Gemeinderat, 15. Sitzung vom 16.06.2026, Wörtliches Protokoll - Seite 18 von 112
schaftliche Forschung, für internationalen Austausch und für Debatten über Demokratie, Europa, Freiheit, Krieg, Autoritarismus und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Solche Institutionen sind für eine Stadt wie Wien unverzichtbar, weil Demokratie nicht nur Verwaltung braucht, sondern Orte des Denkens, der Analyse und des intellektuellen Widerspruches.
Ein weiterer Grundpfeiler der Wiener Wissenschaftspolitik ist der Digitale Humanismus. Er zeigt besonders deutlich, wie vorausschauend die Wiener Stadtregierung gesellschaftspolitisch relevante Zukunftsfelder der Wissenschaft erschließt. Mit dem Doktoratskolleg Digitaler Humanismus hat Wien gemeinsam mit den Universitäten ein klares Signal gesetzt. Digitalisierung muss innovativ und zugleich gesellschaftlich verantwortungsvoll gestaltet werden. Das Kolleg vereint zentrale Wiener Universitäten und bildet mit 24 Doktoratsstellen eine neue Generation von Forschenden aus Informatik, Sozial-, Rechts- und Geisteswissenschaften aus. Die Stadt Wien steht wie kein anderes Bundesland für eine Wissenschaftspolitik, die Kooperationen zwischen Universitäten, Stadt und Gesellschaft stärkt.
Ein weiteres wichtiges Instrument der Wiener Wissenschaftslandschaft bilden die Projekt- und Einzelförderungen. Mit diesen Förderungen werden kleinere Forschungsprojekte, Symposien, Veranstaltungsreihen und Institutionen in einem breiten Spektrum wissenschaftlicher Felder unterstützt. Dazu zählen zahlreiche zeitgeschichtlich, geisteswissenschaftlich, stadtgeschichtlich und demokratiepolitisch relevante Vorhaben sowie Initiativen einer zeitgemäßen Gedenk- und Erinnerungskultur. Einer der Stärken dieser Förderinstrumente liegt in deren Seed-Grants-Funktion. Diese Seed Grants schaffen Räume, in denen neue Themen entstehen können, bevor sie groß genug für nationale und internationale Förderlogiken sind. Oft ermöglichen gerade diese Mittel explorative Vorarbeiten, erste Datenerhebungen, Archivstudien, Pilotstudien oder methodische Tests, die später die Grundlage größerer Forschungsanträge sind.
Die exzellente Kooperation mit den Universitäten zeigt sich auch an der von der Stadt Wien initiierten Strauss-Forschungsplattform. Mit dieser setzt die Stadt Wien eine kultur- und wissenschaftspolitisch einzigartige Kooperation mit der Universität Wien, Universität für Musik und darstellende Kunst, MUK, ÖAW, dem Wiener Institut für Strauss-Forschung und der Wienbibliothek auf. Damit bündeln wir systematisch die wissenschaftliche Exzellenz der Hochschulen mit den Archiven, Quellenbeständen und Sammlungen der Stadt und der Fachkompetenz der Wiener Institute an den Universitäten und des Wiener Institutes für Strauss-Forschung. In einer ersten Phase fördert Wien aber Herbst 2026 vier Fellowships mit jeweils 20 000 EUR, um neue Forschungszugänge zur Strauss-Dynastie, zur Wiener Operette sowie zur Tanz- und Unterhaltungsmusik des 19. Jahrhunderts zu eröffnen.
Im eigenen Wirkungsbereich fördert die Stadt Wien die Wiener Fachhochschulen seit über 25 Jahren. Derzeit werden an den Wiener Fachhochschulen 72 Projekte mit einer Laufzeit von drei bis fünf Jahren durchgeführt, an die heuer im Rahmen der Wiener Fachhochschulförderung Raten in der Höhe von insgesamt 3,7 Millionen EUR ausgezahlt werden. Durch diese Projekte werden Stiftungsprofessuren, Innovationen in der Lehre, Forschungsprojekte und die Anschaffung dringend notwendiger Infrastruktur finanziert.
Zusammengefasst halte ich fest, die Stadt Wien übernimmt Verantwortung dort, wo sie handeln kann. Wir sichern im kommenden Jahr die städtische Wissenschaftsförderung, stärken bewährte Instrumente, unterstützen zentrale Einrichtungen, investieren in Wissenschaftsinfrastruktur und setzen damit ein klares Signal. Wien spart nicht an seiner Zukunft, Wien investiert in Wissen, Talente, Demokratie und Innovation. (Beifall bei SPÖ und NEOS.)
Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Vielen Dank, Herr Bürgermeister. - Die 1. Zusatzfrage kommt von den GRÜNEN - Frau GRin Mag. Malle, bitte.
GRin Mag. Mag. Julia Malle (GRÜNE): Guten Morgen, Herr Bürgermeister, und vielen Dank für die Beantwortung. Wir haben uns als grüne Fraktion natürlich auch sehr gefreut, dass Sie die Bedeutung der Wissenschaft zuletzt medial auch noch einmal sehr stark thematisiert und auch Ihren Kolleginnen im Bund ausgerichtet haben, dass das einen hohen Stellenwert für Wien hat, für den Forschungsstandort, für den Wissenschaftsstandort. Da sind wir absolut bei Ihnen gewesen und haben uns darüber auch sehr gefreut.
Sie haben jetzt einige Projekte erwähnt, wobei da das Life Science Center in Planung ist und beispielsweise ein Projekt, an das ich jetzt auch noch bei Ihrer Wortmeldung gedacht habe, die Gigafactory als möglicher Forschungsturbo auch in Frage steht. Es wurde zuletzt auch medial kolportiert, dass das vielleicht möglicherweise gar nicht kommt. Aber meine Frage geht eigentlich in eine ganz andere Richtung: Wie beurteilen Sie in Zusammenhang mit den Kürzungen der Stadt Wien im Wissenschaftsbereich beispielsweise die Kürzungen beim WWTF, den Sie vorhin auch angesprochen haben, wo Spitzenforschung passiert, und vor allem auch die Kürzungen beim Boltzmann-Institut, die Sie auch gerade angesprochen haben? Diese verlieren nicht nur ein Drittel, sondern sogar noch mehr als ein Drittel ihrer Förderungen, indem sie um 35 Prozent reduziert wurden, und wie wir hören, wird diese Förderung auch eingefroren und gilt für die nächsten Jahre. Wie passen diese Kürzungen im Wissenschaftsbereich beispielsweise beim WWTF und beim Boltzmann-Institut in Ihre Aussage?
Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Herr Bürgermeister, bitte.
Bgm Dr. Michael Ludwig: Vielleicht zum ersten Teil, zur Gigafactory. Wir sind nach wie vor stark interessiert, dass wir in Wien ein Großrechenzentrum errichten. Das werden wir auch tun. Ob das im Zuge der von der EU ausgeschriebenen Projektbeschreibung ist, wird sich zeigen, das ist nicht von uns abhängig, sondern von den Modalitäten, die die Europäische Kommission zur Verfügung stellt. Da sind wir durchaus bereit, das auch aufzugreifen.
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