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Gemeinderat, 12. Sitzung vom 25.03.2026, Wörtliches Protokoll  -  Seite 31 von 121

 

Für mich gehört dazu auch, dass man die Rahmenbedingungen schaffen muss, dass Frauen selbst entscheiden können: Wie lange möchten sie bei ihren Kindern bleiben? Oder möchten sie möglichst rasch zurück zu ihrem Arbeitsplatz? - Es gehört dazu auch, dass Mädchen und Frauen in unserer Stadt frei und sicher sein können - und zwar zu jeder Tages-, zu jeder Nachtzeit, in jedem Grätzel und vor allem in den eigenen vier Wänden, weil das der Ort ist, wo die meisten Gewalttaten passieren. (Beifall bei SPÖ und NEOS.)

 

Gleichberechtigung ist nämlich keine abstrakte Idee, sondern sie zeigt sich im Alltag, im Ton, im Verhalten und darin, wie miteinander umgegangen wird. Für uns ist klar und muss klar sein: Frauen haben dieselben Rechte, dieselben Freiheiten, denselben Anspruch auf Sicherheit, Einkommen und Fortkommen wie Männer. Das ist keine Verhandlungssache, sondern das ist die Grundlage von einem funktionierenden Miteinander. (Beifall bei SPÖ und NEOS.)

 

Wir müssen leider beinahe täglich in der Zeitung lesen, dass Frauen Opfer von Gewalt werden, in der analogen wie auch in der digitalen Welt. Das ist nicht tolerierbar, und es braucht uns alle, um dieser strukturellen Gewalt ein Ende zu bereiten. Für mich ergibt sich daraus ein klarer Handlungsauftrag. Wir müssen die Voraussetzungen dafür weiter stärken, dass Frauen diese Freiheit und Sicherheit im Alltag auch wirklich leben können. Das beginnt eben bei den sicheren öffentlichen Räumen, geht über leistbares Wohnen und wirtschaftliche Unabhängigkeit bis zu einem konsequenten Schutz vor Gewalt und dem Benennen der Ursachen. Weil Frauenpolitik heißt, genau hinzuschauen, wo Frauen strukturell benachteiligt werden, und gezielt gegenzusteuern, wenn etwas in Schieflage gerät. Frauenpolitik heißt, jene zu stärken, die Unterstützung brauchen, und klar Stellung zu beziehen, wenn Respekt und Gleichberechtigung in Frage gestellt sind. Wien ist eine Stadt, in der Frauen selbstbestimmt, sicher und ohne Einschränkungen leben können, und das soll Wien auch weiterhin bleiben. (Beifall bei SPÖ und NEOS.)

 

Wien - und das haben wir auch gestern bei den Reden aller Fraktionen gehört - hat in den vergangenen Jahren gezeigt, dass sozialdemokratische Frauenpolitik konkrete Verbesserungen im Alltag bringt. In Wien stehen die Frauen nämlich wesentlich besser da als in anderen Bundesländern. Es gibt nämlich ein dichtes Netz an Unterstützungsmöglichkeiten, von den Frauenhäusern angefangen bis zu Beratungsstellen. Es gibt gezielte Programme gegen Gewalt. Auch beim leistbaren Wohnen sind wir viel weiter, bei der Kundenbetreuung, der Infrastruktur et cetera. Das führt dann auch dazu, dass in Wien der Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen deutlich geringer ist als in anderen Bundesländern und dass prozentuell gesehen in Wien die meisten Frauen in Führungspositionen sind.

 

Haben wir das Ziel erreicht? - Nein, natürlich nicht. Aber wir müssen diesen Weg konsequent weitergehen, weil eines klar ist: Eine Stadt, die für Frauen gut funktioniert, funktioniert am Ende für alle besser. (Beifall bei SPÖ und NEOS.)

 

Mir ist bewusst, dass wir bei allen Themen, die ich heute angerissen habe, vor großen Herausforderungen stehen, und mir ist bewusst, dass wir diese Herausforderungen nur alle gemeinsam lösen können werden. Daher ist mir eine gute Zusammenarbeit mit allen PlayerInnen sehr wichtig, nämlich mit den Menschen in den Vereinen, mit Organisationen, den BezirkspolitikerInnen, der Wirtschaft, den VertreterInnen aller Parteien und natürlich auch mit den Wienerinnen und Wienern.

 

Ich habe jetzt, ehrlich gesagt, viel über die Themen gesprochen, die uns beschäftigen, aber aus meiner Sicht geht es in der Politik nicht immer nur um das Was. Es geht auch sehr viel um das Wie, und das bringt mich zur Frage: Welche Art von Stadträtin möchte ich sein? - Ich bin ein herzlicher, mitfühlender Mensch, und ehrlich gesagt möchte ich so auch Politik machen: mit Herz und Gefühl. Wir leben alle in einer Zeit, in der das politische Klima rauer wird. Der Umgangston wird härter, und aus meiner Sicht ist das nicht Sinn und Zweck von Politik. Politik sollte nämlich die besten Lösungen finden. Und es gibt eben unterschiedliche Meinungen und Lösungsansätze, und das ist gut so. Aber man sollte in Diskussionen immer fair und sachlich miteinander umgehen.

 

Ich möchte mich zum Schluss noch einmal ganz herzlich für die Wahl zur Stadträtin bedanken und möchte alle VertreterInnen der Parteien einladen - und zwar insbesondere auch jene, die mich heute nicht gewählt haben. Ich möchte Ihnen die Hand zur Zusammenarbeit reichen und bin wirklich auch gespannt, Ihre Lösungsansätze für die Probleme zu hören. Und ich meine diese Einladung sehr ernst, weil ich eben wirklich überzeugt bin, dass es nicht nur eine Sichtweise gibt, sondern dass jede Sichtweise auch das Recht hat, gehört und mitüberlegt zu werden.

 

Ich persönlich bin wirklich sehr optimistisch, dass wir gemeinsam die vor uns liegenden Aufgaben in der Wohnpolitik, in der Frauenpolitik sehr gut bewältigen werden. Ich freue mich auf eine gute Zusammenarbeit für unser Wien und für die Wienerinnen und Wiener. (Beifall bei SPÖ und NEOS.)

 

Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Zu Wort gemeldet ist GR Mayer, ich erteile es ihm.

 

12.55.41

GR Lorenz Mayer (ÖVP)|: Sehr geehrter Herr Vorsitzender, sehr geehrte Frau Stadträtin, sehr geehrte Damen und Herren, Kolleginnen und Kollegen!

 

Zuallererst möchte ich mich bei Ihnen, Frau Stadträtin - jetzt darf man es ja schon sagen -, für Ihre Vorstellung und für Ihre Rede bedanken. Sie sind für mich ja noch ein bisschen ein unbeschriebenes Blatt, bis auf das, was man in der Zeitung gelesen hat, was man glauben kann oder nicht glauben kann. Aber umso interessierter war ich jetzt auch, was Ihre Rede anbelangt, und ich habe ihr mit Interesse gelauscht. Ich freue mich ganz besonders, dass sozusagen auch durch Ihre Wahl heute das Thema Wohnen wieder einmal ins Zentrum der politischen Debatte rückt. Ich glaube, dass tut uns gut.

 

Das Wohnbauressort ist ein Ressort, das Wien ja ganz besonders prägt, und Sie übernehmen eine Aufgabe, die mit viel Macht, viel Einfluss, mit viel Verantwortung, mit einem doch einigermaßen großen Budget aus

 

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