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Gemeinderat, 12. Sitzung vom 25.03.2026, Wörtliches Protokoll  -  Seite 110 von 121

 

verbringen und zu arbeiten - in andere Bezirke pendeln. Das darf nicht sein.

 

Genau deswegen finde ich es städteplanerisch auch völlig falsch, dass Sie kommunale Zentren und Bildungszentren wie diese Bücherei ganz einfach dem Sparstift zum Opfer fallen lassen, meine Damen und Herren. Eine Bücherei, meine Damen und Herren - ich sage das mit der Leidenschaft einer Germanistin -, ist nicht nur irgendein Ort. Eine Bücherei ist ein Bildungsnahversorger. Eine Bücherei ist ein Ort, wo die Neugierde von Kindern erweckt wird, wo Schüler ihre Liebe zur Literatur entdecken und wo ältere Menschen einen Ort des Austausches haben. Eine Bücherei ist ein ganz besonderer und magischer Ort.

 

Ich kann mich sehr gut erinnern: Als ich jugendlich war und in eine Bücherei gegangen bin, habe ich mir jedes Mal gedacht: Welches Buch suche ich mir denn heute aus? - Meine Damen und Herren, eine Bücherei ist ein Ort, wo gerade junge Menschen, die aus bildungsfernen Familien kommen, an das Buch gewöhnt werden können. Das ist ein Privileg.

 

Wenn Sie diese Bücherei schließen, wird es Kinder, die aus bildungsnahen Familien kommen, weniger treffen, weil das dort in der Familie weitergegeben wird. Es trifft genau die Kinder, die bildungsfern sind, die möglicherweise auch Migrationshintergrund haben und die Sie um die Liebe zur Literatur bringen. Das ist für eine sozialdemokratische und eine liberale Regierung eigentlich ein ziemliches Armutszeugnis. (Beifall bei der ÖVP.)

 

Ich muss mich halt schon sehr wundern. Wissen Sie, die Bildungspartei NEOS baut keine neuen Schulen. Die Bildungspartei ist verantwortlich für Kindergärten, in denen niemand Deutsch lernt. Die Bildungspartei NEOS schließt Büchereien. Das ist offenbar die Bilanz der Bildungspartei NEOS. Ich glaube immer mehr: Sie sind in Wirklichkeit ein Marketinggag, aber mit Sicherheit keine Bildungspartei. (Beifall bei der ÖVP.)

 

Wir wissen, dass Sie sparen müssen. Das ist ein selbst verschuldetes Übel, meine Damen und Herren. Wofür wurde in der letzten Legislaturperiode Geld ausgegeben, das Sie jetzt für die Fortführung der Bücherei hätten einsetzen können? - Alleine für die Mindestsicherung für subsidiär Schutzberechtigte, die im Übrigen rechtswidrig war, wurden 2024 - in einem einzigen Jahr - 89 Millionen EUR ausgegeben. Um dieses Geld hätten Sie die Bücherei ziemlich lange betreiben können, meine Damen und Herren. (Beifall bei der ÖVP.)

 

Es ist also unser Appell: Kratzen Sie die letzten Groschen zusammen oder sparen Sie vielleicht bei der einen oder anderen Vereinsförderung, die nur Ihren Zielgruppen zugutekommt, und realisieren Sie die Bücherei - wenn sie schon nicht neu und groß sein wird, dann zumindest in einer kleineren Form! Es ist wichtig, dass die Menschen diesen Bildungsnahversorger und dieses soziale Zentrum in Kagran haben. Bitte realisieren Sie diese Bücherei! (Beifall bei der ÖVP.)

 

Dass die NEOS die Büchereien nicht ganz unter Kontrolle haben, zeigt uns aber auch ein Blick in die Billrothstraße im 19. Bezirk. Ich wurde von etwas erbosten Menschen darüber informiert und habe mir dann auch selber ein Bild gemacht.

 

In der Auslage dieser Bücherei wurden die aktuellen religiösen Feiertage thematisiert. Das ist ja durchaus eine begrüßenswerte Sache. Ich habe mir das also angesehen: zwei Schaufenster, die den Ramadan thematisieren - da habe ich eine Menge gelernt -, jede Menge Kinderbücher, beispielsweise "Unser geliebter Prophet" und "Ich lerne den Islam". Das ist ein religiöses Fest. Ich kann durchaus nachvollziehen, dass man mit religiösen Büchern darüber aufklärt.

 

Dann bin ich aber weitergegangen. Da war ein kleineres Schaufenster. Dort wurde Ostern thematisiert. Ich hatte erwartet, dass auch da religiöse Bücher oder Bücher mit einem religiösen Bezug zu finden sind. Wissen Sie aber, was dort war? - "Der Osterhase", "Osterbasteln" und "Der Osterfrosch".

 

Schauen Sie, meine Damen und Herren, das ist halt eine krasse und völlig ungerechtfertigte Ungleichbehandlung. Es handelt sich bei beiden Festen um Feste mit einem religiösen Kern. Entweder Sie lehnen Religion gänzlich ab - dann thematisieren Sie überhaupt keine -, oder Sie sagen, Sie thematisieren Religion - dann aber bitte auch auf eine gleichartige Art und Weise. Eine Religion mit dem religiösen Kern darzustellen und eine andere völlig zu profanisieren, geht aber nicht. (Beifall bei der ÖVP.)

 

Selbstverständlich hätten die NEOS die Möglichkeit, auch da einzugreifen. Die NEOS haben auch noch die Möglichkeit, bei der Bücherei Donaustadt im 22. Bezirk gegenzusteuern. Ich bin irritiert und verwirrt, dass sich niemand von den NEOS zu Wort meldet. Ich kann Sie aber nur mit dem Appell entlassen, dafür zu sorgen, dass diese Bücherei auch tatsächlich eröffnet wird. - Danke. (Beifall bei der ÖVP.)

 

Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Als Nächste ist Frau GRin Berner zu Wort gemeldet. Ich erteile es ihr. - Bitte.

 

21.56.40

GRin Mag. Ursula Berner, MA (GRÜNE)|: Ich melde mich kurz zu Wort, um das Plädoyer für die Büchereien zu verstärken. Heute war im "Standard", falls Sie das nicht gehört haben …

 

Ich werde nicht alles verstärken, was Frau Hungerländer gesagt hat. An manchen Stellen bin ich deutlich anderer Meinung, aber an einer Stelle treffen wir uns gut. Das ist die Stelle, wo es heißt: Büchereien sind die Grundlage eines kulturellen Zusammenlebens.

 

Ich möchte als Erstes zitieren - Sie wissen es wahrscheinlich: Heute ist die städtische Bücherei mit einer Pressemeldung herausgekommen, dass im letzten Jahr 6,7 Millionen Bücher, Hörbücher, Zeitungen und andere Medien ausgeborgt worden sind. Das heißt, die Bücherei ist als Ort wichtig und im Kommen. Deshalb ist es besonders schade, wenn solche Orte in Bezirken, wo es nicht so viele andere kulturelle Orte gibt, nicht in der Form gestärkt werden, wie es notwendig wäre.

 

Ich sehe die zentrale Rolle von Büchereien heute erstens darin, dass sie eine niederschwellige Bildung anbieten, indem man ohne viel zu zahlen mit seinen Kleinkindern am Nachmittag in die Bücherei gehen kann,

 

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