Gemeinderat, 12. Sitzung vom 25.03.2026, Wörtliches Protokoll - Seite 87 von 121
Bäder? Wird man die Hygiene- oder Sicherheitsstandards einhalten können? - Wenn man nichts anpasst, dann würde halt irgendwann die Frage auftauchen, ob wir uns diese Infrastruktur überhaupt noch leisten können. Diese Frage taucht ja bereits jetzt in sehr vielen Gemeinden auf und muss auch leider viel zu oft mit Bäderschließungen beantwortet werden. Und das, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist nicht der Weg, den wir gehen, wir gehen einen anderen Weg. Unser Weg ist es, die Sicherheit aller Badegäste zu garantieren, die Hygienestandards aufrechtzuerhalten und den rund 3,5 Millionen jährlichen Besucherinnen und Besuchern ein leistbares Badevergnügen zu ermöglichen. (Beifall bei der SPÖ.)
Die städtischen Bäder fügen sich in ein breites Netz an Naherholungsangeboten unserer Stadt ein. Und Naherholung ist für uns nicht nur ein Schlagwort, da geht es darum, ganz einfach und rasch aus dem eigenen Alltag einmal raus zu können, sich dem Stress entziehen zu können, sich zu bewegen und dadurch auch gesünder leben zu können. Aber die Wiener Bäder sind nicht nur Naherholung, sie sind für viele und gerade für unsere jüngeren Mitmenschen auch einfach ihre Freizeit, sie sind Spaß, sie sind erste Lieben, erste Schritte, Familie, Sommer, Freundschaften, es wird gelacht, gespielt und genossen. In unseren städtischen Bädern wird Gemeinschaft gelebt.
Und das soll auch so bleiben. Es freut mich also sehr, dass wir jetzt die Einführung eines Monatstickets um 48,60 EUR diskutieren, unser eigentliches Thema heute. Konkret heißt das nämlich, gerade im Sommer unbegrenztes Badevergnügen, nach sechsmal schwimmen gehen hat man das Ticket quasi wieder drinnen. Es ist ein Angebot im Bewusstsein, dass es unterschiedliche Bedürfnisse gibt und nicht alle ein Halbjahres- oder ein Saisonticket brauchen oder wollen. Wir bringen damit die Bäder und damit Gemeinschaft und ein großes Stück an Lebensqualität näher an die Wienerinnen und Wiener. Wir erhalten nicht nur, wir bauen aus und wir sorgen für modernste Standards bei unseren Bädern, weil es die Menschen, die in unserer Stadt leben, verdienen: ein breites und leistbares Angebot das ganze Jahr über. - Vielen Dank. (Beifall bei der SPÖ.)
Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet, die Debatte ist geschlossen. Der Berichterstatter verzichtet auf das Schlusswort.
Wer Postnummer 30 zustimmt, bitte um ein Zeichen mit der Hand. - Das ist mit SPÖ, NEOS und der ÖVP mehrstimmig gegen die Stimmen von FPÖ und GRÜNE angenommen.
Postnummer 31 der Tagesordnung ist eine Sachkreditgenehmigung für die Instandsetzung des Hochstrahlbrunnens.
GR Mag. Spitzer als Berichterstatter wird die Verhandlungen einleiten. - Bitte.
Berichterstatter GR Mag. Gerhard Spitzer: Ich ersuche um Zustimmung.
Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Ich eröffne die Debatte. Zu Wort gemeldet ist GRin Wirnsberger, ich erteile es ihr.
GRin Christina Wirnsberger (GRÜNE): Sehr geehrter Herr Vorsitzender, geschätzte KollegInnen, liebe WienerInnen, die uns zuschauen!
Eins vorneweg, die GRÜNE-Fraktion wird der Instandsetzung des Hochstrahlbrunnens natürlich zustimmen. Warum? - Ganz einfach, weil uns Erholungsräume für die WienerInnen sehr wichtig sind. Und da kann ich auch an die Worte meiner Vorrednerin anschließen und möchte noch ein wichtiges Erholungsgebiet, das für die WienerInnen von ganz großer Bedeutung ist, heute hier zur Sprache bringen, nämlich die Lobau.
Die Lobau ist aber nicht nur ein wichtiges Erholungsgebiet am Rande der Stadt, sondern sie ist eines der bedeutendsten und eines der letzten intakten Auengebiete Europas. Sie ist ein hochkomplexes, sensibles Ökosystem und ihr Wert liegt nicht nur in ihrer Schönheit, sondern ihr Wert liegt genau in dieser ökologischen Funktion. Die Lobau bietet vielfältige Lebensräume für unterschiedlichste Lebewesen und ist ein ganz wertvoller Hotspot für die Artenvielfalt. Man findet hier über 800 Pflanzenarten, mehr als hundert Brutvogelarten, um die 60 Fischarten, zahlreiche Amphibien und Reptilien, und tausende Insektenarten, darunter hochspezialisierte und gefährdete Arten, die genau auf diese Form der Lebensräume angewiesen sind. Sie sind angewiesen auf das Zusammenspiel von Gewässern, Auwäldern, Wiesen, Totholzstrukturen, und das schafft eine Biodiversität, wie sie in Europa selten geworden ist. Die Fische sind auf ausreichend Wasser angewiesen, die Amphibien benötigen die Feuchtgebiete, Insekten wiederum sind die Grundlage für die Vogelpopulationen, Pflanzen sichern Böden und Mikroklima. Und all das hängt unmittelbar an der Dynamik des Wassers. Die Au lebt vom Wasser, und wenn dieses Gleichgewicht gestört ist, dann gerät das gesamte System unter Druck.
Ich war vor kurzem - und das kann ich Ihnen wirklich allen wärmstens ans Herz legen - bei einer Exkursion von BirdLife mit dabei und habe mich von dieser wunderbaren Vogelvielfalt, die in der Lobau übrigens das ganze Jahr über da ist, selbst überzeugen können. Wir haben aber auch von einigen OrnithologInnen dort gehört, dass es inzwischen auf Grund des Wassermangels einige Vogelarten, die auf genau diese Dynamik in einer Au angewiesen sind, schon heute nicht mehr gibt. (Zunehmende Unruhe bei SPÖ und NEOS.)
Es ist aber nicht nur die Vogelwelt dort bedroht, auch das Fischsterben im Februar dieses Jahr war ein ganz deutliches Warnsignal. Ich wundere mich, ehrlich gesagt, ein bisschen, warum NEOS und SPÖ sich über meine Rede für die Lobau ein bisschen lustig machen. (GR Dipl.-Ing. Dr. Stefan Gara: Weil es um den Hochstrahlbrunnen geht!) - Wir reden über Erholungsräume, und ich glaube, über die Lobau und über die Bedeutung von der Lobau zu sprechen, ist nie ein Fehler in diesem Hause. (Beifall bei den GRÜNEN.)
Nicht nur die Vogelwelt in der Lobau ist bedroht, auch das Fischsterben im Februar dieses Jahres war ein sehr deutliches Warnsignal. Rund 1 000 Fische sind dort verendet, weil der Wasserstand chronisch niedrig ist, weil eine lange geschlossene Eisdecke dort war, weil
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