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Gemeinderat, 12. Sitzung vom 25.03.2026, Wörtliches Protokoll  -  Seite 51 von 121

 

passiert ist. Das wurde uns zugesagt, und dafür möchte ich mich bedanken. (Beifall bei der ÖVP.)

 

Wir haben heute einen gemeinsamen Antrag, Kollegin Hanke wird dann noch darauf genauer eingehen. Ich möchte Sie aber heute einladen, zwei Gedanken mit mir zu teilen, ich möchte Sie da ein bisschen mitnehmen. Der Antrag zur Cybergewalt zeigt und hat auf Grund dieses prominenten Beispiels in Wirklichkeit jetzt gerade gezeigt, dass Cybergewalt nicht mehr in so einer Art Wolke weit weg ist, sondern wirklich sehr nahe stattfindet. Ich möchte Collien Fernandes wirklich dafür danken, dass sie den Mut hatte, dieses Thema so offen anzusprechen und dass sie auch, obwohl es da den einen oder anderen Mann gibt, der daraus einen Vorwurf macht, so professionell in der Planung war, das hinauszuspielen, sich so professionell Hilfe geholt hat und professionell mit ihrer Anwältin gesprochen hat, dass wir hier in einem geschützten rechtlichen Rahmen auch diskutieren können. Denn es hat ja nicht lange gedauert und der Täter, ihr Ex-Mann, hat sich Medienanwälte geholt.

 

Worum geht es? - Es wurden jahrelang Fake-Profile von Collien Fernandes ins Netz gestellt. Collien Fernandes ist auch draufgekommen, hat jahrelang nicht gewusst, wer es war. Es wurden Männer angeschrieben, bis zu 30, wie man liest. Es hat mit bis zu 30 Männern dann auch noch eine Art Beziehung im Internet gegeben. Es gab Telefonsex, es gab Bilder, es gab Telefonsex mit einer KI-generierten Stimme. Ich sage bewusst nur die Dinge, die alle auch eidesstattlich bezeugt worden sind. Ich rede normalerweise nicht über Fälle, die noch nicht bei Gericht anhängig sind oder wo es noch kein Urteil gibt. Ich rede wirklich nur über die Dinge, die wirklich eidesstattlich begründet worden sind.

 

Es geht um Deep Fakes. Wenn man den "Spiegel" durchliest und sich auch die Bilder anschaut, dann kann man eigentlich nur geschockt sein, denn es zeigt eine Frau oder es zeigt vermeintlich eine Frau, die wie Collien Fernandes ausschaut, nackt, mit gespreizten Beinen. Es gibt Sexvideos mit ekelhaften Titeln, die bis zu 270-mal angeklickt wurden. Es ist für mich so erschreckend, weil es wieder so ist, dass es Männer gibt, auch aus dieser Prominentenblase, die dann sagen, wir müssen bei den Fakten bleiben.

 

Ganz ehrlich, die Fakten sind auf dem Tisch, und die Fakten zeigen genau, wie es ist. Die Fakten zeigen uns auch, dass wir in der Politik und in der Justiz sehr schnell agieren müssen, denn dieser Raum, wo Frauen Gewalt erfahren, wird immer größer. Und das ist etwas, das auch einmal unsere Töchter betreffen wird. Deswegen wünsche ich mir wirklich - und deswegen sind wir natürlich auch gerne bei dem Antrag dabei -, dass hier Politik und auch Justiz so schnell wie möglich agieren können. (Beifall bei ÖVP, SPÖ, NEOS und GRÜNEN.)

