Gemeinderat, 12. Sitzung vom 25.03.2026, Wörtliches Protokoll - Seite 104 von 121
Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Als Nächste ist GRin Sucher zu Wort gemeldet. - Bitte, Sie sind am Wort.
GRin Cornelia Sucher, BA (SPÖ): Sehr geehrte Frau Vorsitzende, sehr geehrter Herr Berichterstatter, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Zuseher via Livestream!
Wir haben jetzt schon einiges über den geplanten Radweg auf der Brünner Straße gehört. Es sind sehr unterschiedliche Wahrnehmungen, wie mir aufgefallen ist.
Ich glaube, Wichtiges in Bezug darauf, dass es sich um ein Herzstück einer ganz wichtigen Tangentialverbindung in Floridsdorf handelt, ist schon gesagt worden. Es ist also wirklich ein tatsächlicher Lückenschluss. Denn wenn man wirklich einmal auf diesem Teilstück der Brünner Straße gefahren ist - Heidi hat es vorhin schon gesagt -, dann hat man nachher, gelinde gesagt, schon ein bisschen einen Adrenalinüberschuss gehabt, weil es schon sehr spannend war, sich dort zwischen den LKW fortzubewegen, die einem fast über den Schädel gefahren sind. Das soll sich jetzt ändern. Das ist auch gut so.
Ich finde es immer sehr spannend, wenn die FPÖ, Kollege Kreutzinger, hier Untergangsphantasien dazu präsentiert, was nicht alles wieder krachen gehen wird, was alles furchtbar sein wird und dass man in Floridsdorf nicht Fahrrad fährt. Ich muss Ihnen sagen: Man muss diese Projekte als Gesamtprojekte und nicht immer nur einzeln herausgepickt sehen.
Denn man hat sich natürlich das gesamte Gebiet Floridsdorfer Zentrum angeschaut, zu dem auch die Brünner Straße gehört, und sich überlegt, wie man den öffentlichen Raum dort gestaltet, der im Übrigen nicht nur den Autofahrerinnen und Autofahrern gehört, sondern uns allen. Das ist das zweite Wohnzimmer der Wienerinnen und Wiener. Unsere Aufgabe ist es, dieses Wohnzimmer für möglichst alle Menschen ordentlich zu gestalten. Dazu gehören die Radfahrerinnen und Radfahrer, aber auch die Zufußgehenden.
Mir kommt vor, Sie fahren nicht viel mit dem Fahrrad. Das habe ich jetzt irgendwie so ein bisschen herausgehört. - Selten, ja, das habe ich so verstanden. Fahren Sie vielleicht einmal mit dem Auto an den Radwegen vorbei. Dann fällt Ihnen auf, dass man durchaus auch etwas für die Zufußgehenden dort macht, im Übrigen die schwächste Verkehrsteilnehmergruppe.
Überall, wo wir Radwege gebaut haben, haben wir die Aufenthaltsqualität erhöht. Wir haben Grünraum geschaffen. Wir haben den Menschen den Platz zurückgegeben. Ich glaube, das ist schon ein Argument, das dafürspricht. Schauen Sie es sich vielleicht vom Auto aus einmal an!
In Floridsdorf ist die Radwegoffensive - das hat der Herr Bezirksvorsteher auch schon öfter gesagt - mit dem Fokus Lückenschluss und Sicherheit vonstattengegangen. So soll das ja auch fortgeführt werden.
Noch einmal zum Stichwort Gesamtprojekt: Ja, es wird dort ein Radweg gebaut, ein ganz wichtiger Lückenschluss, sodass man dann wirklich schön verbunden bis zur Shuttleworthstraße fahren kann. Selbstverständlich hat man aber auch die Gewerbetreibenden mitgedacht, denn Wien ist der Wirtschaftsmotor Österreichs. Wir haben bewiesen: Wien kann Wirtschaft. Wien denkt sicherlich nicht, ohne die Interessen der Gewerbetreibenden zu berücksichtigen.
Eines muss ich Ihnen schon sagen: Ungefähr 75 Prozent der Wienerinnen und Wiener fahren schon mit den Öffis, gehen zu Fuß oder fahren mit dem Fahrrad. Das können Sie übrigens auch nachlesen. Beschäftigen Sie sich vielleicht einmal damit! Auch der Modal Split weist das aus. Das heißt, der Großteil der Wienerinnen und Wiener bewegt sich schon klimafreundlich fort. Der Großteil der Wienerinnen und Wiener erledigt auch seine Einkäufe so.
Ich kann Ihnen nur aus eigener Erfahrung sagen: Ich gehe gerne dort einkaufen, wo ich mich sicher fühle und wo ich mich wohl fühle. Das trägt sozusagen auch zum Gesamtbild eines Grätzels bei. Wenn Sie mir nicht glauben, glauben Sie vielleicht der Wirtschaftskammer Wien. Die hat dort eine Marktpotenzial- und Chancenpotenzialanalyse gemacht, die im Übrigen festgestellt hat, dass genau diese Aufenthaltsqualität und auch ein Radweg dort fehlen. Dem kommen wir jetzt ebenso nach wie dem Wunsch der Bevölkerung dort.
Denn wir sprechen nicht nur über ein Infrastrukturprojekt, sondern wir sprechen bitte schön über den Alltag der Menschen. Der besteht nicht für jeden Menschen nur darin, in sein Auto zu steigen und von A nach B zu fahren. Für ganz viele Menschen besteht der Alltag darin, sich öffentlich fortzubewegen, zu Fuß zu gehen oder auch mit dem Rad zu fahren. Noch einmal: Unsere Aufgabe ist es, diesen Raum für alle Menschen in unserer Stadt zu gestalten. (Beifall bei der SPÖ.)
Bei all diesen Planungen ist es selbstverständlich immer ein Anliegen, die Anforderungen eines Grätzels mit zu berücksichtigen. Selbstverständlich können nicht alle Anliegen, die in so einem Planungsprozess eingebracht werden, immer zu 100 Prozent erfüllt werden. Ich kann Ihnen aber sagen, sie werden angehört, und sie werden ernst genommen.
Dass man versucht hat, auch diese Geschäftsstraßen in Floridsdorf oder überhaupt das Marktgebiet immer weiter zu beleben, zeugt ja auch davon, dass uns bewusst ist, dass das wichtige Wirtschaftsfaktoren im Bezirk sind. Die Anstrengungen von Bezirk und Stadt machen sich schlussendlich auch bezahlt, gerade was zum Beispiel den Schlingermarkt betrifft.
Ich kann Ihnen sagen, seit 2011 hat sich die Frequenz am Schlingermarkt vervierfacht, weil die Stadt Wien und der Bezirk verschiedenste Initiativen gesetzt haben, um diese Flächen zu beleben und die Menschen auch wieder anzuziehen, indem man dort ein Einkaufserlebnis schafft, bei dem man sich auch wohl fühlt. Man hat eine Wohlfühlatmosphäre geschaffen, die man jetzt mit der zusätzlichen Erreichbarkeit durch eine gute Anbindung an den Fahrradweg noch einmal zu erhöhen versucht.
Ich glaube, man kann das alles auch ein bisschen anders sehen. Vielleicht fahren auch Sie einmal mit dem Fahrrad, wenn der Radweg fertig ist! Vielleicht fühlen
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