Landtag, 10. Sitzung vom 24.03.2026, Wörtliches Protokoll - Seite 20 von 64
seit 2020. Alle Top-20-Global-Player aus Pharma- und Medizintechnik sind in Wien vertreten.
Auch bei Digitalisierung und KMU-Gründungen läuft es in Wien: 63 Prozent aller IKT-Unternehmen Österreichs sitzen hier bei uns in Wien. Über 10 000 Unternehmen wurden 2024 gegründet. 218 internationale Unternehmen haben sich allein 2024 neu angesiedelt. Sieben von zehn internationalen Neuansiedlungen in Österreich passieren in Wien.
Das ist kein Selbstläufer. All diese Zahlen sind die Früchte einer aktiven Standortpolitik, die Rahmenbedingungen schafft, statt nur auf den Markt zu warten. Aber kein Innovationsstandort funktioniert … Sie können ruhig klatschen, kein Problem. (Heiterkeit der Rednerin. - Beifall bei der SPÖ.)
Aber kein Innovationsstandort funktioniert ohne die Menschen, die ihn tragen. Wien hat 197 000 Hochschulstudierende. Wien ist die älteste Universitätsstadt im deutschsprachigen Raum. Das ist Geschichte, die uns verpflichtet.
Talente zu fördern, heißt aber auch, alle Talente zu fördern. Deshalb freue ich mich besonders, über einen Wert zu sprechen, der leider oft weniger Aufmerksamkeit bekommt - und zwar dass 41 Prozent des Forschungspersonals in Wien Frauen sind. Österreichweit sind es leider nur 32 Prozent. In Wien sind es wie gesagt 41 Prozent.
Das ist kein Zufall. Das waff-Stipendium unterstützt Frauen in berufsbegleitenden MINT-Studien. Die MINT-Initiative der Stadt Wien arbeitet mit 65 Organisationen zusammen, um Mädchen und Frauen für Technik, Informatik und Naturwissenschaften zu begeistern. Denn Innovationspolitik, die nur die Hälfte der Gesellschaft mitnimmt, ist keine gute Innovationspolitik.
Zusammengefasst bedeutet das, Innovation passiert nicht einfach. Innovation ist die Entscheidung zu investieren statt zuzuschauen, zu gestalten statt abzuwarten und Infrastruktur zu schaffen, statt auf rein private Initiativen zu hoffen. Wir in Wien reden nicht nur über die Zukunft, wir bauen sie. - Vielen Dank. (Beifall bei der SPÖ.)
Präsident Ing. Christian Meidlinger: Als Nächster ist Herr Abg. Gorlitzer zu Wort gemeldet. - Bitte.
Abg. Dr. Michael Gorlitzer, MBA (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident, meine Damen und Herren!
Ich freue mich richtig, dass wir heute über Wissenschaft und Forschung reden können. Das ist ein tolles Thema. (Beifall bei der ÖVP und von Abg. Dipl.-Ing. Selma Arapović.)
Danke für diese Aktuelle Stunde von den NEOS, denn Wissenschaft und Forschung sind eben keine Nebensache, sondern sie sollen hier in Wien eigentlich auch einer der wesentlichen Schwerpunkte sein. Wie Kollege Gara heute schon gefragt hat: Was braucht man, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können und Talente in Wien zu binden?
Wohlstand und Fortschritt sowie hochwertige Arbeitsplätze hängen eben an Forschung und Wissenschaft. Dafür hat Wien tatsächlich viel Potenzial - nicht nur, weil es eine schöne Stadt ist, sondern weil wir hier auch eine starke Universitäts- und Forschungslandschaft haben. Die heute veröffentlichten Daten des Europäischen Patentamtes zeigen ja, dass die Patente in Österreich nach ein paar Jahren, in denen es nicht so gut gelaufen ist, wieder steigen, nämlich um 5 Prozent.
Wien ist da meistens Vorreiter - es gibt 550 neue Patentanmeldungen. Das ist ein Plus von 3,6 Prozent. Das ist ein gutes Zeichen. Oberösterreich ist immer der Superstar im Bundesgebiet und mit plus 10,6 Prozent bei den Patentanmeldungen ganz knapp hinter Wien.
Wo finden die meisten Patentanmeldungen in Österreich statt? - Im Bereich der künstlichen Intelligenz und in der Quantentechnologie. Deswegen finde ich diese Ankündigung, dass man in Neu Marx ein Quantentechnologiezentrum mit 15 600 Quadratmetern, mehreren Laboratorien und auch einem Quantencomputer bauen möchte, ja auch gut. Das ist sicher ein Potenzial, das zukunftsträchtig ist. Wir haben halt immer die Sorge - Kollegin Greco hat es schon gesagt -, dass daraus am Ende des Tages nichts wird - wie bei vielen Projekten, die in Wien gestartet worden sind. (Beifall bei der ÖVP.)
Eines muss man auch ganz klar sagen: Das ist sicher ein Leuchtturmprojekt, aber keine umfassende Wissenschaftspolitik. Es braucht auch im Bereich der Wissenschaft und Forschung klare Strategien, klare Prioritäten und auch eine klare budgetäre Handschrift.
Wir haben ja letztes Jahr ein sehr umfangreiches Zehnpunkteprogramm zur Förderung von Forschung und Wissenschaft in Wien vorgelegt und auch eine Anfrage an die Frau Landesrätin gestellt. Da kam sinngemäß die Antwort, Wien fördere Wissenschaft bewusst ergänzend zum Bund. Das ist auch richtig, weil der Bund die meisten Kosten im Bereich der Wissenschaft und Forschung in Wien zahlt. Weiters steht da: Exzellenz entstehe nicht allein durch mehr Mittel, sondern durch eine strategische Schwerpunktsetzung und Hebelung von Bundes- und EU-Geldern.
Genau um diese strategische Schwerpunktsetzung geht es. Ich erkenne nur, dass sich die Leseschwäche, die in der Volksschule beginnt, in der Landesregierung fortsetzt. Denn offensichtlich konnten Sie das Zehn-Punkte-Programm, das die Wiener ÖVP vorgelegt hat, nicht sinnerfassend lesen. (Beifall bei der ÖVP.)
Wenn man hier von einer strategischen Schwerpunktsetzung spricht, dann muss man wiederum anmerken - das haben wir hier schon oft gemacht -, dass nur 6,3 Prozent des Budgets im Ressort Kultur und Wissenschaft für die Wissenschaft veranschlagt ist. Das ist noch einmal weniger als 2025, da waren es 6,9 Prozent. Das ist jetzt auch nicht wahnsinnig viel. Das ist deswegen schwierig, weil gerade auch der Bereich Forschung und Wissenschaft klare Sicherheit und Planbarkeit braucht.
Was heißt das für uns? - Wir brauchen mehr internationale Sichtbarkeit für Wiener Forschungsleistungen, mehr, stärkere und intensivere Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, bessere Rahmenbedingungen für junge Talente und mehr Unterstützung für den Transfer der Patente, damit diese auch zu Neugründungen und tatsächlich zu neuen Produkten führen.
Unser Zugang der Wiener ÖVP ist daher klar: Wir begrüßen das neue Projekt des Quantentechnologie
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