Gemeinderat,
33. Sitzung vom 25.09.2003, Wörtliches Protokoll - Seite 14 von 102
Image der Krankenpflegepersonen nicht hoch war. Dieses war genauso angesehen wie das der Ärzte oder der MTDs. Da hat es in den Bereichen, in denen ich gearbeitet habe, eigentlich keine Unterschiede gegeben.
Wir haben auch in unserem Bereich, obwohl es ein sehr
schwerer war, viele, vor allem die älteren Schwestern, die in den siebziger
Jahren kamen, noch immer an der Abteilung arbeiten. Die Schwierigkeit ist mit
den neuen Ausbildungs-Curricula gekommen, sodass dadurch offensichtlich die
Erwartungen an den Beruf andere sind als das, was sie in der Realität erwartet.
Ich glaube, dass die frühere Ausbildung wesentlich praxisbezogener war und dass
die Menschen schon gewusst haben, was auf sie zukommt.
Was den Krankenpflegeberuf betrifft, ist es nach
solchen Vorkommnissen und der entsprechenden medialen Verbreitung sicher so,
dass das Ansehen nicht so hoch ist. Im Übrigen habe ich ein schlechtes Ansehen
dieses Berufes nicht bemerkt.
Vorsitzender GR Rudolf Hundstorfer:
Frau GRin Cordon, bitte.
GRin Waltraud Cecile Cordon (Grüner
Klub im Rathaus): Sehr geehrte Frau Stadträtin!
Bei meinem Besuch im GZ Favoriten habe ich
festgestellt, dass in diesem Pflegeheim die Besetzung des Personals eigentlich
in sehr gutem Verhältnis zu den Bewohnern steht, jedenfalls in der Abteilung,
in der ich war.
Es ist natürlich gut, dass das dort sehr gut besetzt
ist - ausreichend besetzt, nehme ich an -, aber ich tue mich ein bisschen
schwer, jetzt zu sagen, dass dort nicht nur ein schönes Haus ist, wie gesagt,
sondern dass es auch eine ausreichende Pflege gibt. Wie können Sie aber
wirklich verantworten, dass gerade im Geriatriezentrum Am Wienerwald, wo auch
von der Leitung immer wieder bestätigt wird, dass zu wenig Personal vorhanden
ist, unter den gegebenen Umständen nicht raschest eine Aufstockung des
Personals stattfinden kann?
Vorsitzender GR Rudolf Hundstorfer:
Frau Stadträtin, bitte.
Amtsf StRin Dr Elisabeth Pittermann:
Frau Gemeinderätin! Es gibt die freien Plätze, die budgetierten freien Plätze,
wir müssen nur die Menschen dafür finden!
Sie haben vorhin die Frage gehört, ob es
"Strafbataillone" gibt. - Wenn Menschen dort nicht hin wollen, dann
halte ich es für verfehlt, gerade wenn man mit abhängigen Menschen arbeitet,
wie es BewohnerInnen eines Pflegezentrums oder Kranke sind, Menschen strafweise
dorthin zu geben. Man muss versuchen zu motivieren. Wenn man die Möglichkeit
bietet, einen Kurs für eine höhere Karriere in Anspruch zu nehmen, dann wird es
sicher auch so sein, dass Menschen lieber dort hingehen, weil sie ja wissen,
dass dann sozusagen die Möglichkeit des weiteren Aufstiegs gegeben ist.
Ich erwarte mir auch, wenn wir vermehrt Ärzte in den
Pflegedienst bekommen, die ja das nicht als lebenslange Arbeit machen, dass sie
bereit sind, sich durchaus dorthin zu melden.
Wie gesagt, von der Vorgangsweise, im
Gesundheitsbereich zwangsweise etwas zu tun, um Menschen dort hinzuzwingen,
erwarte ich nicht, dass die Arbeit dann so gut gemacht wird. Es war nie
sinnvoll, wenn eine Pflegekraft unbedingt auf eine Chirurgie wollte, sie auf
eine Interne zu zwingen. Also man soll den Menschen da schon ein bisschen die
Möglichkeit lassen, sich das auszusuchen.
Vorsitzender GR Rudolf Hundstorfer:
Danke. – Nächste Zusatzfrage: Frau GRin Korosec, bitte.
GRin Ingrid Korosec (ÖVP-Klub der
Bundeshauptstadt Wien): Frau Stadträtin!
Sie haben gestern in Ihrer Mitteilung gesagt, dass der Pflegeberuf ein
sehr anstrengender Beruf ist, dass er physisch und psychisch sehr hart ist. Mit
alten und zum überwiegenden Teil vergesslichen Menschen zu arbeiten, ist nicht
attraktiv und geht an die Grenze der persönlichen Leistungsfähigkeit. - Ich
stimme Ihnen da vollkommen zu.
Nun ist bekannt, dass gerade der Dienst in
Altenheimen ein 12-Stunden-Dienst ist. Halten Sie diese überlange Dienstzeit im
Interesse der Bediensteten, aber vor allem auch im Interesse der Heimbewohner
für richtig, oder denken Sie daran, hier Änderungen vorzunehmen?
Vorsitzender GR Rudolf Hundstorfer:
Frau Stadträtin, bitte.
Amtsf StRin Dr Elisabeth Pittermann:
Frau Gemeinderätin! Es gibt bereits die freie Diensteinteilung, die Möglichkeit
dazu besteht. Ich habe bei einer MitarbeiterInnenbefragung fast über nichts so
viele Klagen bekommen - außer über die Vorgesetzten - wie über die erzwungenen
kürzeren Diensteinteilungen. Es haben manche einen Anfahrtsweg von eineinhalb
Stunden nach Wien, und es haben die Pflegekräfte sehr gerne eine längere
Blockfreizeit, vor allem auch deswegen, weil die Wochenenden ja nur sehr
beschränkt mit der Familie zu genießen sind.
Ich habe durchaus nichts dagegen, dass man 8-Stunden-Tage
durchführt, nur: Ich glaube nicht, dass man dabei auf große Zustimmung stößt,
dass das für die Menschen noch unattraktiver und, wie gesagt, mit der Familie
noch schwerer vereinbar ist. Aber es gibt eben das
Krankenanstaltenarbeitszeitgesetz, das diese langen Dienstzeiten ermöglicht.
Das ist so und, wie gesagt, bis zu 13 Stunden durchgehende Arbeitszeit ist
auch sonst in Privatbetrieben außerhalb der Krankenanstalten erlaubt.
Persönlich, körperlich halte ich sie nicht für günstig, aber ich fürchte, dass
wir, wenn wir zwangsweise andere Arbeitszeiten einführen, weitere
PflegemitarbeiterInnen verlieren werden.
Vorsitzender GR Rudolf Hundstorfer: Die
nächste und letzte Zusatzfrage zu dieser Anfrage stellt Herr GR Mag Kowarik.
GR Mag Helmut Kowarik (Klub der
Wiener Freiheitlichen): Frau Stadträtin!
Wir haben gestern in der Debatte
gehört, dass die Stadt Wien zur Zeit, glaube ich, 270 Zivildiener hat und
beschäftigt. Wir hören aber auch, dass 700 Zivildiener für den
Pflegebereich in Wien abrufbar sind. Wir haben gestern in der Debatte auch
gehört, dass es sicherlich
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