Gemeinderat, 15. Sitzung vom 16.06.2026, Wörtliches Protokoll - Seite 108 von 112
von ganz jungen Jahren an so hört, so liest und so mitbekommt. Es sind eben diese antiquierten Rollenbilder und Klischees, die man - ob man nun einmal möchte oder nicht - mitbekommt.
Die Realität zeigt: Unsere Welt funktioniert immer noch viel zu oft nach diesen vermeintlich traditionellen Mustern. Rollenstereotype leben, und es wird nach ihnen gelebt: Sexismus und starre Geschlechterrollen, die im Übrigen beide Geschlechter betreffen. Es leiden nicht nur Frauen unter diesen Klischees.
Dieser hohe Druck, diesen bestimmten und vermeintlichen Idealen entsprechen zu müssen - ob man das nun innerlich eigentlich möchte oder auch nicht -, führt häufig dazu, dass ganz besonders Mädchen ihre eigene Persönlichkeit nicht frei entfalten können und bei der selbstbestimmten Verfolgung ihrer persönlichen Ziele ganz oft auf künstliche Grenzen stoßen und entsprechend ganz aktiv gegen tradierte Rollenbilder und Klischees ankämpfen müssen. Das setzt so viel Bewusstsein darüber voraus, womit man es eben zu tun hat.
Letzten Endes - das muss man in dieser Debatte auch immer dazusagen - sind sie vielleicht sogar geschlechtsspezifischer Gewalt ausgesetzt, weil diese Geschlechterklischees und Rollenbilder, die man halt so im Kopf hat, bei einigen in unserer Gesellschaft leider immer noch zu Besitzdenken und entsprechend auch zu patriarchaler Gewalt führen. Auch das muss adressiert werden.
Es sind also Geschlechterstereotype, die Frauen und Männern vermeintlich "ihren Platz" - das sage ich hier unter Anführungszeichen - zuweisen. Wenn Frauen als zickig gelten, dann gelten Männer als was? - Als durchsetzungsstark. Wenn Frauen als vermeintlich egoistisch und als karrieresüchtig gelten, was sind dann Männer oft in diesen Geschlechterklischees? - Sie sind ehrgeizig. Wenn Männer selbstbewusst sind, dann sind Frauen arrogant und hochnäsig. (Zwischenruf.)
Wenn wir all diese Klischees und Doppelbödigkeiten hernehmen, dann hat all das immer eine Basis, nämlich genau diese Rollenbilder, die wir, sehr geehrte Damen und Herren, aufbrechen müssen. (Beifall bei den NEOS.)
Das kann man ja nicht nur anhand der Eigenschaften so weiterführen, sondern auch in vielerlei Szenarien im Berufsleben. Stereotype hindern Frauen, aber auch Männer daran, in bestimmten Berufen, die vermeintlich männlich oder vermeintlich weiblich sind, Fuß zu fassen.
Frauen betrifft das vor allem in technischen Berufen. Wenn man sich aber überlegt, wie viele Männer denn in vermeintlich weiblichen Jobs arbeiten - im Kindergarten, in Pflegeberufen -, dann sieht man, wo auch da diese Rollenbilder, die wir im Kopf haben, noch immer weiterleben. Ganz klar ist: Stereotype behindern ganz viele. Sie behindern die freie Wahl. Sie behindern objektive Entscheidungen. Sie behindern Beförderungen. Sie sind bei Gehaltsverhandlungen vorzufinden, auch bei der Frage nach Verhandlungsgeschick, bei der Personalentwicklung und bei vielem weiteren mehr. Sie fördern toxische Erwartungen an Männer und Frauen gleichermaßen.
Wenn wir diese Geschlechterrollen aufbrechen, dann schaffen wir echte Wahlfreiheit, die von diesen tradierten Bildern in unseren Köpfen unabhängig ist. Mit diesem Fördercall - damit möchte ich auch die Brücke zu diesem Poststück schlagen, das wir hier heute beschließen - schaffen wir Rahmenbedingungen für innovative Projekte und flexible Förderungen sowie für Einrichtungen und Vereine, die ihre Expertise gemeinsam mit und für Mädchen einbringen und gemeinsam im Kleinen wie auch im Großen daran arbeiten, diese Gesellschaft gerade vor dem Hintergrund all dessen, was ich gerade gesagt habe, zu einer besseren zu machen. Denn diese Weichen werden - ich habe das gleich zu Beginn gesagt - schon in frühem Alter gelegt. Es ist ja wie ein Kreislauf.
Wir müssen deshalb eines tun: Wir müssen Mädchen stärken und empowern. Das tun wir mit genau solchen Projekten. Dabei möchten wir vor allem eines vermitteln: Frei und selbstbestimmt zu leben ist das Recht eines jeden und einer jeden.
Ich möchte mit einem Zitat von Coco Chanel schließen, das ich wirklich sehr treffend finde und dem eigentlich kaum etwas hinzugefügt werden kann: "Jede Frau und jedes Mädchen sollte exakt zwei Dinge sein: wer und was sie will." - Dem gibt es nichts hinzuzufügen. In diesem Sinn bitte ich um Ihre und eure Zustimmung. (Beifall bei den NEOS.)
Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Als Nächste ist GRin Malle zu Wort gemeldet. - Bitte, Sie sind am Wort.
GRin Mag. Mag. Julia Malle (GRÜNE): Sehr geehrte Frau Vorsitzende, liebe Kolleginnen und Kollegen!
Wir sprechen eben über diesen neuen Fördercall der MA 57 und damit über wichtige frauenpolitische Ziele. Meine Vorrednerin hat gerade auch gesagt, was wichtig wäre. Dem schließe ich mich auch total an. Gerade deshalb braucht es aber in dem Bereich eigentlich mehr Budget und nicht weniger. Das ist auch unser großes Problem, das wir jetzt hier haben. (Beifall bei den GRÜNEN.)
Offiziell heißt es: Modernisierung der Förderstruktur und höhere Fördersummen pro Projekt sowie effizientere Mittelvergabe wegen anhaltender hoher Nachfragen in diesem Bereich, was Projektförderungen betrifft.
Kollegin Keri hat es ausgeführt: Um 5 000 EUR konnte man bislang ansuchen. Zukünftig sind es 10 000 EUR pro Projekt. Das klingt nach außen hin zunächst einmal gut: ein neuer Call statt des bisherigen Kleinprojektetopfes. Die Realität ist aber nicht ganz so toll.
Denn es wurde auch schon gesagt: Aus 140 000 EUR wurden 80 000 EUR. Das bedeutet doch eine sehr deutliche Reduktion um 43 Prozent in diesem wichtigen Bereich, der gerade solche Projekte anstoßen sollte, die sich um die Verringerung von Stereotypen und um das Empowerment von Frauen und Mädchen in dieser Stadt kümmern.
Das ist für uns tatsächlich schon eine Kürzung, bei der wir sagen: Das können wir auch in dieser Hinsicht tatsächlich nicht mehr mittragen. Es ist immer schwierig, gegen einen Fördercall im Bereich Frauen- und Mädchenberatung zu stimmen, und es tut mir auch persön
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