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Gemeinderat, 12. Sitzung vom 25.03.2026, Wörtliches Protokoll  -  Seite 83 von 121

 

Bands Auftrittsmöglichkeiten bietet. Und ja, Kultur darf eben nicht nur in den inneren Bezirken stattfinden, Kultur ist auch Simmering. Kultur ist dort, wo die Menschen wohnen, arbeiten und ihren Alltag leben. (Beifall bei SPÖ und NEOS.)

 

Ein weiteres wichtiges Paradebeispiel dafür, wie lebendige, soziale und offene Kulturarbeit in einem Bezirk aussieht, ist die Sargfabrik. Auch sie steht für ein vielfältiges Musik- und Kulturprogramm, für Begegnung zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft mit einem starken Schwerpunkt auf Kinderkultur. Und dieser wichtige Ort im Westen von Wien feiert heuer 30 Jahre. Das gehört selbstverständlich auch gewürdigt.

 

Damit komme ich jetzt zu einem meiner Lieblingsthemen, nämlich zur WIENWOCHE. Ich weiß nicht, wie viele Debatten manche hier im Haus dazu schon geführt haben, einige jedenfalls. Ich durfte hier auch schon mehrmals dazu sprechen. Und ich weiß schon, dass da kulturkämpferische Reflexe bedient werden: zu kritisch, zu divers - wir haben es heute eh schon gehört -, zu politisch, zu unbequem. Ich sage einfach: gut so. Kunst muss nicht bequem sein, Demokratie auch nicht. (Beifall bei der SPÖ.)

 

Die WIENWOCHE hat über viele Jahre wichtige Arbeit geleistet und die Kulturlandschaft in der Stadt verändert. Genau das war und ist wichtig, denn Wien ist eine weltoffene Stadt und darf eben nicht auf das bereits Etablierte verengt werden. Kulturpolitik muss auch mutige, partizipative, streitbare und neue Formate ermöglichen. Sie muss Räume schaffen, in denen Menschen nicht nur zuschauen, sondern mitgestalten können. Sie muss auch jenen eine Öffentlichkeit verschaffen, die sonst oft überhört werden. Und genau all das erfüllt die WIENWOCHE. Sie hat ganz wichtige Debatten angestoßen, Themen auf die Agenda gesetzt und dazu beigetragen, dass heute auch andere Initiativen diese Perspektiven aufgreifen.

 

Und eben weil sie so erfolgreich waren, ist jetzt eine Neuaufstellung sinnvoll, weil ein solcher Erfolg natürlich auch die Rolle eines Festivals verändert, das hier über Jahre ganz wichtige Pionierarbeit geleistet hat. 2026 wird eben ein Jahr der Neuorientierung, und 2027 wird die WIENWOCHE wieder mit starker Öffentlichkeit sichtbar in das neue Festivaljahr starten und ab da dann biennal organisiert werden, denn nicht jede Weiterentwicklung bedeutet einfach, Jahr für Jahr im selben Takt weiterzumachen. Manchmal heißt Verantwortung auch, einen Schritt zurückzutreten und zu reflektieren, Strukturen anzupassen und dann in neuer Stärke zurückzukommen.

 

Ja, meine sehr verehrten Damen und Herren, der Unterschied ist einfach: Der rote Faden durch diese Poststücke ist ganz klar. Manche reden Kultur klein, wir sichern kulturelle Infrastruktur. Die einen wollen ausschließen, wir wollen Teilhabe ermöglichen. Die einen sehen Kultur als Privileg für wenige, wir sehen Kultur als Recht für alle. Und genau deshalb ersuche ich um Zustimmung zu den vorliegenden Poststücken. - Herzlichen Dank. (Beifall bei der SPÖ.)

 

Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Zu Wort gemeldet: GRin Berner. - Bitte schön.

 

18.46.53

GRin Mag. Ursula Berner, MA (GRÜNE)|: Schönen Abend! Ich heiße Berner. Aber das macht nichts.

 

Ich wollte mich ursprünglich gar nicht zu dem Tagesordnungspunkt zu Wort melden, aber das, was Sie da alles über die Musikschulplätze gesagt haben, hat mich jetzt sehr getriggert.

 

Ja, wir werden dem Antrag zustimmen. Wir finden auch, dass es zu wenige Musikschulplätze in Wien gibt. Wir wissen das, es sind nur 7 000 Plätze insgesamt für zirka 80 000 Kinder in Wien. Darum ist es in anderen Bundesländern viel besser bestellt.

 

Aber was noch schlimmer ist, und was ich wirklich als etwas sehe, bei dem ich besonders auch an die NEOS appelliere, da genauer hinzuschauen, ist die musikalische Ausbildung, die Qualität der musikalischen Ausbildung in den sogenannten Pflichtschulen, also sowohl in den Volksschulen, aber noch mehr in den Mittelschulen dieser Stadt. Da gibt es nämlich einen eklatanten Mangel in der Ausbildung. Der Musikrat beklagt, wir haben hier Kohorten von musikalischen Analphabeten, die wir ausbilden, weil es um den Musikunterricht in den Schulen so schlecht bestellt ist. Besonders prekär ist es eben an den Mittelschulen, wo es kaum noch Unterricht durch voll ausgebildete Musikpädagogen gibt. Und bevor Kinder so weit kommen, dass sie überhaupt in der Lage sind, in eine Musikschule zu gehen oder einen Musikschulplatz attraktiv zu finden, müssen sie ein bisschen damit in Kontakt kommen, was Musikbildung überhaupt sein kann. Das heißt, in den Schulen wo sie sind, und am besten im Kindergarten braucht es eine grundlegende musikalische Ausbildung.

 

Das heißt nicht, dass jeder ein Instrument in der Schule lernen müsste, was in Finnland möglich ist und was großartig wäre, aber das wäre die nächste Stufe, sondern es geht zumindest um einen qualitativ hochwertigen Musikunterricht in den Schulen. Es wäre gut, wenn die NEOS da zuhören würden, weil sie eigentlich für die Schulen zuständig sind.

 

Wir haben im Moment das Problem, dass 75 Prozent der Kinder, die Musikschulplätze in Wien haben, in Privatunterricht sind. Das heißt, sie sind nicht in Musikschulen der Stadt Wien, die sie günstig haben könnten, sondern sie sind in Privatunterricht. (GR Ing. Judith Edelmann: Das ist sehr teuer!) - Ich weiß das, aber es ist noch viel günstiger, als wenn sie ... Es gibt geförderte Plätze in Musikschulen, im Privatunterricht gibt es die nicht. Mir geht es darum, hier eine Awareness dafür zu schaffen, dass es einen allgemeinen, für alle zugänglichen, qualitativ hochwertigen Musikunterricht in den Schulen braucht, in den Volksschulen, in den Kindergärten und vor allen Dingen auch in den Mittelschulen. Da könnten die Kinder zusammenkommen und in Touch damit kommen, was überhaupt Musik attraktiv macht.

 

Ich bitte Sie, darauf das Augenmerk zu richten und sich darum zu bemühen. Es gibt einen ganzen Katalog vom Musikrat, es gibt einen ganzen Katalog vom ÖMR, was man alles hier verbessern könnte. Schauen Sie sich das an, und binden Sie das in Ihre Pläne für die nächsten Jahre ein! - Herzlichen Dank. (Beifall bei den GRÜNEN.)

 

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