Landtag, 10. Sitzung vom 24.03.2026, Wörtliches Protokoll - Seite 12 von 64
Vielfalt an Fischbeständen und deren Lebensgemeinschaften zum Ziel.
Darüber hinaus kommt dem fischereilichen Managementplan eine essentielle Bedeutung zu. Das ist ein Plan, der vom Magistrat der Stadt Wien als Verordnung auf Vorschlag der Donau-Auen GmbH erlassen wird. Dieser ist derzeit von 2022 bis 2028 gültig. Die Vorgaben des fischereilichen Managements im Wiener Teil des Nationalparks Donau-Auen folgen dabei dem Prinzip der ökologischen Tragfähigkeit, wobei ein wesentlicher Pfeiler die Reglementierung der Fischereilizenzen ist. Man sieht, dass da natürlich der ökologischen Tragfähigkeit der Gewässer Rechnung getragen wird, wenn man sich die Lizenzzahl anschaut. Diese ist seit 2017 rückläufig.
Ein zweites Kernziel ist die Sicherung der natürlichen Reproduktion. Die Fischbestände sollen sich dauerhaft aus eigener Kraft erhalten, statt auf künstlichen Besatz angewiesen zu sein. Mit Ausnahme des Karpfens funktioniert das auch. Es sind derzeit alle gewässertypischen Arten durch natürliche Vermehrung gesichert.
Flankierende Maßnahmen sind die Nachhaltigkeit beim Ausfang - das heißt, die Entnahme wird so gesteuert, dass die natürliche Produktivität der Gewässer immer höher ist als die Entnahme - und zugleich Schongebiete, die der fischereiliche Managementplan vorsieht, also Gebiete, wo keine Fischerei erlaubt ist.
Eine Bedrohung einzelner Fischarten durch die Fischerei ist auf Grund der umfangreichen Vorgaben des fischereilichen Managements auszuschließen. Neben den gesetzlichen Rahmenbedingungen kann ich noch hinzufügen, dass auf Fachebene regelmäßig die Arbeitsgruppe/Forschungsgruppe Lobau Forschungsmanagement tagt. Das ist eine Arbeitsgruppe, die aus allen hauptverantwortlichen Dienststellen besteht: der MA 22, der MA 45, der MA 49, der MA 31 und der Nationalparkverwaltungs-GmbH. Das Ziel ist es, Vorhaben und Projekte von Forschungseinrichtungen zu unterstützen, zu lenken sowie den Wissenstransfer zwischen den beteiligten Stellen zu fördern. Dabei werden für den Wiener Teil des Nationalparks routinemäßig alle wissenschaftlichen Projekte koordiniert.
Ich würde als Fazit sagen: Durch den fischereilichen Managementplan und den kontinuierlichen fachlichen Wissensaustausch ist sichergestellt, dass die gesetzlichen Schutzziele bezüglich des Fischbestandes im Wiener Teil des Nationalparks erreicht werden.
Präsident Prof. Mag. Dr. Gerhard Schmid: Danke, Herr Landesrat. Ich danke für die wissenserweiternde zoologische Beantwortung der Frage.
Als Stellerin der 1. Zusatzfrage ist von den GRÜNEN Frau Abg. Wirnsberger eingemeldet. - Ich ersuche darum.
Abg. Christina Wirnsberger (GRÜNE): Sehr geehrter Herr Landesrat, danke schön für die sehr ausführliche Beantwortung.
Eine maßgebliche Bedrohung für den Fischbestand insbesondere in der Unteren Lobau ist das Niedrigwasser. Das hat man jetzt am drastischen Fischsterben im Februar gesehen. 1 000 Fische sind dort verendet. Hauptursachen waren extremer Sauerstoffmangel durch das allseits bekannte Niedrigwasser in Kombination mit einer geschlossenen Eisdecke und freigesetzten Faulgasen.
Jetzt ist meine Frage dazu, wie im Zuge des Monitorings und auch des Risikomanagements anlässlich dieses für das Naturgebiet - Naturjuwel, wie Sie gesagt haben - Lobau doch sehr drastischen Vorfalls da jetzt Risiken geprüft wurden und Maßnahmen gesetzt werden, um das in Zukunft zu verhindern, beispielsweise indem man die Wasserzugabe, die dringend notwendig ist - und Sie haben gesagt, es wird schon daran gearbeitet, aber es wird noch Jahre dauern -, nun beschleunigen kann.
Präsident Prof. Mag. Dr. Gerhard Schmid: Danke, Frau Abgeordnete. - Herr Landesrat, bitte.
Amtsf. StR Mag. Jürgen Czernohorszky: Vielleicht zum von Ihnen zitierten Vorfall des Fischsterbens: Ich möchte an dieser Stelle auch sagen, ich gebe offen zu, es waren ja furchtbare Fotos, die man da in den Medien gesehen hat, die auch mich sehr betroffen gemacht haben. Umso mehr war es mir ein Anliegen, dass die Gründe dafür herausgefunden werden. Ich habe dann im Sinne einer vollständigen Aufklärung die MA 49 beauftragt, ein Expertengutachten erstellen zu lassen.
Die Ergebnisse, es wurde ja von Ihnen auch erwähnt, lassen sich kurz zusammenfassen: Das Fischsterben ist auf Grund der Niederwassersituation, der heuer im Vergleich zu den letzten Jahren ungewöhnlich lang anhaltenden Eisdecke, des damit verbundenen Sauerstoffdefizites, der Freisetzung von Faulgasen aus der Schlammschicht der Gewässersohle und besonders auch durch das Eislaufen, das dort stattgefunden hat, ausgelöst worden.
Man sieht, es gibt überhaupt keinen Grund, da irgendetwas zu relativieren, aber die Ursache ist multikausal, hat aber sehr wohl, wie Sie auch gesagt haben, mit dem Niederwasser zu tun.
Ich betrachte das als zusätzliche Bestätigung für unser Bemühen, die Dotation der Unteren Lobau intensiv zu prüfen und letztlich auch zu ermöglichen. Ich möchte das an dieser Stelle auch sagen. Wir haben in diesem Jahr - weil es ja sehr komplexe Rahmenbedingungen sind - zunächst ein Grundwasserströmungsmodell beauftragt. Das wird die zentrale Entscheidungsgrundlage sein, weil anhand so eines Modells eben festgelegt werden kann, ob und mit welchen Vorkehrungen ein wasserwirtschaftlicher Versuch zur Weiterleitung von Dotation aus der Oberen in die Untere Lobau ohne Risiko für die Trinkwasserversorgung durchgeführt werden kann. Mit anderen Worten - das möchte ich schon auch sagen: Wir wollen nicht nur, sondern wir müssen faktenbasiert Handlungen setzen. Wir setzen eben alles daran, eine Dotation zu ermöglichen, sind aber auch den Wienerinnen und Wienern im Wort, ihre Versorgung mit hochqualitativem Trinkwasser zu garantieren.
Weil unser Einsatz in der Lobau aber allumfassend sein muss und dieses Gutachten ja auch darauf hinweist, dass es sehr unterschiedliche Gründe für dieses Fischsterben gibt, die alle zusammenwirken, habe ich das auch zum Anlass genommen, die MA 59 in Gespräche
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