 

Ich möchte jetzt zurück in die analoge Welt, denn zurzeit begleiten uns ja viele prominente Fälle. Neben Eppstein haben wir jetzt auch in Österreich einen ganz großen, prominenten Fall. Es geht um Christopher Seiler von Seiler und Speer. Wir kennen ja alle die Vorwürfe. Ich möchte etwas aufzeigen, was mir wirklich zu denken gibt. Ich zitiere aus seinem eigenen Social-Media-Post, in dem er sich zu seiner Tat äußert: "Das geht in keiner einzigen Welt und in meiner schon gar nicht, nicht irgendwo, nicht irgendwie korrekt oder ist in irgendeiner Form entschuldbar. Man geht zu keiner Person, egal, in was für einem Zustand, egal, wie illuminiert man ist, nimmt sie so, schmiert ihr Kokain auf die Lippen. So ein Verhalten hat in unserer Gesellschaft nichts zu tun, hat mit Menschlichkeit nichts zu tun, hat mit Vorbildsein nichts zu tun, hat überhaupt keinen Platz. Geniere ich mich dafür? Absolut, aber so was von. Tut es mir von Herzen leid? Absolut. Tut es mir leid über die Person, die es betrifft? Absolut. Werde ich alles dafür tun, dass das Erlebte erleichtert wird zu verarbeiten? Werde ich alles in meiner Macht Stehende dazu tun, dass es eben erleichtert wird? Absolut alles. Alles, alles, was mir zur Verfügung steht, werde ich dafür einsetzen. Werde ich die Konsequenzen tragen? Absolut. Halte ich meinen Kopf hin für die Strafe? Absolut. Gehört alles mir. Was ich allerdings nicht trage, sind irgendwelche Fantasiegebilde. Es gibt keine dunklen Gassen, es gibt keinen sexuellen Übergriff, es gibt keine körperliche Gewalt." - Und dann spricht er weiter.

 

Als ich gehört und gelesen habe, wie er gesagt hat, es gibt keine körperliche Gewalt, habe ich einmal gebraucht, denn ganz ehrlich, was ist denn dann körperliche Gewalt? - Ich zitiere, damit niemand sagen kann, das ist jetzt ein Gehirngespinst von mir. Laut Duden, vielleicht kann das jemand dem Herrn ausrichten, ist das "ein unrechtmäßiges Vorgehen, das jemanden zu etwas zwingt oder körperlichen/seelischen Schaden verursacht."

 

Wenn ich eine Frau, einen Menschen halte, wenn ich ihn dazu zwinge, etwas zu tun, was er oder sie nicht tun möchte, dann ist das Gewalt. Insofern ist das sehr wohl körperliche Gewalt. Ich war wirklich geschockt, wie der teilweise gefeiert wurde, dass er zu dieser Tat steht. Aber niemand, ich habe es nirgends gelesen, hat ihm erklärt, was körperliche Gewalt bedeutet. Das ist etwas, was ich wirklich nicht gutheiße. Da wünsche ich mir wirklich mehr Mut, auch von Männern, die das auch unter sein Profil schreiben. (Allgemeiner Beifall.)

 

Was mich auch wirklich besorgt zurücklässt, ist, dass wir anscheinend in der Stadt alles tun können. Wir können Angsträume besser gestalten, wir können Notrufnummern publik machen, wir können flächendeckende Selbstbehauptungskurse machen, wir können "Stopp" schon im Kindergarten bringen. Aber wenn wir es nicht schaffen, dass in unserer Gesellschaft klar ist, wann Gewalt beginnt, dann haben wir ein viel größeres Problem. Dieser Fall, diese Aussage, zeigt uns, dass anscheinend für viele Menschen noch nicht klar ist, wo Gewalt beginnt. Da braucht es wirklich einen Schulterschluss, und wir sind da gerne dabei. - Danke. (Allgemeiner Beifall.)

 

Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Als Nächste zu Wort gemeldet ist GRin Bakos. - Bitte.

 

15.11.09

GRin Mag. Dolores Bakos, BA (NEOS)|: Sehr geehrte Frau Vorsitzende, werte Frau Stadträtin, werte Kolleginnen und Kollegen, werte Zuseherinnen und Zuseher!

 

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