Gemeinderat, 12. Sitzung vom 25.03.2026, Wörtliches Protokoll - Seite 88 von 121
Faulgase entstanden sind und weil ein massiver Sauerstoffmangel geherrscht hat. Es ist kein bedauerlicher Einzelfall, der durch ein Eislaufverbot gelöst wird, wie der Herr Stadtrat gestern vorgeschlagen hat. An der Stelle sei mir ein Hinweis auch noch erlaubt: Auch an der Alten Donau und am Mühlwasser sind hunderte Menschen in diesem Winter eislaufen gegangen, trotz Verbot, und dort haben wir kein großes Fischsterben erlebt. Da gab es nämlich noch genug Wasser und damit genug Sauerstoff und die Fische konnten auch unter einer großen Eisdecke überleben, anders als in der Unteren Lobau. Die toten Fische sind also nicht den EisläuferInnen geschuldet, sondern sie sind Ausdruck eines strukturellen Problems, das seit Jahren bekannt ist und nämlich in der zunehmenden Austrocknung der Lobau liegt. (GR Mag. Lukas Burian: Fischsterben - Hochstrahlbrunnen?) - So, ich bin wirklich ein bisschen irritiert (GRin Dipl.-Ing. Selma Arapović: Wir auch!), denn anscheinend schauen sich die Regierungsfraktionen nicht einmal die Tagesordnung an. Wir bringen heute zu diesem Tagesordnungspunkt einen Antrag ein und zu eigenen Anträgen wird man wohl noch sprechen dürfen. Ich würde es eigentlich so sehen, dass das für euch doch begrüßenswert ist, wenn die Opposition ihre Anträge auch begründet und erklärt, warum sie diese Anträge stellt. Also was ist eure Aufregung? (Beifall bei GRÜNEN und ÖVP.) Wirklich, ich verstehe es nicht. Das sei es mir jetzt noch einmal erlaubt, mich da wirklich über dieses Gebaren insbesondere der NEOS auch zu ärgern, wenn die Opposition Anträge einbringt und dazu spricht.
Während die Obere Lobau also durch eine gezielte Dotation jetzt schon stabilisiert wird, fehlt in der Unteren Lobau weiterhin eine ausreichende und verlässliche Wasserzufuhr. Und genau darauf weisen Naturschutzorganisationen hin, darauf weisen wir GRÜNE seit vielen Jahren hin, meine Kollegin Heidi Sequenz, die GRÜNEN in der Donaustadt. Und jetzt sind auch die KollegInnen von der ÖVP auf uns zugekommen und haben vorgeschlagen, dass wir einen gemeinsamen Antrag dazu einbringen, dass es ein unverzügliches Maßnahmenpaket zur Rettung der Unteren Lobau braucht. Die Problematik ist seit vielen Jahren bekannt, aber es wurden noch immer nicht die richtigen Konsequenzen gezogen, es wurden noch immer nicht die richtigen Schritte gesetzt. Ja, es gibt jetzt einmal eine Modellierung und eine Überprüfung von so einer Dotation, aber ich denke, gerade dieses massive Fischsterben im Februar hat uns doch gezeigt, die Lobau hat keine Zeit mehr zu verlieren. Deswegen bringen wir heute diesen Antrag ein, zu dem ich jetzt spreche, weil es konkrete wirksame Schritte braucht, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren und die unterschiedlichen Anforderungen dieses sensiblen Ökosystems berücksichtigen.
Dies braucht es jetzt, denn wir können diesen wichtigen Naturraum nicht neu erschaffen oder neu bauen, wenn er einmal verloren ist; er ist über Jahrhunderte hinweg in einer Evolution entstanden. Deswegen spreche ich heute hier, wenn es um den Hochstrahlbrunnen geht, auch über die Bedeutung der Lobau, und ich ersuche Sie um Zustimmung zu diesem Antrag, damit wir die notwendigen Maßnahmen um sie zu retten so bald wie möglich setzen können. - Herzlichen Dank. (Beifall bei den GRÜNEN.)
Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Zu Wort gemeldet ist Frau GRin Mag. Haase.
GRin Mag. (FH) Susanne Haase (SPÖ): Sehr geehrter Herr Vorsitzender, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe ZuseherInnen!
Bevor ich zum eigentlichen Poststück komme, auch noch ein paar Worte zu meiner Vorrednerin und dem Antrag zur Unteren Lobau. Also mich hat es nicht überrascht. Ich habe den Antrag auch gelesen, bin quasi vorbereitet, und es liegt mir doch sehr am Herzen, zu Beginn klarzustellen, dass es für uns natürlich völlig außer Frage steht, dass der Nationalpark Donauauen und damit auch die Untere Lobau ein einzigartiges Naturjuwel ist. Ein Naturpark mitten in einer Millionenstadt ist europaweit etwas Besonderes, und daher ist es natürlich unser klares Ziel, diesen sensiblen Naturraum zu erhalten und zu schützen.
Kollegin Wirnsberger, Sie haben ja schon gestern den Herrn Stadtrat dazu in der Fragestunde im Landtag befragt. Ich finde, er hat da auch eine sehr, sehr ausführliche und klare Beantwortung gegeben. Umso mehr überrascht es mich jetzt, dass Sie einen Antrag einbringen, der sozusagen die gestrige Antwort weitgehend ignoriert. Ja, das Fischsterben ist ein dramatisches Ereignis gewesen, das können Sie mir glauben, dass wir das sehr ernst nehmen. 1 000 verendete Fische in der Lobau sind furchtbar und genau deshalb hat auch der Herr Stadtrat umgehend ein Gutachten in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse zeigen auch eindeutig, dass es sich hier eben nicht um eine einzelne Ursache handelt, sondern um ein Zusammenspiel von mehreren Faktoren. Ja, es sind die niedrigen Wasserstände, es ist eine langanhaltende Eisdecke, die Freisetzung von Faulgasen, und auch das Eislaufen an den kalten Wintertagen ist offensichtlich ein Problem. Es gibt also keine einfache monokausale Erklärung zu diesem Phänomen und folglich auch keine Einzelmaßnahme, die diese komplexen Probleme lösen könnte. Ein bisschen befremdlich finde ich daher auch den Vorwurf, die Stadtregierung würde die Problematik der Unteren Lobau ignorieren. Ich glaube, gerade unser StR Czernohorszky hat bewiesen, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Die Stadt arbeitet seit Jahren intensiv an Maßnahmen zum Schutz und Erhalt dieses sensiblen Naturraumes. Und die Stadt setzt auch bereits konkrete Schritte. Derzeit wird die Dotation der Unteren Lobau umfassend geprüft. Grundlage dafür ist ein Grundwasserströmungsmodell, das aktuell erarbeitet wird. Dieses stellt sicher, dass die Entscheidungen auf fundierter wissenschaftlicher Basis getroffen werden, und nicht nur auf Zuruf. Genau auf Basis dieser Ergebnisse wird anschließend geprüft, wie eine Dotation im Einklang mit naturschutzrechtlichen, nationalparkrechtlichen und wasserrechtlichen Rahmenbedingungen umgesetzt werden kann.
Es gibt ja auch noch eine andere Sache, die wirklich wichtig und zu beachten ist: das Trinkwasser der Wienerinnen und Wiener. Denn die Qualität des Wiener Trink
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