Gemeinderat, 12. Sitzung vom 25.03.2026, Wörtliches Protokoll - Seite 93 von 121
Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Als Nächster hat sich GR Taucher zu Wort gemeldet. - Sie sind am Wort.
GR Mag. Josef Taucher (SPÖ): Sehr geehrte Frau Vorsitzende, liebe KollegInnen, sehr geehrte Damen und Herren vor den Bildschirmen!
Eingangs vielleicht ein paar Korrekturen an die FPÖ: Wels ist eh eine Superstadt, passt schon, billigster Fernwärmetarif ist natürlich falsch, den billigsten Fernwärmetarif hat Linz. Wels hat ein kleines Netzchen und versorgt ein paar tausend Haushalte. Linz versorgt 80 000 Wohnungen und ist auch billiger, da gibt es auch die Preistabelle dazu. Wels mit ein paar tausenden Kunden mit Wien zu vergleichen, ist überhaupt eine Chuzpe, denn Wien hat ein Fernwärmenetz von 1 300 Kilometer, das ist zirka Wien-Amsterdam, mehr sogar noch, und 479 000 Haushalte und NetznutzerInnen, die daran hängen, und einen Marktanteil von 40 Prozent. Die Wiener Fernwärme wird bis 2040 im Sinne von "Raus aus Gas" auf 56 Prozent ausbauen. Und es gibt einen Fernwärmetarifvergleich Linz/Wien/Klagenfurt/Innsbruck/Salzburg/Graz/St. Pölten, da ist Wien am zweitbilligsten. Das ist von der Linz AG, nicht von uns. Wien hat den zweitbilligsten Tarif, wenn man die Hauptstädte vergleicht, und ist, wenn man es österreichweit vergleicht, immer im untersten Bereich. (StR Stefan Berger: Bis zu welcher Verkaufsgröße?) So, das sind also die Fakten, und Sie wurschteln irgendwie mit Wels herum.
Den GRÜNEN muss ich auch sagen, ja, der Preisbescheid ist 92 Prozent, das ist richtig, aber der wurde nie ausgeschöpft. (Zwischenruf bei den GRÜNEN.) Das ist der Rahmen, in dem sich die Wien Energie bewegen kann. Erstens wurde das nie ausgeschöpft, zweitens sind wir heute auf einem Preis, der zirka 23 bis 24 Prozent höher liegt als vor der Krise, bei der Fernwärme nie 92 Prozent. Das erzählt ihr jedes Mal wieder, es wird nicht richtiger. (Zwischenruf von GRin Katharina Weninger, BA.) Und wenn Sie davon reden, ja wir gehen einmal Radfahren in die Lobau, schauen uns die Dotation an, gerne - aber da sind Sie wirklich nicht gut informiert und das ist auch nicht richtig, was Sie da sagen. (Beifall bei der SPÖ.) Das meine ich wirklich ganz nett, und das meine ich nicht böse, das ist nicht richtig.
Wenn Sie sagen, die Wien Energie macht so viele Gewinne: Ja, sie macht Gewinne und stützt damit den Fernwärmepreis. Er ist deshalb so günstig in Wien, weil wir ihn stützen, weil wir auch bei den Energiepreisen "Optima entspannt" haben, wir mit Preisbindung in Wien einen der niedrigsten Strompreise haben, mit ein bisschen über 10 Cent pro Kilowatt. Das ist ein Top-Preis, weil wir ihn stützen.
Die Energiewende bringen wir zusammen, weil wir das restliche Geld in den Ausbau der erneuerbaren Energien investieren. Wir werden bis 2040 einen Wärmemix von vier Vierteln in Wien haben. Ein Viertel wird aus der Müllverbrennung, z.B. Spittelau, sein, die sauberste in ganz Europa mit einer Rauchgaswaschanlage, wo wir noch einmal Fernwärme mit Wärmetauschern rückgewinnen.
Der zweite Teil wird die Geothermie sein, die wir massiv ausbauen. Übrigens von Graz - wo Sie herkommen - bis Gleisdorf raus untersuchen sie gerade die Gebiete und werden auch die Geothermie ausbauen, wir in der Donaustadt wahrscheinlich bis nach Simmering. Das wird auch ein Viertel ausmachen.
Ein Viertel werden die Wärmetauscher aus dem Kanal ausmachen, die größte Wärmepumpe Europas. Der grüne deutsche Wirtschaftsminister war ja da und war sehr fasziniert, hat Wien dafür gelobt. Also vielleicht lernt ihr auch von euren deutschen Kollegen.
Und ein letzter Bereich wird die hocheffiziente Kraftwärmekoppelung sein, die wir brauchen. Es ist ja auch in der Industriestrategie verankert ist, dass wir eine Kraftwerkstrategie brauchen, denn bis 2040 ist das Dead End von unseren Gaskraftwerken. Da sind wir auch die Ersten, die damit in der Donaustadt Wasserstoffversuche mit 15 Prozent Beimengung gemacht haben. Wir haben den Generator umgebaut und konnten mit 15 Prozent Wasserstoff fahren, das ist weltweit einzigartig. Das haben wir mit Siemens und ein paar Partnern gemacht. Diese Kraftwärmekoppelungen haben einen Effizienzgrad von weit über 80 Prozent und die Generatoren stehen über 700-mal auf der Erde. Und weil es uns gelingt, da umzusteigen, kann das weltweit einen Impuls ausmachen. Da sind wir Vorreiter in der Energietransformation, dass wir mit Wasserstoff die Netze stabilisieren, Strom erzeugen und Wärme erzeugen. Das ist die Strategie, wie wir raus aus Gas kommen. (Beifall bei SPÖ und NEOS.)
Selbstverständlich, Sie haben vollkommen recht, wir leben in einer Zeit der Multipolarität, es gibt nicht mehr West/Ost; es gibt China, es gibt arabische Staaten im Nahen Osten, wo Krieg ist. Es ist eine sehr schwierige weltpolitische Lage. Wir sind in einer weltpolitischen Lage, wo unsere Verbündeten nicht mehr unsere Verbündeten sind, und das Einzige, das wir wirklich für unsere Resilienz und Krisensicherheit machen können, ist, aus diesen fossilen Brennstoffen auszusteigen und unsere Energie selbst zu produzieren. Wie machen wir das? - Zum Beispiel haben wir mit den Gewinnen über die Stadtwerke um 1,3 Milliarden ImWind gekauft und mit diesen Windkraftanlagen werden wir bis 2040 stromautark sein. Wer macht das sonst? Das ist hervorragend, großartig, das ist Energiewende made in Vienna. (Beifall bei SPÖ und NEOS.)
Es dauert eh schon lange, und meine Leute schimpfen, wenn ich so lange rede, aber ich habe noch 13 Minuten. Also Klarstellung: Wels ist ein Märchen, Linz ist besser. Wien ist bei der Fernwärme an zweiter oder dritter Stelle. Zweites Märchen: Wien verlangt 92 Prozent, wir sind rund 23 bis 24 Prozent über Vorkrisenniveau. Ja, Wien steigt aus, Wien macht sich resilient, und der Jürgen Czernohorszky zeigt das laufend, mit einem Klimagesetz, mit einem Klimafahrplan und mit den hundert Projekten "Raus aus Gas", wo wir ganz verschiedene Gebäudetypen ganz klar typisieren und schauen, wie man dort aus fossilen Energien aussteigen kann. Da gibt es ganz klare Beispiele, Leuchtturmbeispiele, woran sich andere auch orientieren können. Zu
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