Gemeinderat,
33. Sitzung vom 25.09.2003, Wörtliches Protokoll - Seite 92 von 102
Sozialbereich hat sich das schon abgezeichnet, denn dass der Frau Sozialstadträtin oder Noch-Sozialstadträtin, der Frau Vizebürgermeisterin, Gelder fehlen werden, das war ja spätestens seit der Vorlage des Budgets absehbar und bekannt. Jeder, der sich dieses Budget angesehen hat und es mit den Zahlen der letzten Jahre verglichen hat, konnte mit Fug und Recht annehmen, dass man mit dem Geld nicht auskommen wird. Es hat nicht einmal ein halbes Jahr gedauert seit dem Rechnungsabschluss, schon hat die Realität all jenen Recht gegeben, die dieses Budget abgelehnt haben, weil es ganz einfach auf völlig falschen Annahmen beruht hat.
Doch was tut man? Anstatt dass man sagt, man muss
eben zu einer Neustrukturierung in der Mittelverteilung kommen, tut man das,
was man hier traditionell tut, man gibt Gelder für Veranstaltungen aus, deren
Zweck höchst fragwürdig ist. Meine Vorrednerin hat ja einleitend eine
rhetorische Frage gestellt. Es ist natürlich eine rhetorische Frage gewesen,
denn Sie wissen ja an sich immer noch nicht, wofür man diese
293 000 EUR ausgibt.
Nun, da lade ich Sie ein, nur einen Blick auf diese
Broschüre zu werfen. Da steht sehr klar und deutlich drauf: "Grete Laska
und Michael Häupl laden ein". Das ist schon interessant in der
Reihenfolge, zuerst die Vizebürgermeisterin, dann der Bürgermeister laden ein.
Das Wichtigste findet man dann auf der Seite 2 dieser Broschüre, nämlich
ein großes farbiges Porträtbild der Frau Vizebürgermeisterin, und schon weiß
man, wozu 293 000 EUR auf die Reise gehen werden, und zwar mit den
Stimmen der SPÖ.
Aber vielleicht greift das sogar noch ein wenig zu
kurz. Wenn man sich die Zuständigkeiten der Frau Vizebürgermeisterin anschaut –
immerhin ist sie zuständig für Bildung, Jugend, Soziales, Information und Sport
–, könnte es ja sein, dass sie hier ganz bewusst einen Schwerpunkt setzt, denn
im Sport ist es ja so, dass der wirkliche Sportstadtrat der Herr
Bereichsdirektor Podkowicz ist. Das wissen alle. Das ist derjenige, der im
Sport das Sagen hat. Das kann man also von den Zuständigkeiten der Frau
Stadträtin eigentlich schon abhaken.
Das mit dem Sozialen wird sich mit dem Jahreswechsel
auch erledigt haben. