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Landtag, 10. Sitzung vom 24.03.2026, Wörtliches Protokoll  -  Seite 16 von 64

 

Doch gilt, gerade weil wir stark sind, dürfen wir uns nicht zufriedengeben. Wir stehen im internationalen Wettbewerb. Die Städte von morgen sind jene, die heute mutig die nächsten Schritte gehen. Genau dort muss Politik ansetzen.

 

Denn Innovation entsteht nicht in der Komfortzone. Sie entsteht dort, wo Menschen bereit sind, Gewohntes zu hinterfragen, gerade in Zeiten globaler Krisen bei Energie, Klima und Ressourcenabhängigkeit. Durch neue technologische Umbrüche wie künstliche Intelligenz sind wir gezwungen, neu zu denken. Die entscheidende Frage ist: Nutzen wir diesen Druck als Chance? - Ich bin überzeugt, Wien hat dieses Potenzial. (Beifall bei den NEOS.)

 

Wir haben bereits exzellente Voraussetzungen. Wir haben einen tollen Life-Science-Cluster - mit 750 Organisationen und fast 23 Milliarden EUR Umsatz einen der größten in Europa -, der den medizinischen Fortschritt etwa in der Arzneimittelforschung und in der Krebsforschung vorantreibt.

 

Mit "Raus aus Gas" ist Wien Vorreiter beim Ausstieg aus fossilen Energieträgern, bei der Elektrifizierung der Mobilität und beim Ausbau erneuerbarer Energien vom Sonnenstrom bis zur Tiefengeothermie. Damit sichern wir auch langfristig eine klimafreundliche, unabhängige und leistbare Energieversorgung - angesichts der globalen Entwicklungen heute wichtiger denn je.

 

Wir investieren auch in Schlüsseltechnologien, die unsere Zukunft prägen. Wenn wir Wien zu einer der führenden europäischen Forschungs- und Innovationsmetropolen weiterentwickeln wollen, dann braucht es das Zusammenspiel aus fünf Bausteinen.

 

Erstens: Neugier beginnt früh. Innovation beginnt nicht erst im Labor, sondern im Kindergarten und in der Schule. Dort lernen Kinder, Fragen zu stellen, zu experimentieren, zu programmieren und zu gestalten. Lernen wirkt dann, wenn Kinder gemeinsam Dinge entdecken, wenn Kinder herausfinden, was sie interessiert, und wenn sie das kreativ und mit Freude machen.

 

In Wien gibt es dabei schon starke Institutionen und Initiativen: das ZOOM Kindermuseum, das eduLab der Informatik an der TU Wien und das Creative-Learning-Programm im mumok. Dort sehen wir, wie Lernen mit Technologie, Kunst und Wissenschaft verbunden werden kann. Dort erfahren Kinder und auch Jugendliche, dass Technologie nichts Abstraktes ist, sondern dass man sie selbst gestalten kann, etwa beim Creative Coding. So wächst eine Generation heran, die nicht nur konsumiert, sondern kreiert.

 

Deshalb denken wir auch den Kindergarten neu und entwickeln die Schule weiter. Denn Neugier, Kreativität und kritisches Denken entstehen sehr, sehr früh. Gerade in einer Zeit, in der künstliche Intelligenz, soziale Medien und Desinformation unseren Alltag prägen, müssen junge Menschen lernen, Technologie zu verstehen und Information kritisch einzuordnen. KI-Kompetenz, Medienkompetenz und Demokratiebildung gehören zusammen. Sie stärken Wissen, Urteilskraft und Verantwortung. Eine moderne Schule vermittelt beides: digitale Werkzeuge zu nutzen und die Welt besser zu verstehen.

 

Zweitens: exzellente Forschung sichern. Der zweite Baustein ist die Spitzenforschung an unseren Universitäten und Forschungseinrichtungen. Wien verfügt dabei über große Stärken von der Grundlagenforschung bis zur Anwendung. Unsere Aufgabe als Politik ist es, diese Exzellenz durch Investitionen in die Infrastruktur, durch internationale Vernetzung und durch attraktive Bedingungen für Talente weiter zu sichern und auszubauen. Denn Talente gehen dorthin, wo Ideen wachsen können.

 

Genau diese Räume schaffen wir. Eine Institution wie der WWTF ist dabei einer der wichtigsten Partner, weil er exzellente Vorhaben fördert und junge Forschende nach Wien holt. Das stärkt nicht nur einzelne Projekte, sondern den gesamten Standort. (Beifall bei NEOS und SPÖ.)

 

Drittens: Wissenschaft sichtbar machen. Ein oft sehr unterschätzter Punkt ist die Frage, wie wir in der Gesellschaft über Wissenschaft sprechen. Ein Innovationsstandort funktioniert nur, wenn Wissen ankommt, wenn Technologie nicht Angst auslöst, sondern Neugier, und wenn Menschen verstehen, woran geforscht wird und warum.

 

Deshalb sind offene Räume, Dialog und erlebbare Wissenschaft so wichtig, zum Bespiel das geplante Q-Zentrum in der Aula der Wissenschaften, einem Ort, an dem Wissenschaft sichtbar und greifbar wird. Denn Innovation braucht Vertrauen, und Vertrauen entsteht durch Verständnis. Auch das Zoom Kindermuseum zeigt heute, wie es gut gelingen kann.

 

Viertens: von der Idee zur Wirkung. Der vierte Baustein ist der Technologietransfer, also die Translation in Wirtschaft, Start-ups und Skill-ups. Wien hat enormes Potenzial. Entscheidend ist aber: Wie viele Ideen schaffen es in die Umsetzung? Wie viele werden zu Unternehmen, zu Produkten und zu Lösungen für reale Bedürfnisse?

 

Hier gilt es, die Schnittstelle zwischen Universitäten und Wirtschaft zu stärken, Ausgründungen zu erleichtern und junge Unternehmer besser zu unterstützen. Innovation entsteht nicht nur im Labor, sondern dort, wo Ideen Wirkung entfalten. Das ist der Moment, in dem Forschung die Gesellschaft spürbar verbessert.

 

Fünftens: Leuchttürme mit Strahlkraft. Schließlich braucht es auch mutige sichtbare Projekte. Wir haben das in der Kombination von Life Sciences und künstlicher Intelligenz mit dem AITHYRA-Institut und auch mit dem neuen Gebäude, das dafür geschaffen wird. Das gilt auch für klimaneutrale Energiesysteme. Das gilt auch im Bereich der Quantentechnologie, wo wir einiges vorhaben.

 

Dazu gehört auch ein neues Verständnis von Infrastruktur für die Standortentwicklung. Rechenleistung ist heute das, was früher Energieversorgung und Straßen waren: eine zentrale Infrastruktur des 21. Jahrhunderts. Deshalb treiben wir auch den Ausbau von KI-Hochleistungsrechenzentren, zum Beispiel der AI-Gigafactory, voran.

 

Wien ist dabei eigentlich mehr als nur ein Standort. Wien kann auch eines der größten Reallabore Europas für Mobilität, für Klimaschutz und für intelligente Energie

 

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