Gemeinderat, 15. Sitzung vom 16.06.2026, Wörtliches Protokoll - Seite 71 von 112
haben. Wir glauben, das ist eine Win-win-Situation für die lokalen Betriebe, für die Schulen, aber auch für die Kinder, die dann ein frisches Essen haben. (Beifall bei den GRÜNEN.)
Ich möchte auch gleich dazusagen - weil ich glaube, das wird gleich kommen -, das ist nicht so einfach. Das verstehen wir auch. Das geht auch nicht von heute auf morgen, das kann man dann auch nicht für alle Schulen machen, aber es sollte doch möglich sein, dass die Schulen - und die gibt es in Wien -, die solche Projekte angehen wollen, die mit lokalen Betrieben zusammenarbeiten wollen, die frisch gekochtes Essen vom Wirtshaus nebenan haben wollen, das vielleicht in Pilotprojekten zumindest einmal machen können. (Zwischenruf von GR Jörg Neumayer, MA.)
Österreichweit gibt es nämlich einen relativ hohen Prozentsatz, in manchen Bundesländern bis zu 40 oder 50 Prozent - an Schulen, die genau das machen, und wir glauben, dass Wien nicht schlechter ist als die anderen Bundesländer. Auch Wien kann es ermöglichen, dass lokale Betriebe frisches Mittagessen an die Schulen bringen. Deswegen stellen wir hier heute den Antrag. - Vielen Dank. (Beifall bei den GRÜNEN.)
Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Zu Wort gemeldet: GRin Pany. Ich erteile es ihr. - Bitte schön.
GRin Astrid Pany, BEd, MA (SPÖ): Vielen Dank. - Werter Herr Vorsitzender, werter Herr Berichterstatter, werte Gemeinderätinnen und Gemeinderäte, werte Zuhörerinnen und Zuhörer!
Sehr geehrter Herr Kollege Stadler, ich finde ja die Idee durchaus charmant, ich kann dieser Idee ja wirklich was abgewinnen. Wie alle, glaube ich, in dem Raum wissen, war ich selber Schulleiterin. Ich hätte es, glaube ich, durchaus charmant gefunden, wenn ich mir einfach einen Wirt meines Vertrauens suchen und mir mit dem das Schulessen ausmachen können hätte.
Das Wesentliche ist aber schon, dass der Preis gehalten werden muss. Es kann nicht sein, dass man an der Schule X in Wien mehr für das Mittagessen zahlt als an der Schule Y und am Ende des Tages die Schulwahl wieder vom Geldbörsel abhängt. Ich glaube, das ist einmal der Teil, wo wir uns vermutlich sogar total einig sind, weil ich Ihre Einstellung inzwischen auch ein wenig kenne.
Welches Problem haben wir noch? - Mein Neffe geht in eine kleine Gemeinde im Burgenland, in eine sehr nette Schule mit vier Klassen. Ich darf berichten - ich will jetzt voll kein Bashing machen -, es ist der dritte Wirt, weil es nicht funktioniert, weil dann die Qualität nicht passt, weil der Preis nicht passt, weil es nicht funktioniert. Es stellt sich dort oft gar nicht so einfach dar, wie man glaubt. Aber die Gemeinde Wien hat jetzt nicht eine Schule mit vier Klassen, sondern wir sprechen von 237 ganztägigen Schulen im Pflichtschulbereich.
Ich mache jetzt kurz ein Ratespiel: Um wie viele Mittagessen handelt es sich da zirka täglich? (Zwischenruf bei der SPÖ.) - Viele, total viele. (Zwischenrufe von GRin Mag. Dolores Bakos, BA und GRin Dr. Maria In der Maur-Koenne.) - Ja genau, da aus den Reihen der NEOS kommt die richtige Antwort. Es sind zwischen 55 000 und 60 000 Mittagessen täglich. Das ist jetzt nicht irgendwas, ja.
Jetzt haben wir das nächste Problem. Das bedeutet, eine Gemeinde, so viele Mittagessen. Es ist ein öffentlicher Auftrag - und zwar ein öffentlicher Auftrag, der so groß ist, dass der Auftragswert die von der EU festgelegten Schwellenwerte überschreitet. So, und jetzt wissen wir hoffentlich, was das bedeutet: Es muss im Oberschwellenbereich ausgeschrieben werden, und damit gelten EU-weite, harmonisierte Vergabekriterien. Das ist eine Tatsache. Das muss nicht für immer so bleiben. Man kann da sicher einen Antrag ans EU-Parlament oder an den Nationalrat stellen: Ändern wir ein EU-Gesetz! Ändern wir nationale Gesetze! Dann können wir das vielleicht machen. Das ist in Wahrheit halt nicht das Richtige für den Gemeinderat, weil es ausgeschrieben werden muss.
Diese Ausschreibungen haben dann noch sehr viele Kriterien zu erfüllen. Es sind die ÖGE-Kriterien, die Kriterien der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung. Da geht es um zielgruppengerechte Verpflegung. Ein Mittelschüler braucht nicht dieselbe Kalorienmenge wie ein Volksschulkind. Es geht um die schonende Zubereitung, damit sowohl Geschmack als vor allem auch Nährstoffe erhalten bleiben. Es geht um eine abwechslungsreiche Lebensmittelauswahl. Wir wissen, gerade bei Kindern bedeutet die Vielfalt der angebotenen Speisen letztendlich auch die Akzeptanz von Speisen. Die Sachen müssen biozertifiziert sein, der mengenmäßige Gesamtbioanteil der eingesetzten Rohstoffe muss 50 Prozent betragen, bis 2030 übrigens 55 Prozent. Es muss den Ökokaufkriterien der Stadt Wien entsprechen. Es muss gentechnikfrei sein. Die Lebensmittel müssen aus tiergerechter Haltung stammen, die Hühnereier selbstverständlich aus Freilandhaltung. Das alles finde ich übrigens richtig. Diese Kriterien kann der Wirt ums Eck halt nicht immer erfüllen. Also er könnte es vermutlich, nur wäre es wesentlich teurer.
Aber das wirklich Gefährliche am Wirt ums Eck ist eigentlich ganz was anderes. Ich sage es noch einmal: Ich finde ja diese Idee charmant. Ich bin ja schon eine die sehr regional einkauft, ich bin eine Markteinkäuferin. Es ist nicht so, dass mir die Idee nicht gefällt, sie ist nur leider nicht umsetzbar. Wirklich schlimm wird es, wenn der Wirt ums Eck krank ist oder wenn der Koch krank ist. Was erklärt man dann als Schulleiterin 370 Kindern? Was sagt man dann den Eltern und Erziehungsberechtigten? - Heute gibt es Brot mit Wasser, in drei Tagen haben wir wieder warmes Mittagessen? - Ich bezweifle, dass man so schnell einen neuen Wirt ums Eck findet, der schnell genug einspringt. Das heißt, diese ganzen Ausschreibekriterien beinhalten auch, dass der Anbieter ein niedriges Ausfallsrisiko nachweisen muss, und das ist auch was Wesentliches.
Dann haben wir noch ein Thema. Wir haben sehr, sehr strenge Hygienevorgaben, und auch das ist korrekt. Ich mag mir den Aufschrei gar nicht vorstellen, wenn wir das erste Mal in einer Schule Salmonellen haben. Auch den Aufschrei hier im Gemeinderat mag ich mir gar nicht vorstellen.
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