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Gemeinderat, 12. Sitzung vom 25.03.2026, Wörtliches Protokoll  -  Seite 58 von 121

 

einfach ein Projekt, wo Bildungslaufbahnen von Anfang an gut gelingen können und vor allem wird es auch ein Ort der Inklusion sein. Ich weiß, dass vielen hier im Raum auch das sehr, sehr wichtig ist.

 

Was macht dieses Campusmodell so besonders? - Man spricht manchmal auch von BIENE II, dem zweiten Bildungseinrichtungs-Neubauprogramm. Es macht in Wahrheit mehr Platz für jedes Kind. Was ist der Grund dafür? - Wir nutzen an diesen Standorten Dinge mehrfach. Es werden hier Synergien geschaffen, die man woanders nicht hat. Es werden Turnsäle gemeinsam genutzt, vom Kindergarten, von der Sonderpädagogik, von der Volkschule, von der Mittelschule. Gymnastikräume und Therapieräume können gemeinsam genutzt werden, Kreativräume, Küchenbereiche, die Bibliothek, der Veranstaltungssaal. Das ist einfach sehr sinnvoll, weil nicht jede Schule, jeder Kindergarten braucht alles doppelt und dreifach.

 

Was aber noch viel wesentlicher ist: Diese Standorte erfüllen auch eine Stadtteilfunktion. Was heißt Stadtteilfunktion? - Sie sind ein identitätsstiftender Anker in einem neuen Siedlungsgebiet, in einem neuen Stadterweiterungsgebiet, weil auch Anrainer und Anrainerinnen diese nutzen können. Wir haben dort eine Mehrfachnutzung von Turnsälen, wir haben eine Mehrfachnutzung des Veranstaltungsraumes und auch der Grünflächen. Gleichzeitig wird diese Stadtteilfunktion natürlich auch noch über die Musikschule erweitert, die dort sein wird.

 

Das ist also ein wirklich sehr verbindendes Element, und das ist, was ich mir von Bildungsbauten eigentlich erwarte. Das sollen nicht irgendwelche isolierten Räume sein, wo Kinder hingeschickt werden, wieder abgeholt werden, wo der Rest der Bevölkerung nichts damit zu tun hat, sondern es sollen Räume sein, die genutzt werden, die identitätsstiftend sind, wo auch Eltern und AnrainerInnen gerne hingehen. Auch das fördert das Verständnis.

 

Die Räume werden auch wirklich pädagogisch sinnvoll gestaltet, und das macht es auch so besonders. Diese Bildungseinrichtungen werden eben nicht mehr so gebaut wie vor 100 Jahren, dass man einen Gang hat, ein bisschen wie in einer Kaserne. Links und rechts gehen die Klassenräume weg, keine Klasse hat etwas mit der anderen zu tun, es gibt keine Sichtverbindungen, es gibt keine Räume, wo Kinder sich zurückziehen können, wo sie zum Beispiel selbständig an Projekten arbeiten können.

 

Das ist an diesen neuen Standorten anders. Die haben ein wirklich sehr durchdachtes Raumkonzept, was für manche manchmal auch irritierend ist, zum Beispiel mit Fensterscheiben in Richtung multifunktionaler Zonen, damit eben Sichtverbindungen da sind, damit Kinder sich bewegen können, damit sie sich zurückziehen können, damit sie selbständig an Projekten arbeiten können, damit Teamarbeit möglich ist, damit Gruppenarbeit möglich ist. Denn mit einer Pädagogik von vor 100 Jahren wird man unsere Kinder nicht auf die Zukunft vorbereiten, und Räume machen einfach auch Pädagogik.

 

Wichtig sind mir in diesem Zusammenhang auch diese Rückzugsbereiche und die Garten- und Sportbereiche. Warum? - Die Schulen werden ganztätig verschränkt geführt. Auch da gab es heute schon eine Anfrage. Ich halte die ganztägige Verschränkung tatsächlich als die sinnvollste Form der Pädagogik. Da braucht einfach nur jeder an sich selbst zu denken. Wie hoch ist die Konzentration, wie viele sind jetzt wirklich mit ihren Ohren bei mir? Es ist ein geringer Anteil hier im Saal, und warum? - Weil man, auch wenn man zwischendurch kurze Pausen hat, nicht so viele Stunden hintereinander konzentriert und aufmerksam sein kann. Das ist gar keine Kritik, das geht uns allen so.

 

Was die ganztägige Verschränkung schafft, ist dieser Wechsel von Konzentration und Entspannung, von Lernzeit, Unterrichtszeit und Freizeit, weil wir alle wissen, dass gerade für sechsjährige Kinder, aber auch für Zehnjährige und auch für Erwachsene fünf Stunden am Stück mit zehn Minuten Pause nicht der richtige Rhythmus sind, um tatsächlich aufmerksam sein zu können. Das heißt, aus meiner Sicht ist das ganz, ganz wesentlich.

 

Was bei diesem Bau auch noch besonders ist, ist, dass er wirklich extrem nachhaltig gebaut ist. Es ist ein Vorreiter in der Kreislaufwirtschaft, es wird sehr energieeffizient sein, es wird ein gutes Raumklima geben, was auch für Schülerinnen und Schüler, aber selbstverständlich auch für Kindergartenkinder wichtig ist, es wird eine Begrünung geben, und es wird sogar Recyclingbeton eingesetzt. Also insgesamt ist das einfach ein Ort für Kinder, ein Ort für AnrainerInnen, ein Ort für BildungspartnerInnen, ein Ort für Förderung, ein Ort, der Chancen ermöglicht. (Beifall bei SPÖ, NEOS und GRÜNEN.)

 

Ich möchte abschließend noch kurz auf zwei Dinge eingehen. Das eine sind die Schulbauten der Zukunft, die wir brauchen. Ja, wir werden auch zukünftig neue Bildungsbauten benötigen. Das ist jedem in dieser Stadt klar. Es ist auch nicht so, dass da ein Stopp ist. Wir haben in dieser Stadt sehr unterschiedliche Voraussetzungen an Schulplätzen. Es gibt Grätzel, da haben wir genug Schulraum, es gibt manchmal sogar nur Bezirksteile, da ist es sehr, sehr eng. Man wird sich also zukünftig sehr genau anschauen müssen, wo dieser Schulraum benötigt wird. Das wird auch ganz bestimmt passieren. Ich werde die Letzte sein, die sich dagegen wehrt und sagt, das brauchen wir nicht.

 

Es ist auch das Stichwort "iKM PLUS" gefallen, die Bildungsstandards wie sie allgemein heißen. Aus meiner Sicht gibt es da eine schwerwiegende Fehlinterpretation der Ergebnisse. Wenn man sich die Ergebnisse sehr genau anschaut und sich ein bisschen mit Startvoraussetzungen, Statistik und so weiter beschäftigt, zeichnet sich da ein ganz anderes Bild. Was sie uns zeigen, ist, dass es uns - nicht nur in Wien, sondern österreichweit - nur unzureichend gelingt, Bildungsnachteile auszugleichen. Das zeigen uns diese Ergebnisse tatsächlich extrem deutlich. Das ist wirklich etwas, wo wir noch mehr Anstrengung hineinlegen müssen, damit wirklich alle Kinder dieselben Chancen bekommen können.

 

Was sie uns nicht zeigen, ist, dass an Wiener Schulen schlecht gearbeitet wird. Es ist das komplette Gegenteil. Die Ergebnisse zeigen, dass wir fantastisch arbeiten. Wir haben einen sozioökonomischen Index, den soge

 

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