Gemeinderat, 15. Sitzung vom 16.06.2026, Wörtliches Protokoll - Seite 19 von 112
Wenn dem aber nicht so sein sollte, weil die Bedingungen der Europäischen Kommission jetzt andere geworden sind, werden wir uns trotzdem bemühen, ein großes Rechenzentrum in Wien zu errichten, weil wir auch ideale Bedingungen haben. Wir haben nicht nur einen großen Anteil an alternativen Energieformen, wir sind mittlerweile im Bundesländervergleich das Bundesland, das den ersten Platz bei der Solartechnologie hat und bei der Windkraft auf dem dritten Platz liegt. Wir können also durchaus auch sehr selbstbewusst andeuten, dass wir die besten Voraussetzungen in der alternativen Energie haben, aber wir haben auch einen Vorteil, den andere Bundesländer nicht haben, nämlich, dass wir durch unser entsprechendes Fernwärmenetz auch mit der Abwärme sinnvoll umgehen können. Das können andere nicht anbieten, und das ist eine der vielen Stärken, die wir über viele Jahrzehnte in Wien aufgebaut haben.
Zur zweiten Frage, zum Ludwig Boltzmann Institut: Sie haben recht, da gibt es eine finanzielle Einschränkung, allerdings auch deshalb, weil wir gleichzeitig mit dem Ludwig Boltzmann Institut gemeinsam ein Institut aufbauen, nämlich das Ludwig Boltzmann Institute for Science, Outrage and Pandemic Preparedness, und gemeinsam mit dem Ludwig Boltzmann Institut dieses Projekt begleiten - und zwar in der Größenordnung von 300 000 EUR. Also von daher setzen wir bewusst bei unserer Wissenschaftsförderung gezielt Investitionen in strategische Bereiche, wo wir auch als Kooperationspartner auftreten und gezielt jene Themenbereiche abdecken, die uns als unterstützenswert vorkommen. Und das ist auch mit dem Ludwig Boltzmann Institut so abgeklärt.
Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Die 2. Zusatzfrage kommt von der FPÖ. - Herr GR Mag. Saurer, bitte.
GR Mag. Bernd Saurer (FPÖ): Guten Morgen, Herr Bürgermeister!
Ihre Aussage, die ja mehr oder weniger den Kern dieser Anfrage bildet, nämlich, "wer bei Unis kürzt, spart bei Ärzten und Lehrern von morgen", war, glaube ich, in Ihrem Originalzitat auch um Forscher und Techniker erweitert. Jetzt meine Frage dazu: Kann man im akademischen Umkehrschluss daraus folgen, dass Sie die Frau Wissenschaftsminister bei Einsparungen in Fachgebieten, die nicht dem oben genannten Kreis entsprechen, begrüßen, wie zum Beispiel Sozialwissenschaften, Gender Studies oder Publizistik?
Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Herr Bürgermeister, bitte.
Bgm Dr. Michael Ludwig: Ja, das sind Entscheidungen, die die Universitäten zu treffen haben. Wir haben erfreulicherweise in Österreich eine Autonomie der Universitäten, die Themenschwerpunktsetzung an den jeweiligen Instituten ist auch Aufgabe jener, die dort wissenschaftlich und in der Lehre tätig sind, da würde ich als Politiker keine Vorgaben machen. Ich kann mich erinnern, vor vielen Jahren hat ein früherer Finanzminister von Orchideenfächern an den Universitäten gesprochen. Wir haben dann sehr schnell bemerkt, dass gerade diese sogenannten Orchideenfächer, wie er das genannt hat, plötzlich sehr relevante gesellschaftliche Felder abgedeckt haben. Daher macht es schon Sinn, dass die Wissenschaft auch in ihren Forschungsbereichen frei ist. Ich will nur daran erinnern, dass auch der letzte Nobelpreisträger, der aus Österreich gekommen ist, Anton Zeilinger, immer betont hat, wie wichtig es für ihn in der Forschung der Quantentechnologie war, dass er völlige Freiheit in der Wissenschaft und Forschung gehabt hat. Er sagt, aus rationalen Gründen hätte man seine Projekte gar nicht finanzieren dürfen, weil sie aus der Sicht am Beginn dieser Projekte als völlig illusorisch eingeschätzt worden sind. Und dann bekommt er den Nobelpreis, weil er eben in der Entwicklung der Wissenschaft und Forschung einen wichtigen Schritt gesetzt hat. Daher gehe ich davon aus, dass es auch in Zukunft Sinn macht, dass die Universitäten im Rahmen ihrer Autonomie selbst bestimmen, worauf sie ihre Wissenschaftsschwerpunkte legen. (Beifall bei SPÖ und NEOS.)
Vorsitzender GR Armin Blind: Die nächste Zusatzfrage hat GR Gorlitzer. - Bitte.
GR Dr. Michael Gorlitzer, MBA (ÖVP): Guten Morgen, Herr Bürgermeister!
Vielen Dank für die Beantwortung dieser Anfrage, die sehr ausführlich war. Sie haben in den letzten Wochen oft die Kürzungen des Bundes im Wissenschaftsbereich kritisiert und gleichzeitig immer wieder stark die Bedeutung von Wien gerade als Wissenschaftsstandort betont. Gleichzeitig, wir haben es schon gehört, sinkt in Wien das Budget für Wissenschaft von 6,9 auf 6,3 Prozent, und von den Einsparungen beim Ludwig Boltzmann Institut haben wir auch schon gehört. Aber ich komme jetzt zu meiner eigentlichen Frage: Um nicht nur die Wissenschaftsförderung vom Bund, die natürlich massiv ist, zu nützen, profitiert gerade Wien von einigen EU-Förderungen und insbesondere Programmen wie Horizon Europe. Welche konkreten Maßnahmen sind von Seiten der Stadt Wien geplant, um diese EU-Förderungen für den Wissenschaftsstandort in Wien noch weiter auszubauen?
Bgm Dr. Michael Ludwig: Zum einen muss man immer deutlich unterscheiden, welchen Kompetenzbereich es im Bund und bei uns in der Stadt gibt. Die Grundlagenfinanzierung obliegt dem Bund, das ist auch so geregelt, auch von der Verfassung und Vereinbarungen zwischen den Gebietskörperschaften. Das, was wir tun können, und das machen wir wie kein anderes Bundesland, ist, dass wir aus strategischen Überlegungen dort finanzieren, wo wir in Kooperation mit Universitäten, Fachhochschulen, universitären wissenschaftlichen Einrichtungen, privaten Unternehmen als Stadt Wien Schwerpunkte setzen können. Das ist uns auch, glaube ich, in den letzten Jahren wunderbar gelungen. Wir haben mit dem Bereich Biotechnologie, mit dem Bereich Digitalisierung große Schritte gemacht, wir wollen das jetzt auch mit der Quantentechnologie machen, daher fokussieren wir die finanziellen Ressourcen.
Und Sie haben recht, wir haben seit vielen Jahren auch einen Schwerpunkt im Ansprechen von EU-Fördermitteln, natürlich wollen wir nichts liegen lassen,
Stadt Wien | Geschäftsstelle Landtag, Gemeinderat, Landesregierung und Stadtsenat (Magistratsdirektion)
Kontaktformular