Gemeinderat, 12. Sitzung vom 25.03.2026, Wörtliches Protokoll - Seite 52 von 121
Ich möchte heute auch über ein Thema sprechen, das jetzt schon von einigen Vorrednerinnen angesprochen und thematisiert wurde, ein Thema, das aber, wenn wir gerade auch über Gewaltschutz sprechen, ganz oft unsichtbar ist, nämlich die digitale Gewalt. Meine Vorrednerin Sabine Keri hat es schon angesprochen, worauf ich auch anspiele. Dieser öffentlich diskutierte Fall rund um eine deutsche Moderatorin und Schauspielerin - ich sage das jetzt ganz offen, weil anders kann man das nicht formulieren - hat eine solche Abscheu, eine solche Fassungslosigkeit bei mir hervorgerufen, wie, glaube ich, bei vielen von uns hier auch, dass man eigentlich nur wortlos zurückbleibt, wenn man das durchliest und sich vergegenwärtigt, was in unserer Gesellschaft alles an Abscheulichkeiten vorhanden ist.
Ich bin da eigentlich auch ganz bei Kollegin Malle, die das zuvor schon angesprochen hat. Man ist es ein bisschen leid, irgendwie ist man ein bisschen - wie soll ich es ausdrücken? - müde, zu den Demos gegen Gewalt an Frauen zu gehen, wo dann hauptsächlich Frauen sind, Menschen, die ohnehin schon ein großes Bewusstsein für diese Thematik haben. Man ist es auch irgendwie leid, und man ist irgendwie müde, ganz klar auch hervorzuheben, dass wir Frauen nicht der Besitz von Männern sind, weder analog noch digital. Und man ist es irgendwie auch ein bisschen leid, ständig erklären zu müssen, dass natürlich der Opferschutz und nicht der Täterschutz in einer Gesellschaft im Vordergrund stehen müsste. All das sind wir eigentlich so leid, aber genau deshalb ist es so wichtig zu kämpfen, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei NEOS, SPÖ und GRÜNEN.)
Bei all dem steht eines im Vordergrund, nämlich dass nicht wir Frauen unser Verhalten anpassen, sondern Männer das ihrige verändern sollten, wenn wir über diese Thematik sprechen. Es geht dabei nicht darum - weil das auch oft in diesen Debatten fällt -, die einen gegen die anderen auszuspielen, sondern es geht darum, Bewusstsein zu schaffen. Es geht darum, schon beim kleinsten sexistischen Witz ein ganz klares Stoppschild aufzustellen. Es geht darum, Zivilcourage zu zeigen. Es geht darum, Respekt zu zollen. Es geht darum, Sexismus und Frauenhass, dort wo er zum Vorschein kommt, zu entlarven und dazu beizutragen, dass dieser Frauenhass, dieses Besitzdenken, dieser Sexismus auch tatsächlich in unserer Gesellschaft keinen Platz hat - weder im Privaten noch in der Öffentlichkeit. (Beifall bei NEOS, SPÖ und GRÜNEN.)
Ich sage das auch, weil es um dieses Miteinander geht, weil es nicht um eine weibliche Gesellschaft geht, um eine weibliche Zukunft geht, sondern schlicht und ergreifend um eine menschliche Gesellschaft und eine menschliche Zukunft. Wir alle bewegen uns tagtäglich im digitalen Raum. Wir arbeiten alle dort, wir diskutieren dort, wir vernetzen uns dort. Ich glaube, kaum einer oder eine von uns hat sich je wirklich Gedanken gemacht, ob dieser Raum denn eigentlich für alle sicher ist. Für Frauen ist er das nämlich definitiv nicht. Er ist nicht sicher. Besonders dort erleben Frauen nämlich eine Form von Gewalt.
Ich lade Sie alle gerne dazu ein, sich einmal die Social-Media-Profile von gleich welcher weiblichen Person des öffentlichen Lebens, zum Beispiel einer Politikerin, anzuschauen, welche Kommentare dort geschrieben werden. Höchst sexualisierte, gewaltvolle Kommentare, die als Meinung getarnt dort hingeschrieben werden, teils losgeschickt von massenhaften Bots, die auch drunter posten. Dementsprechend haben Frauen ein vielfach höheres Risiko, belästigt, beschimpft, bedroht und eingeschüchtert zu werden. Das alles ist kein Einzelfall, es hat Struktur, und es ist real.
Diese aktuellen Vorkommnisse aus Deutschland, aber auch darüber hinaus - es ist auch schon einige Zeit her, dass wir die Kompetenzstelle gegen Cybergewalt in dieser Stadt ins Leben gerufen haben -, zeigen genau das auch auf. Was mich dabei besonders beunruhigt, ist, dass Gewalt dort nicht endet, sondern es ist eine 24-Stunden-Gewalt, wenn man das Handy vielleicht weglegt, aber trotzdem erreichbar ist, mitunter 24 Stunden hindurch erreichbar ist, auf welchen Kanälen auch immer, und sie geht eben mit in den Alltag, in die Arbeit, in die Familie.
Gerade auch als Person des öffentlichen Lebens überlegt man sich schon sehr genau - vielleicht hat das die eine oder andere in diesem Raum auch schon erlebt -, wo man sich äußert und wo man sich dann nicht äußert, nicht aus mangelnder Überzeugung, nicht aus mangelnder Meinung, sondern schlicht und ergreifend aus Selbstschutz.
Das darf doch in einer Demokratie nicht der Fall sein, und deshalb spreche ich es hier auch an. Ich weiß, das tun auch viele andere. Das darf doch in einer Demokratie nicht der Fall sein, sehr geehrte Damen und Herren. Wir verlieren damit Stimmen und Perspektiven. Damit verliert auch unsere Demokratie als Ganzes, wenn man sich als Frau überlegt, traue ich mich, da jetzt meine Meinung zu sagen oder nicht, weil sonst tausende Bots unter meinem Social-Media-Post kommentieren, was für … denken Sie sich jetzt bitte Schimpfwörter und die schlimmsten Bedrohungen und Einschüchterungsversuche aus. Sehr geehrte Damen und Herren, das muss man unbedingt nicht nur thematisieren, sondern auch tatsächlich dagegen ankämpfen. (Beifall bei NEOS und SPÖ.)
Und ja, ich wünsche mir auch unbedingt, dass wir für diese Demokratie kämpfen, dass wir auch den Mut haben, für diese Themen einzustehen, nicht nur wir Frauen, sondern alle gemeinsam, dass Männer wie auch Frauen an einem Strang ziehen, überparteilich, über alle gesellschaftlichen Sphären hinweg und dass alle den Mut finden, vor allen Dingen Sexismus, Frauenhass und all das, was ich gerade angesprochen habe, zu entlarven. Damit wäre schon ein riesiger, riesiger Schritt getan, für Frauen, aber vor allen Dingen für uns als Gesellschaft als Ganzes. - Vielen Dank. (Beifall bei NEOS und SPÖ sowie von GRin Mag. Mag. Julia Malle.)
Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Als Nächste zu Wort gemeldet ist GRin Hanke. - Bitte, Sie sind am Wort.
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