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Gemeinderat, 61. Sitzung vom 29.06.2010, Wörtliches Protokoll  -  Seite 8 von 110

 

viel Zeit haben, denn es geht diesbezüglich steil bergab in Wien und jede neue Untersuchung, die veröffentlicht wird, egal, ob das jetzt PISA ist oder ob die OECD sich äußert, jedes Mal wieder wird Ihnen der Spiegel vorgehalten und jedes Mal wieder wird gezeigt, dass es im österreichischen Schulsystem nicht gelingt, so etwas wie eine Chancengerechtigkeit oder Chancengleichheit herzustellen. Das ist der eine Punkt, wo man zeigen kann, wofür stehen die einen und wofür stehen die anderen.

 

Und ein zweiter Punkt, wo sie das zeigen müssten und sollten, ist das große Kapitel der Schulinnovation. Ich denke, wir sollten auseinanderhalten, was sind reine Bundesangelegenheiten - da können Sie mit der Ministerin reden, da können Sie Einfluss nehmen, ich hoffe, Sie tun das auch -, aber es gibt auch jenes Kapitel, wo die Frage danach gestellt werden muss, was könnte Wien in Eigenregie tun, damit Schulinnovation in einem großen Ausmaß stattfindet. Das sind die zwei Punkte, zu denen ich jetzt in meiner Rede Stellung nehmen möchte.

 

Punkt Chancengerechtigkeit: Sie haben das 1+1-Fördermodell mit der Vorschule gemacht, wo wir sagen, das ist rassistisch. Die GRÜNEN hätten, und das ist auch unser Vorschlag für die weitere Vorgangsweise, gesagt, alle Kinder sollen ab drei Jahren in den Kindergarten gehen, denn dort findet das Lernen auf eine spielerische Art und Weise statt und danach würden alle Kinder mit ausreichend deutschen Sprachkenntnissen mit sechs Jahren in die Schule gehen können. Das ist unser Vorschlag und wir hätten gerne, dass der aufgegriffen wird.

 

Punkt. Es gibt Kinder, die haben zu Hause Eltern, die für sie Zeit haben und selber gebildet sind und die ihnen beim Aufgabenmachen helfen können oder wenn Kinder irgendwann einmal irgendwo ein bisschen schwächer sind, als sie es sein sollten. Es gibt aber auch die Kinder, die diese Eltern zu Hause nicht haben. Das sind Kinder aus sozioökonomisch schwachen Familien, bildungsferne Familien, Eltern, die nicht helfen können und das sind auch Eltern, die keine Nachhilfe bezahlen können oder teilweise auch gar nicht wollen. Auch diesbezüglich ist der Vorschlag der GRÜNEN an Sie: Machen Sie es so, dass die Nachhilfe und die Aufgabenhilfe, die diese Kinder benötigen, von der Schule aus angeboten werden und zwar für alle diese Kinder, nicht nur da und dort und da und dort, sondern für alle Kinder, die das benötigen, und dass das ein ganz ein selbstverständliches Angebot für diese Kinder ist.

 

Punkt. Wir haben auch darüber schon geredet und ich habe auch diesbezügliche Anträge bereits gestellt: Seit dem Jahr 2000, als der Finanzausgleich starke Kürzungen vollzogen hat, wurden auch im Bereich der unverbindlichen Übungen, Sie wissen es, das sind alle Dinge, die den Kindern besonderen Spaß machen, viele schöne Nachmittagsangebote im Bereich Theaterspielen, Musikmachen, Sport, Schach, Eislaufen, alles Mögliche, da wurde stark gekürzt und danach konnten reiche Schulen, das heißt, an vielen Schulen in Regionen Wiens, wo die Eltern, die da im Elternverein drinnen sitzen, genug Geld haben, wurden wieder Kurse eingeführt, die es jetzt wieder gibt, die aber teilweise entgeltlich angeboten sind, das heißt, es gibt Kinder an der Schule, die sehen, da wäre was Wunderbares, da könnte ich Theaterspielen oder jö, dort würde ich gerne mitmachen oder da gibt es Native Speakers in Englisch, die aber nicht mitmachen können, weil sie das Geld dafür nicht haben. Diesen Punkt, dass es an einer Schule Angebote gibt, die nur für ganz bestimmte Kinder, nämlich die mit Geld, da sind, das halte ich tatsächlich, in aller Ruhe ausgesprochen, aber das halte ich für eine Schande für Wien und da muss die Stadt eingreifen. Dasselbe Problem zeigt sich bei Schullandwochen, bei Skikursen, bei Ausflügen, wo immer wieder Kinder nicht mitfahren können, weil es sich die Eltern nicht leisten können, wo Kinder kurz vor dem Ausflug absagen und sagen, sie sind krank geworden, weil die Eltern einfach, manchmal handelt es sich nur um 10, 20 EUR, dieses Geld nicht haben und den Kindern nicht mitgeben können. Auch das halte ich für eine Schande für Wien.

 

Ich bringe daher in diesem Zusammenhang einen Beschlussantrag ein, dass die Stadt Wien die Kosten für schulische Nachmittagsangebote, Schikurse, Schullandwochen und Ausflüge für alle jene Kinder übernimmt, deren Eltern Anspruch auf eine Kostenreduzierung für die Nachmittagsbetreuung haben. Das sind auch alle jene, die zum Beispiel von der Sozialhilfe leben, wo die Eltern von der Sozialhilfe leben, also wirklich Menschen, die zu wenig Geld haben. - In formeller Hinsicht beantrage ich ebenfalls die sofortige Abstimmung dieses Antrages.

 

Meine sehr verehrten Damen und Herren! Natürlich können wir jetzt hier nicht alles besprechen, was übers ganze Jahr sich angesammelt hat. Aber über die Schulsozialarbeit möchte ich jedenfalls noch reden, denn Schulsozialarbeit, wie sie jetzt stattfindet, ist meiner Meinung nach zu wenig und wirklich nicht das Gelbe vom Ei. Es stellt sich jetzt heraus, dass weder die Anonymität noch die Niederschwelligkeit in dem Maße vorhanden ist, in dem Maße gewährleistet ist, als wir es für notwendig halten und dass auch die notwendigen Ressourcen für die Schulsozialarbeit fehlen. Auch diesbezüglich möchte ich einen Beschlussantrag einbringen.

 

„Wir fordern den Herrn Stadtrat auf, mit den SchulsozialarbeiterInnen Gespräche über eine Reform der Wiener Schulsozialarbeit aufzunehmen, damit Anonymität und Niederschwelligkeit in Zukunft gewährleistet sein können.“

 

(GRin Mag (FH) Tanja Wehsely: Die Reform eines einjährigen Projektes, das sich in Evaluation befindet!) Bitte? (GRin Mag (FH) Tanja Wehsely: Die Reform eines einjährigen Projektes, das sich in Evaluation befindet!) Ja, ja, es muss nicht daran hindern, dass man schaut, wie bessert man nach. Von mir aus können Sie auch nach einem Jahr dann diese Gespräche aufnehmen. Das ist nicht der Punkt. (GRin Mag (FH) Tanja Wehsely: Ja!) Der Punkt an der Sache ist, dass es gemacht wird und dass ausreichend Ressourcen zur Verfügung stehen müssen. - Auch diesem Antrag bitte ich, die sofortige Abstimmung zu geben.

 

Der nächste Antrag, der sich mit der Schulsozialarbeit befasst, bezieht sich darauf, dass dieses System, wo

 

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