Gemeinderat, 15. Sitzung vom 16.06.2026, Wörtliches Protokoll - Seite 74 von 112
stelle war der Fall damit beendet. Das ist die Realität, und aus dieser Realität hat die FPÖ eine Kampagne gebaut, die genau das Gegenteil behauptet hat. Und die Kollegin von der ÖVP, die hier gesprochen hat, von einer Partei, die eigentlich wissen sollte, was Familienberatung ist, ist dieser Kampagne nachgesprungen, ist mitgelaufen. Eine Einrichtung attackieren, die genau das macht: Familien stärken, Krisen verhindern, Menschen unterstützen - in meinen Augen ist das keine konservative Politik, das ist purer Opportunismus.
Mittlerweile wissen wir auch zu diesem Fall Walter viel mehr, weil der Rechtsanwalt Helmut Graupner zu diesem Fall öffentlich Stellung bezogen hat. Er hat die Handlung dieser Person, dieses Walter, als Erschleichung einer Personenstandsänderung mit kriminellen Methoden bezeichnet, und das Oberlandesgericht Wien hat ihm im Februar dieses Jahres auch recht gegeben.
So, was bedeutet das jetzt? (Zwischenruf von GR Armin Blind.) - Das bedeutet, eine Person, die von der FPÖ als Kronzeuge für ein angeblich kaputtes System präsentiert worden, hat selbst öffentlich erklärt, dass diese Änderung des Geschlechtseintrages nur vorgenommen wurde, um für Wirbel zu sorgen und die Justiz zu ärgern, und das Oberlandesgericht hat festgestellt, dass war kriminell. Genau gleichzeitig hat die FPÖ diese eine kriminelle Person verwendet, um seriöse Beratungsstellen zu diskreditieren und echte transidente Menschen unter Generalverdacht zu stellen.
Fakt ist, die Beratungsstelle COURAGE hilft seit 25 Jahren queeren Menschen in Wien, und die ÖVP und die FPÖ haben sie wochenlang mit einer politischen Kampagne attackiert. Ich sage Ihnen jetzt, was dahintersteckt. Die FPÖ redet vom Schutz der Familien, die FPÖ redet vom Schutz der Normalität, und die ÖVP nickt dazu. Aber schauen Sie sich an, was tatsächlich passiert! Sie verwenden einen Fall, der auf kriminellen Handlungen basiert - noch einmal: das hat das Oberlandesgericht Wien bestätigt -, um diese Einrichtung anzugreifen, die professionell, korrekt und gesetzeskonform arbeitet, eine Einrichtung, die Familien stärkt, die Eltern hilft, eine Einrichtung, die verhindert, dass Menschen in Krisen allein gelassen werden. Wer das Familienschutz nennt, der hat entweder a) keine Ahnung, was die COURAGE macht, oder er nimmt b) das Leiden dieser Menschen bewusst in Kauf. Das ist die Wahrheit hinter dieser Kampagnisierung, und die können Sie auch nicht wegkampagnisieren.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich sage es hier noch einmal - man kann es nicht oft genug sagen: Was die COURAGE macht, ist keine Ideologie, es ist professionelle psychosoziale Beratung für Menschen, die sie brauchen. Es ist auch keine Aktivismuszentrale, es ist ein Ort, an dem Menschen in Not geholfen wird. Es ist ein Ort, von einem multiprofessionellen Team getragen, wo nach den Standards des Bundesministeriums für Gesundheit und nach internationalen Forschungsstandards gearbeitet wird.
Ich dulde hier keine Kampagnisierung gegen Menschen. Schön, dass das die Mehrheit in diesem Haus auch so sieht. Deshalb ist es wichtig, dass wir heute hier sagen, Wien steht zur Beratungsstelle COURAGE. Wir stehen auch vor allem zu den Menschen, die dort Hilfe suchen, auch zu den Menschen, die dort verantwortungsvoll wichtige Arbeit leisten. Wir werden nicht zulassen, dass mit einer billigen, peinlichen Kampagnisierung die Arbeit der COURAGE in den Dreck gezogen wird. - Vielen Dank. (Beifall bei NEOS, SPÖ und GRÜNEN.)
Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Zu Wort gemeldet: GRin Mag. Haase.
GRin Mag. (FH) Susanne Haase (SPÖ): Sehr geehrter Herr Vorsitzender, sehr geehrte Zusehende via Livestream, liebe Damen und Herren!
Am Samstag fand die 30. Wiener Regenbogenparade statt. Wer dabei war - und ich sehe doch einige hier im Raum, die dabei waren -, konnte dieses starke Zeichen der Vielfalt sehen und vor allem auch spüren. 30 Jahre Regenbogenparade - das sind 30 Jahre Sichtbarkeit, 30 Jahre Mut, 30 Jahre unermüdlicher Einsatz für gleiche Rechte gegen allen Widerstand und gegen alle Vorurteile. Es sind 320 000 Menschen über den Wiener Ring marschiert, friedlich und bunt - ein starkes Zeichen. Das sind mehr Menschen, als Österreichs zweitgrößte Stadt EinwohnerInnen hat. Mit dabei auf dieser Regenbogenparade waren unzählige Organisationen, Vereine, Interessengemeinschaften, die sich tagtäglich für die Community einsetzen, die das ganze Jahr über dafür arbeiten, dass queere Menschen in dieser Stadt gut leben können und den Respekt bekommen, der ihnen zusteht.
Eine dieser Organisationen ist die COURAGE, deren Jahresförderung wir heute beschließen. Die COURAGE ist eine von jenen Organisationen, die sich seit vielen Jahren mit Professionalität und Menschlichkeit für queere Menschen einsetzt, und sie feiert in diesem Jahr ihren 25. Geburtstag. Die COURAGE ist eines der größten Beratungszentren, die Wien überhaupt hat. In der Zeit ihres Bestehens wurden dort über 35 000 Menschen beraten. Das sind 35 000 individuelle Geschichten und Schicksale.
Doch was ist die COURAGE eigentlich? - Wie der Kollege Weber schon gesagt hat, die COURAGE ist eine vom Bund nach dem Familienberatungsförderungsgesetz anerkannte professionelle Beratungsstelle für LGBTIQ+-Personen, ihre Familien, ihre PartnerInnen und ihre Angehörigen. Die Wiener COURAGE wurde 1999 gegründet, sie feiert wie gesagt heuer ihren 25. Geburtstag, und sie war lange Zeit überhaupt die einzige Beratungsstelle für queere Lebensweisen in Österreich.
Liebe Kolleginnen, nachdem die COURAGE ja nun schon seit 25 Jahren besteht, ist sie auch der beste Beweis dafür, dass queere Lebensweisen und insbesondere auch Transidentitäten ganz sicher kein Modetrend sind. Daher möchte ich an dieser Stelle noch einmal ein paar Punkte klarstellen, auch wenn das manche Leute hier in dem Haus nicht hören möchten. Es gibt mehr als zwei Geschlechter. Trans sein ist keine Krankheit, und es ist auch keine Modeerscheinung. Ich sage Ihnen, der Weg in das andere Geschlecht ist ein langer und ein mühsamer, den niemand leichtfertig geht. Eine wichtige Botschaft auch noch: Konversionstherapien sind keine
Stadt Wien | Geschäftsstelle Landtag, Gemeinderat, Landesregierung und Stadtsenat (Magistratsdirektion)
Kontaktformular