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Gemeinderat, 45. Sitzung vom 26.03.2009, Wörtliches Protokoll  -  Seite 35 von 106

 

gerade in Bezirken, in denen man ein sehr großes Platzproblem hat und wo Tausende von Kindern aufwachsen, ohne den Raum zu haben, den sie bräuchten, um sich zu bewegen, einfach die Möglichkeit gibt, Sport zu betreiben.

 

Nach wie vor ist es wichtig, dass wir auch bei sonstigen Sportorten einfach die Möglichkeit geben, diese kostenlos zu nutzen. Es gibt Veranstaltungsstätten, die jetzt neu entstehen. Ich bringe Ihnen das Beispiel Eisring Süd. Dort werden Sportflächen entstehen. Aber wie viel davon wird frei zugänglich sein, wird kostenlos zugänglich sein? - Das sieht nicht gut aus. Genau das ist der Fehler, der gemacht wird. Breitensport sollte nicht eine Angelegenheit derjenigen sein, die sich das leisten können, sondern sollte auch kostenlos angeboten werden, wie gesagt, die Räumlichkeiten dafür, die Veranstaltungsstätten, der Zugang. Denn wir sehen auch, es rächt sich bereits, nicht nur auf Grund der Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die in dieser Stadt im Zunehmen sind, sondern auch an Hand dessen, dass jeder fünfte Jugendliche, wie wir wissen, übergewichtig ist. Das heißt, einmal mehr der dringende Appell, nicht nur alles in den Leistungssport zu investieren, sondern einmal dem Breitensport nicht nur in den Sonntagsreden, sondern auch in der Tat den Vorrang zu geben.

 

Ich beende meine Ausführungen beim Prater-Vorplatz. Das war in der Tat ein Debakel. Das war ein Debakel. Das Traurige ist, dass die Leidtragenden dieses Debakels ein paar, nicht so wenige, kleine und Kleinstunternehmer und ein paar hundert Arbeitsplätze, die an diesen kleinen und Kleinstunternehmen dranhängen, sind. Auf der einen Seite haben wir es hier mit Unternehmen zu tun, die super gearbeitet haben, die voll engagiert gearbeitet haben, die teilweise Wochenend- und Nachtschichten eingelegt haben, um den Termin vor der EURO einzuhalten. Auf der anderen Seite haben wir es mit einem finanziellen Desaster zu tun, das die Stadt 50 Millionen EUR gekostet hat. Was dort gebaut worden ist, war bauordnungswidrig, weil die Höhe massiv überschritten worden ist. Es ist mit einer nicht vorhandenen Ausschreibung, muss man auch noch sagen, gebaut worden, schrammt also sozusagen ziemlich klar an der Grenze dessen, was überhaupt zulässig wäre. Man hat nachweislich den falschen Planer genommen, der noch dazu nicht befugt gewesen wäre, dem die Erfahrung gefehlt hat und vieles mehr, wie wir inzwischen wissen.

 

Was ist die Konsequenz aus all dem? Bis heute sind die Verantwortlichen für dieses Debakel nicht zur Rechenschaft gezogen worden. Bis heute haben wir zum Beispiel nicht erfahren, dass es Konsequenzen in der Praterservice GmbH gegeben hätte, wenn wir schon mit der Holding im eigenen Unternehmensbereich der Stadt Wien sind, wo eine Firma seitens der Stadt beauftragt wurde, etwas abzuwickeln. Da bleibe ich bei der Stadträtin. Sie sagt, es war nicht ihre Entscheidung, Explore 5D zu beschäftigen. Gut, wunderbar! Gehen wir davon aus, es war wirklich so, sie hat nichts davon gewusst und hat sich sozusagen in keinster Art und Weise eingeschaltet. Wenn ich dann aber die Praterservice GmbH habe und sie fällt eine derartig rasante und durch nichts nachvollziehbare Fehlentscheidung, beauftragt ein Unternehmen, egal, ob mit oder ohne den anderen Vertragspartner, der offenkundig nicht befugt ist, offenkundig auch nicht befähigt ist, ein derartiges Projekt abzuwickeln, und lande dann auf 50 Millionen EUR Schaden und gleichzeitig einem Schaden für - einmal mehr - etliche kleine Unternehmer und hunderte Arbeitsplätze, die gefährdet wären, würden Sie nicht meinen, meine Damen und Herren, dass das Konsequenzen braucht? Würden Sie nicht meinen, dass eine der ersten und nachvollziehbarsten Konsequenzen wäre, sich einmal anzuschauen, ob das Management der Praterservice GmbH zum Beispiel richtig besetzt ist, ob da die richtigen Personalentscheidungen getroffen worden sind oder dass es zumindest seitens des Herrn Wurz, der in diesem Fall Geschäftsführer ist, eine Art Erklärung gibt, warum und wieso? Ein Eingeständnis wäre das Mindeste, was man erwarten könnte, das Eingeständnis eines Fehlers, einer Fehlentscheidung, sodass man davon ausgehen kann, er hat den Fehler eingesehen. Man kann ja auch aus Fehlern lernen, sie werden in der Zukunft nicht genau so wiederholt werden. Nichts von alledem, nichts von alledem.

 

Ich muss sagen, lieber Christian Oxonitsch, ich habe jetzt lange darüber gesprochen, was im Schulbereich zu tun ist, was im Kindergartenbereich zu tun ist, was in der Jugendwohlfahrt zu tun ist, was in der Kinder- und Jugendpsychiatrie zu tun ist, was im Sport zu tun ist und ich schließe mit dem Prater ab. Hier braucht es Konsequenzen. Das Erste, was wir von dir erwarten, oder vielleicht auch das Mindeste, wäre, dass es zumindest Konsequenzen in der Praterservice GmbH gibt.

 

Ich schließe damit ab, dass ich dir, lieber Christian Oxonitsch, das Beste für dieses Jahr wünsche. Wer weiß, vielleicht auch für die Zeit danach, wir wissen ja alle nicht, was nach der Wahl mit uns sein wird, es liegt in der Natur der Dinge. Ich weiß, dass du eine schwierige Aufgabe übernimmst, dass alle Augen auf dich gerichtet sein werden und dass es einen sehr hohen Erwartungsdruck auf dich geben wird. Ich will dir an dieser Stelle sagen, dass von mir persönlich jetzt zuerst einmal das Vertrauen da ist und ich die besten Hoffnungen auf deinem künftigen Sitzplatz virtuell deponiere. (Beifall bei den GRÜNEN.)

 

Diese besten Hoffnungen sind in Geschenkspackung verpackt, aber es ist schon ein ziemlich großer Karton, den ich dir da überreiche und dort hinstelle. Ich habe gesagt, Vertrauensvorschuss. Ich bin davon überzeugt, dass du es gut erledigen wirst, da ich dich in den letzten Jahren als kommunikativen, umgänglichen, engagierten und zuverlässigen Ansprechpartner erlebt habe. Du weißt natürlich, dass auch dir die übliche 100-Tage-Frist gewährt wird. Danach werden wir aber beginnen, ganz genau zu schauen, ob die Wünsche, die in dieser großen Schachtel deponiert worden sind, ernst genommen worden sind oder nicht.

 

Erstmals jedenfalls alles Gute, Gratulation von mir und auch im Namen unserer Fraktion! Bitte mache es gut für die Jugendlichen und Kinder dieser Stadt! (Beifall bei

 

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