafft auch Perspektiven für die kommenden Generationen. (Beifall bei der ÖVP und von EP-Abg. Dr. Helmut Brandstätter.) Genau deshalb ist Europa nicht irgendein abstraktes Projekt. Es ist ein wesentlicher Teil unseres wirtschaftlichen Erfolges und unseres gesellschaftlichen Zusammenhaltes.
Vor allem aber ist Europa etwas, das wir heutzutage oft schon als selbstverständlich ansehen, obwohl es alles andere als selbstverständlich ist. Die EU ist und bleibt bis heute das größte Friedensprojekt unserer Geschichte. Generationen an Menschen vor uns haben auf diesen Kontinent, in unserem Europa, Gewalt, Krieg erlebt. Leider sehen wir diesen Krieg an den Grenzen Europas viel zu oft. Die Meinung der Österreichischen Volkspartei, der Wiener Volkspartei dazu ist eine ganz klare: Diese Grenz... gehören gestärkt, denn wir wollen, dass junge Menschen innerhalb der EU auch in Zukunft studieren können, arbeiten, reisen und Freundschaften schließen können. Wir müssen genau darüber nachdenken, wie wir agieren, dass wir respektvoll mit dieser Europäischen Union umgehen, und mit unserem Zutun - was ich heute in der Aktuellen Stunde bereits erwähnen durfte - agieren, denn die Europäische Union ist gemeinsam dank all dieser letzten Jahre ein echter historischer Erfolg. (Beifall bei der ÖVP und von Abg. Dr. Sascha Obrecht.)
Es ist unser aller Verantwortung, genau diesen Erfolg zu bewahren. Erlauben Sie mir an dieser Stelle einen Exkurs noch ein bisschen weiter zurück in die Geschichte! Bei einem Treffen der polnischen Community genau heute vor einer Woche hier im Wiener Rathaus ist mir einmal bewusst geworden, wie viel von dem, was wir heute als selbstverständlich betrachten, auf den Leistungen früherer Generationen aufbaut. Wenn wir über Europa sprechen, dann sollten wir auch jene Menschen nicht vergessen, die dieses Europa aufgebaut haben, die Europa in entscheidenden Momenten gerettet haben.
König Jan III. Sobieski gehört zweifellos dazu. Mit seinem Einsatz bei der Befreiung Wiens im Jahr 1683 hat er nicht nur unsere Stadt, sondern auch die Entwicklung Europas entscheidend geprägt. Dass wir heute in Freiheit, Sicherheit und Frieden leben können, ist auch das Ergebnis genau solcher historischer Ereignisse. Deshalb bin ich weiterhin der Meinung, dass Jan Sobieski in Wien eine würdige Erinnerung verdient, nicht nur als polnischer König, sondern als europäische Persönlichkeit, als jemand, dessen Handeln weit über nationale Grenzen hinaus Wirkung entfaltet hat. Denn Europa lebt nicht nur von seiner Gegenwart, sondern auch vom Bewusstsein seiner Geschichte und der Geschichte seiner Solidarität. (Beifall bei der ÖVP.)
Das genau führt mich auch schon zu meinem abschließenden Gedanken. Wir haben als Europäerinnen und Europäer unglaublich viel, worauf wir stolz sein dürfen. Wir haben Frieden geschaffen, wir haben Freiheit geschaffen, wir haben Wohlstand geschaffen. Wir haben einen Kontinent aufgebaut, auf dem Zusammenarbeit wichtiger ist als Trennung. Aber all das bleibt nicht automatisch bestehen. Europa muss jeden Tag aufs Neue gelebt werden, Europa muss gepflegt werden, Europa muss verteidigt werden, nicht nur in Brüssel, nicht nur in Straßburg, sondern auch hier bei uns in Wien. Europa beginnt nicht irgendwo, Europa beginnt bei uns. Es ist unsere gemeinsame Aufgabe, dafür zu sorgen, dass unser Wien, unser Österreich, unser Europa verantwortungsvoll an die nächsten Generationen übergeben werden können. - Vielen Dank. (Beifall bei ÖVP und SPÖ sowie von EP-Abg. Dr. Helmut Brandstätter.)
Präsident Ing. Christian Meidlinger: Vielen Dank. - Die nächste Wortmeldung kommt vom Herrn Abg. Gara, und ich bitte ihn.
Abg. Dipl.-Ing. Dr. Stefan Gara (NEOS): Sehr geehrter Herr Vorsitzender, geschätzte Abgeordnete aus dem Europäischen Parlament, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Zuschauer via Livestream!
Ein starkes Europa in Vielfalt geeint. "In Vielfalt geeint" - das ist das Motto von Europa. Dieses Motto trifft insbesondere auf die Städte und Regionen Europas zu, denn dort gibt es diese Vielfalt, dort entsteht dieser Zusammenhalt, dort ist es wichtig, Stärke aufzubauen. Denn das ist das, was Europa stark macht. Das ist das, was Europa verteidigt. Letztendlich entsteht Europas größter Wettbewerbsvorteil dort, wo Vielfalt auf Bildung trifft, wo Wissenschaft auf Freiheit trifft und wo Innovation aus den unterschiedlichsten Perspektiven entsteht. Diese Vielfalt ist Europa. (Beifall bei NEOS und SPÖ.)
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