Gemeinderat, 15. Sitzung vom 16.06.2026, Wörtliches Protokoll - Seite 72 von 112
So, um das ganze jetzt ein bisschen abzukürzen - ich glaube man kann mir folgen: Damit mehrere Bewerberinnen und Bewerber zum Zug kommen können, wird die Stadt Wien insgesamt fünf Lose ausschreiben. Das tut sie auch, um Versorgungsrisiken zu vermeiden, falls ein erstgereihter Anbieter dann doch ausfällt. Dann würden halt der Zweit- und Drittanbieter in Betracht kommen.
Noch einmal: Ich finde die Idee charmant, nur leider nicht besonders realistisch. - Herzlichen Dank. (Beifall bei SPÖ und NEOS.)
Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: GR Ellensohn meldet sich zu Wort. - Bitte schön.
GR David Ellensohn (GRÜNE): Herr Vorsitzender, meine Damen und Herren!
Ich mische mich normalerweise nicht ein, und der GR Stadler hat das wunderbar ausgeführt, aber jetzt gehe ich als Stadtrechnungshofvorsitzender - in einer Woche oder in zwei Tagen - auf die Vergabekriterien ein. Man kann natürlich schon sagen: Es geht gar nicht, weil, weil, weil!, und die Begründungen klingen ja irgendwie schlüssig, könnte man sagen, wenn es so wäre.
Wie machen das andere Bundesländer? Das würde ja heißen, alle anderen, die das machen, verletzen die ganzen Kriterien, kümmern sich nicht darum, brechen alle möglichen Gesetze, weil nur wir hier es richtig machen. Das ist natürlich falsch. Darf man es anders machen? - Na, man soll es sogar anders machen.
Was steht denn in den europäischen Kriterien für Ausschreibungen? - Man soll kleine Lose machen, wenn es möglich ist, um zu verhindern, dass immer nur die großen Anbieter gewinnen. Es gibt ja nachher keinen. Wer gewinnt denn jedes Mal? Wir wissen es vorher. Hat es schon einmal eine Ausschreibung für Essen in den Schulen gegeben, die GOURMET nicht gewonnen hat?
Jetzt nur eine Kleinigkeit dazu: Meine Burschen waren irgendwo in einer Schule und haben dort das Essen gekriegt. Alle Kinder - wirklich: fast alle - sagen das Gleiche. Sie essen es noch mit zehn, sie essen es mit elf. Dann werden sie ein bisschen selbstständiger, und dann schmeckt es niemandem mehr. Ich habe dort Zwillinge drin gehabt. Einer ist ein bisschen kräftiger als der andere. Der Kräftigere hat jedes Mal gesagt, das Essen war furchtbar. Der andere hat auch gesagt, es war furchtbar. Der eine ist mit Hunger heimgekommen, weil er es nicht angerührt hat. Der andere hat immer gesagt, es war furchtbar, aber er hat es fertiggegessen, weil er halt hungrig war. Das war aber die einzige Begründung.
Dann ist man dort im Elternverein, und alle sagen das Gleiche. Dann bleibst du dort jahrelang, das Essen ist immer so, sie essen es nicht. Alle da herinnen, die Kinder in den Schulen haben, wissen das. Welches Kind kommt begeistert nach Hause und sagt: Ich bin 15 Jahre alt, das GOURMET-Essen ist ein Wahnsinn, liebe Mama, lieber Papa, koch das einmal nach!? - Genau null da herinnen, null. Und dazu müssten sie keine großen Köche und Köchinnen sein. Mein Vater ist ein Koch, ich habe ein bisschen was davon gelernt. Das muss man gar nicht so gut können.
Die Frage ist jetzt im ernsthaften Teil: Das, was der Felix Stadler versucht hat, wäre es doch zumindest wert, dass man irgendwo eine Region aussucht - es ist jetzt wurscht, einen Teil von Ottakring oder irgendwo - und das anfängt. Ich könnte Ihnen jetzt die Liste aufzählen, wie das andere Bundesländer machen, weil man die schnell findet. Möglich ist das schon. Wenn man es politisch möchte, macht man es. Wenn man will, dass immer die gleichen zwei Anbieter gewinnen, macht man eine möglichst große Ausschreibung, und keiner kann mittun.
Und all diese Kriterien, die aufgezählt worden sind: Das gesunde Essen muss ja der Wirt ums Eck auch verkaufen, der darf ja auch keine Salmonellen verkaufen. Darf irgendein Wirt in Wien all diese Verletzungen machen? (Zwischenruf von GRin Katharina Weninger, BA.) - Nein, jetzt ist es mir zu viel. Lesen Sie einfach im Artikel 46 der Richtlinie für öffentliche Auftragsvergabe, wie man das machen soll, Division of contracts into lots, Aufteilen von Aufträgen in Lose. Das ist nicht eine Möglichkeit, das ist die Empfehlung bei Ausschreibungen. Die Empfehlung lautet nicht: Möglichst groß machen, dass keiner ...! Es ist genau umgekehrt. Also müsste ich jetzt sagen, sorry, ich habe ... Das liest sich genau umgekehrt. Sie müssen ja nur nachschauen, das ist ziemlich einfach.
Besseres Essen muss auf jeden Fall in die Schulen, wurscht, wer es macht, auch wenn es GOURMET macht oder sonst einer. Das Essen in den Wiener Schulen macht den Kindern keine Freude, kostet die Leute daheim Geld, weil sie alle am Abend nachkochen müssen. Hätten die während des Tages genug gekriegt, hätten sie eine Entlastung. Ich weiß gar nicht, wie viel von dem Zeug weggeworfen wird, nämlich wirklich, weil es stehen gelassen wird. Ich sage jetzt nicht, wer genickt hat, aber da nicken auch Väter und Mütter, die nicht meiner Fraktion angehören, ja. - Vielen Dank. (Beifall bei den GRÜNEN.)
Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Zu Wort gemeldet: GRin Bakos. - Bitte schön.
GRin Mag. Dolores Bakos, BA (NEOS): Danke. Herr Vorsitzender!
Ich möchte die Diskussion nicht unnötig in die Länge ziehen. Ich merke allerdings an der Diskussion, sprichwörtlich gesagt, die Geschmäcker sind verschieden. Ich möchte aber eines dazusagen, weil mir das wirklich ganz besonders wichtig ist - die Kollegin Pany hat das aber schon erwähnt: Es geht jetzt nicht nur um Rechtliches, es geht nicht nur um die wirtschaftliche, um die technische Leistungsfähigkeit, um die Unterschiede zwischen einer Tausend-Seelen-Gemeinde auf dem Land und vielleicht einer Gemeinde, wie Wien eine ist. Es geht vor allen Dingen um das Wohl von Kindern - es ist schon ausgeführt worden -, es geht vor allen Dingen uns allen um die Versorgungssicherheit. Das, sehr geehrte Damen und Herren, ist wirklich das Allerwichtigste, wenn wir über dieses Thema sprechen, neben all den anderen Dingen, die die Kollegin Pany gesagt hat. (Beifall bei NEOS und SPÖ.)
Auch ich finde, dass diese Idee wirklich - wie die Astrid Pany es gesagt hat - eine sehr charmante ist. Es geht aber darum, dass diese Gemeinschaftsverpflegung eine ist, die gekonnt werden muss. Es geht um Kriterien, die
Stadt Wien | Geschäftsstelle Landtag, Gemeinderat, Landesregierung und Stadtsenat (Magistratsdirektion)
Kontaktformular