Landtag, 11. Sitzung vom 28.04.2026, Wörtliches Protokoll - Seite 14 von 29
wenn man so will, auch das verantwortungsvolle Wachstum.
Tourismus ist per se kein Selbstzweck. Wir sehen natürlich die wirtschaftliche Bedeutung. 5,3 Milliarden EUR ist die jährliche Wertschöpfung in Wien, sichert fast 115 000 Arbeitsplätze und trägt damit zu 11,8 Prozent der gesamtbeschäftigten Vollzeitäquivalente, die wir in Wien haben, bei. Natürlich wird die Infrastruktur der Stadt damit auch stark in Anspruch genommen, vor allem auch all das, was wir im kulturtouristischem Segment zu bieten haben, weil sehr viele gerade wegen der Kultur nach Wien kommen. Wir haben 2025 mit 20,1 Millionen Nächtigungen die Schallmauer durchbrochen.
Lassen Sie mich kurz die fünf ineinandergreifenden wichtigsten Mechanismen unserer Tourismusstrategie erläutern. Das ist einerseits die schon von mir genannte Messbarkeit, das heißt die laufende unabhängige Evaluierung und Studien, Erhebungen, die einerseits die Tourismusakzeptanz bei den Wienerinnen und Wienern, und andererseits natürlich auch die Zufriedenheit der Gäste erfragt und damit Steuerungsgrößen ermöglicht.
Dann die ganz klare Frage der Qualität - der Wiener Tourismus setzt auf, wenn man so will, Wunschgäste, die sich im Bereich Kultur, die sich vor allem im Bereich Messe- und Kongresstourismus verorten lassen, anstatt großen Massentourismus anzustreben. Das merkt man dann auch in den Werbekampagnen, in den Auftritten nach außen, im internationalen Auftritt.
Die Steuerung ist ein großes Thema, die Besucherströme durch Wien zu lenken. Das machen wir zum Beispiel mit digitalen Tools wie der ivie, mit ganz gezielten Grätzelbelebungen und dementsprechenden Angeboten und Informationen.
Der vierte Bereich heißt Nachhaltigkeit, da gibt es das ganz klare Ziel - und da hat sich ja auch die Wiener Tourismusstrategie und der Wiener Tourismus in die Smart-City-Strategien dementsprechend eingeklinkt -, dass mit zertifizierten Betrieben gearbeitet wird und dass man sehr viel die Gastronomie, Hotellerie und die Tourismusbetriebe mitnimmt, die da schon Großartiges leisten. Jedes Jahr kommen mehr Betriebe dazu, die sich auch dieser Zertifizierung an dieser Nachhaltigkeit im Tourismus dementsprechend verschreiben.
Schlussendlich noch die Frage von Kooperation: Kooperation einerseits mit den PartnerInnen vor Ort, also mit den SozialpartnerInnen, mit der Wirtschaft, mit den Tourismuseinrichtungen, den Kultureinrichtungen, aber schlussendlich auch mit Wissenschaft und Forschung, um auch wieder in unserem Bereich der Steuerung voranzukommen.
Ich glaube, diese Punkte garantieren, dass wir ein sehr gezieltes verantwortungsvolles Wachstum im Tourismus haben. (Beifall bei SPÖ und NEOS.)
Präsident Ing. Christian Meidlinger: Die 1. Zusatzfrage wird von der Frau Abg. Keri gestellt. - Bitte.
Abg. Sabine Keri (ÖVP): Guten Morgen, Frau Landesrätin!
Ich glaube, Sie wissen, worauf meine Frage abzielen wird. Es geht um die Sonntagsöffnungszeiten. Es gibt ja in Berlin zum Beispiel ein Modell, das vielleicht zu einem Kompromiss einladen würde, dass eine gewisse Anzahl von Sonntagen zumindest offen ist. Können Sie sich vorstellen, diesem Modell näherzutreten oder sich das einmal genauer anzusehen?
Präsident Ing. Christian Meidlinger: Frau Landesrätin, bitte.
Lhptm-Stv.in Barbara Novak, MA: Danke, Frau Abgeordnete, für Ihre Frage, die tatsächlich eine ist, die uns seit vielen Jahren in diesem Haus immer wieder in regelmäßigen Abständen begleitet. Ich darf vielleicht auf zwei Bereiche besonders verweisen: einerseits auf das Regierungsübereinkommen, wo wir festgelegt haben, dass diese Debatte um die Frage möglicher Modelle und möglicher Szenarien zur Sonntagsöffnung uns auch in dieser Regierungsperiode aktiv begleitet - das ist auch permanent und immer der Fall, sie begleitet uns sehr freundschaftlich, aber doch -; andererseits auf die sehr deutlichen Aussagen des Landeshauptmannes von Wien, der klar formuliert, dass für ihn zum einen ausschließlich eine sozialpartnerschaftliche Einigung in dieser Frage Voraussetzung ist, um hier tätig zu werden, und zum anderen sehr deutlich auf den freien Sonntag verweist, der für viele - nicht nur für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, sondern auch für viele Vereine, Institutionen und insbesondere auch Religionsgemeinschaften - von großer Bedeutung ist.
Präsident Ing. Christian Meidlinger: Danke für die Beantwortung. - Die 2. Zusatzfrage wird gestellt von Herrn Abg. Arsenovic. - Bitte.
Abg. Johann Arsenovic (GRÜNE): Guten Morgen Frau Landeshauptmann-Stellvertreterin!
Ich habe ja die Ehre, schon seit 2005 im WienTourismus tätig sein zu dürfen, ich habe diese Erfolgsstory mitverfolgen dürfen seit über 20 Jahren. Deswegen möchte ich mich auch von hier aus bei Norbert Kettner und seinem Team bedanken für die wirklich großartige Arbeit.
Sie haben ein paar Zahlen genannt, ein Teilbereich davon war voriges Jahr der Kongresstourismus, wo wir wirklich alle Rekorde gebrochen haben und sogar Barcelona überholt haben - ich beschäftige mich sehr viel vor allem mit dem Vergleich mit Barcelona -, sodass wir jetzt die Nummer 1 im Kongresstourismus sind mit zwei Millionen Nächtigungen, mit einer Wertschöpfung von 1,7 Milliarden EUR. Das ist großartig. Aber wie Falco schon gesagt hat: Es ist oft einfacher, Nummer 1 zu werden, aber wie schafft man es, dass man dann weiterhin Nummer 1 bleibt.
Wie wir wissen, hat es Falco nicht geschafft, er ist nur einmal die Nummer 1 in Amerika gewesen, hat es nicht wiederholen können. Deswegen jetzt die Frage an Sie: Wie schaffen wir das, dass wir auch in Zukunft die Nummer 1 bleiben? Gibt es Ideen, und was sind Ihre Pläne, damit wir es besser als Falco machen?
Präsident Ing. Christian Meidlinger: Bitte um Beantwortung.
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