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Landtag, 10. Sitzung vom 24.03.2026, Wörtliches Protokoll  -  Seite 31 von 64

 

zen. Du warst auch immer eine großartige Sozialpartnerin, denn du hast auch immer darauf geschaut, dass Frauen in Führung kommen, sei es in Verwaltung oder Politik, und hast dich auch ganz intensiv dafür eingesetzt.

 

Du hast in Summe 7 433 Tage in diesem Haus Spuren hinterlassen - eine gewaltige Anzahl. Du bist - und das wurde ja schon gesagt - am 18.11.2005 hier als Landtagsabgeordnete angelobt worden, und am 25.5.2018 wurdest du zur Stadträtin für Wohnen, Wohnbau, Stadterneuerung und Frauen gewählt - ein schöner Tag für die Stadt, ein weniger schöner Tag für mich, denn du hast mich als Sitzpartnerin verlassen. Immerhin acht Jahre durfte ich neben dir sitzen, und das war eine sehr spannende, aufregende Zeit. Bei aller Ernsthaftigkeit, die natürlich Politik mit sich bringt - und das wurde ja heute auch schon oft gesagt: Mit dir kann man natürlich auch viel lachen, sich über Familienprobleme und andere Themen unterhalten, und es ist uns nie fad geworden, sagen wir mal so, zum Leidwesen vielleicht von manchen Vorsitzenden.

 

Ich wurde ja einmal gefragt, was mir am meisten fehlen wird - wenn wir über deine Politik sprechen, wenn wir viel über dein Wirken hier reden. Und ich habe das sehr klar und eindeutig beantwortet: Es wird mir der Mensch Kathi fehlen, es wird mir die Kathrin Gaál als Person hier in diesem Haus fehlen, denn vieles, was zu deinen Eigenschaften hier aufgezählt wurde, kann ich nur unterstreichen und natürlich auch noch einmal bestätigen.

 

Ich darf dir im Namen vom Landtag, aber auch vom Gemeinderat alles erdenklich Gute wünschen, auch dir persönlich in deinem beruflichen Werdegang alles erdenklich Gute wünschen. Behalte bitte deinen wertschätzenden Umgang bei! Behalte dir aber vor allem auch deinen Humor! Ich wünsche dir das notwendige Glück für diese neue Funktion, die du ja jetzt in Bälde antreten wirst. Wie gesagt: Behalte deinen Humor, dein offenes Wesen und dein herzliches Gemüt bei! Alles erdenklich Gute für dich in der Zukunft! Vielen, vielen Dank. (Allgemeiner Beifall sowie anhaltender, stehend dargebrachter Beifall bei SPÖ, NEOS, GRÜNEN und ÖVP.)

 

Auch wenn jetzt, glaube ich, das dritte Taschentuch vom Herrn Bürgermeister notwendig geworden ist: Das politische Karussell dreht sich weiter, und wir dürfen in der Tagesordnung weiter fortfahren. Zu Wort gemeldet zum Tätigkeitsbericht der Volksanwaltschaft ist die Frau Abg. Korosec. Ich möchte mich aber noch einmal bei den Volksanwältinnen und Volksanwälten für die Geduld bedanken, dafür, dass wir hier die Verabschiedungszeremonie während des Tagesordnungspunktes abhalten durften. - Frau Abg. Korosec, Sie sind damit am Wort.

 

12.09.45

Abg. Ingrid Korosec (ÖVP)|: Herr Präsident, werte Kolleginnen, werte Kollegen, Herr Bürgermeister! Ich darf die drei Volksanwälte ganz herzlich begrüßen.

 

Ich möchte nur noch einen Satz sagen: Mit Kathi Gaál verlässt uns eine großartige Frau. Meine größte Bewunderung hat sie, und sie wird uns allen sehr fehlen. (Beifall bei ÖVP, SPÖ und GRÜNEN.)

 

Zu Beginn meiner Rede möchte ich mich einmal ganz herzlich bei euch drei Volksanwälten sowie bei den Teams, die ihr habt, für eure sehr, sehr engagierte und vor allem beharrliche Arbeit - und das ist gerade in der Volksanwaltschaft so wichtig - bedanken. Die Volksanwaltschaft scheut nicht davor zurück, in ihren Berichten Missstände aufzuzeigen, auch Empfehlungen abzugeben, die Dinge klar beim Namen zu nennen und den Finger genau dorthin zu legen, wo es notwendig ist und wo es auch weh tut, denn genau das braucht es auch.

 

Ich spreche heute über ein Thema, das im Landtag sehr selten auf der Tagesordnung ist, obwohl es hunderte Familien in Wien betrifft, ein Thema, das mir nicht nur aus den Akten und Berichten vertraut ist, sondern mich auch persönlich erreicht hat. Die beste Freundin meiner Enkeltochter - also noch aus dem Kindergartenalter, ja - erkrankte vor einigen Jahren an Magersucht, und ich habe hautnah miterlebt, wie die Krankheit nicht nur sie, sondern die ganze Familie erfasste, wie die Sorge, die Hilflosigkeit und Erschöpfung jeden einzelnen Tag prägten. Der Weg zu einem stationären Therapieplatz war lang, steinig, voller Rückschläge und Warten. Heute ist sie zum Glück eine junge, erfolgreiche Dame und völlig gesund. Dieser Weg hätte aber nicht so schwer sein müssen.

 

Magersucht ist leise, und sie trifft am häufigsten jene, die sich am wenigsten wehren können: unsere Kinder, vor allem unsere Töchter, aber auch unsere Söhne. Magersucht tötet, und das ist keine Metapher, das ist keine Überspitzung, das ist leider medizinische Realität. Sie ist eine Krankheit, die keine Schlagzeilen macht, keine Demonstrationen auslöst, keinen politischen Lärm erzeugt, und genau das ist das Problem.

 

Magersucht ist unter Jugendlichen die psychische Erkrankung mit der höchsten Sterblichkeitsrate, höher als bei Schizophrenie, höher als bei bipolaren Störungen, höher als bei Depressionen. Sie trifft Jugendliche in der Regel so zwischen dem 14. und 17. Lebensjahr, in jener Lebensphase, in der sie am vulnerabelsten sind. Sie ist eine schwere psychosomatische Erkrankung, die das System überfordert und oft mit verheerenden Folgen für die Betroffenen verbunden ist (Beifall bei der ÖVP sowie von Lhptm Dr. Michael Ludwig und Abg. Dipl.-Ing. Selma Arapović.): Herzrhythmusstörungen, Osteoporose, Hormonversagen, irreversible Organschäden, Angststörungen, Depressionen, Zwangsstörungen - eine Erkrankung die den ganzen Menschen erfasst. Ein Behandlungsplatz, stationär oder ambulant, ein Hoffnungsschimmer auf Heilung, liegt jedoch oft in gefährlich weiter Ferne.

 

Wie sieht es mit den stationären und ambulanten Behandlungsplätzen in Wien aus? Machen wir uns ein Bild von der aktuellen Lage! - Schon vor Covid-19 wurde immer wieder von längeren Wartezeiten auf Erstgespräche und Behandlungsplätze berichtet. Die Pandemie hat natürlich diese kritische Lage als Brandbeschleuniger in einen Notstand verwandelt. Die Zahl der Klinikeinweisungen stieg europaweit rasant an, in manchen Staaten sogar um bis zu 50 Prozent. Die Länge der Wartelisten für Behandlungsplätze in Wien beziehungsweise in ganz Österreich hat sich verdoppelt. Die Betroffenen werden tendenziell immer jünger, schon das ist an sich ein schrecklicher Befund. Doch Experten berichten, dass es

 

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