Gemeinderat, 12. Sitzung vom 25.03.2026, Wörtliches Protokoll - Seite 82 von 121
schen Selbstverherrlichung werden, sehr geehrte Damen und Herren.
Das zweite Beispiel ist die WIENWOCHE. Auch hier wird uns immer erzählt, es braucht Einsparungen, es gibt Budgetdruck, und man muss kürzen. Und da wird uns erzählt: Ja, wir sparen jetzt auch bei der WIENWOCHE! Die findet jetzt nur alle zwei Jahre statt, und statt 500 000 EUR gibt es jetzt nur mehr rund 250 000 EUR!
Das klingt nach einer schönen Reduktion. Aber wenn man genauer hinschaut: Das ist schon sehr eigenartig. Im Jahr 2026 fließen jetzt 250 000 EUR in die WIENWOCHE, aber ich frage Sie ganz offen: Wofür genau? - Es gibt kein Programm, es gibt keine Aufführung und kein Festival. Und trotzdem werden 250 000 EUR für die WIENWOCHE ausgeschüttet? Dann wird davon gesprochen, dass es ein Übergangsjahr gibt, und strukturelle Anpassungen werden als Neuorientierung verkauft. Aber was hier passiert, ist, dass Geld ohne unmittelbare Leistung für die Öffentlichkeit ausgegeben wird, und das in Zeiten, in denen gespart werden muss. Sehr geehrte Damen und Herren, das ist wirklich nicht in Ordnung, und hier muss man wirklich die Förderung für dieses Jahr streichen. (Beifall bei der FPÖ.)
Auch bei der WIENWOCHE gibt es wieder, wie überall, die gleichen ideologischen Schwerpunkte: antirassistisch, queer, feministisch und aktivistisch. Diese Wiener Kulturpolitik ist nur mehr auf Nischen fokussiert, während breite Teile der Wiener Kulturszene zu kurz kommen. Wir haben das ja schon öfters erwähnt, auch die Kollegen von anderen Parteien. Zahlreiche Museen werden geschlossen oder die Öffnungszeiten werden massiv eingeschränkt. Auch die Hermesvilla wird nicht mehr renoviert, die Renovierung findet nicht mehr statt, obwohl eigentlich schon Budgetmittel dafür zur Verfügung gestanden wären. Auch das wird wieder auf die lange Bank geschoben. Das Sommernachtskonzert der Wiener Philharmoniker: Auch hier wurde die Förderung gestrichen. Wir werden sehen, ob es überhaupt stattfinden wird. Und bei den Vereinigten Bühnen Wien kommt es zu zahlreichen Kündigungen, wie ebenfalls schon angekündigt wurde.
Sehr geehrte Damen und Herren, Sie geben Millionen für ideologisch klar ausgerichtete Projekte aus, und es gibt massive Einschnitte bei jener Kultur, die für die breiten Bevölkerungsschichten ausgelegt ist. Diese Kulturpolitik ist nicht ausgewogen, sie ist ungerecht, sie hat eine massive Schieflage, und dafür stehen wir nicht zur Verfügung. (Beifall bei der FPÖ.) Hier wird nicht nach Qualität gefördert, hier wird lediglich nach Ideologie gefördert. Und daher braucht auch diese Wiener Kulturpolitik dringend einen Kurswechsel, mehr Fairness, mehr Ausgewogenheit und vor allem weniger Ideologie. (Beifall bei der FPÖ.)
Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Zu Wort gemeldet: GRin Anderle. Ich erteile es ihr.
GRin Patricia Anderle (SPÖ): Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrter Herr Vorsitzender, liebe Kolleginnen und Kollegen!
Wenn man dieser Debatte zuhört, dann kennt man einfach schon das Muster. Alles, was nicht in Ihr enges Kulturverständnis passt, wird schlechtgeredet. (Zwischenruf von GR Lukas Brucker, MA.) Alles, was nicht nur Hochglanz oder Hochkultur ist, wird in Frage gestellt. (GR Lukas Brucker, MA: Parteigeschichte aus der Parteikassa, nicht aus der Stadtkassa!) Alles, was Teilhabe, Vielfalt oder soziale Geschichte sichtbar macht, ist Ihnen offenbar verdächtig. (Zwischenruf von GR Lukas Brucker, MA.) Das kann ich Ihnen nicht verübeln, da wäre ich auch neidisch. Aber Wien ist auf jeden Fall nicht so, und Wien soll auch nicht so werden.
Natürlich ist die Geschichte des Roten Wien ganz eng mit der Geschichte der ArbeiterInnenpartei verbunden. Und die Sammlung Rotes Wien beziehungsweise der Waschsalon ist weit mehr als ein Museum. Hier wird gezeigt, was möglich ist, wenn soziale Politik, Gerechtigkeit, sozialer Fortschritt ins Zentrum gestellt werden, wenn der Mensch einfach im Mittelpunkt steht. Und das Rote Wien war eben kein Zufall, sondern das Ergebnis politischer Haltung und mutiger Entscheidungen.
Und weil hier heute auch schon der Gemeindebau Thema war und der soziale Wohnbau schlechtgeredet worden ist, kann ich nur sagen: Licht, Luft und Sonne! Die Menschen haben damals im Dunklen gelebt, im Dreck gelebt, und das Rote Wien hat aus sozialer Not kommunalen Fortschritt gemacht. (Zwischenruf von GR Lukas Brucker, MA.) - Ja, aber Sie beschämen die 500 000 Menschen, die heute im sozialen Wohnbau leben. (Beifall bei der SPÖ. - Zwischenruf von GR Lukas Brucker, MA.)
Das Rote Wien - ob Sie es akzeptieren wollen oder nicht - hat Menschen eine Würde gegeben. Es hat aus einer Stadt mit massiver Ungleichheit eine Stadt gemacht, in der das gute Leben nicht nur für wenige gedacht ist. (Zwischenruf von GR Lukas Brucker, MA.)
Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl (unterbrechend): Kollege Brucker, ich ermahne dich: Unterlass die Zwischenrufe! Du kannst dich gerne zu Wort melden. Danke schön.
GRin Patricia Anderle (fortsetzend): Genau.
Ich kann es auch ganz konkret sagen: Im Roten Wien wurde aus einer Bettgeherin eine Hauptmieterin. Und genau deshalb ist dieser Ort, die Sammlung Rotes Wien, so wichtig. Weil er uns vor Augen führt, dass sozialer Fortschritt eben nicht vom Himmel fällt, sondern politisch erkämpft und gestaltet wird. Und auch 2026 kommt im Waschsalon mit der Sonderausstellung "100 Jahre Amalienbad und das Bäderwesen im Roten Wien" ein weiterer hoch spannender Schwerpunkt dazu. Gezeigt wird dabei nicht nur das Amalienbad selbst, sondern das ganze öffentliche Bäderwesen dieser Zeit, vom Tröpferlbad bis zu den Kinderfreibädern, also genau jene Infrastruktur, mit der das Rote Wien Gesundheit, Hygiene, Teilhabe und Lebensqualität für die breite Bevölkerung geschaffen hat.
Ja, auch die Szene Wien ist heute angesprochen worden, ein wichtiger Standort, nicht nur wichtig für Simmering. Sie ist auch wichtig für Livekultur und für den Nachwuchs, mit rund 180 Veranstaltungen pro Jahr und mit über 30 Konzerten bei freiem Eintritt, wie zum Beispiel der Planet Festival Tour, die eben gerade jungen
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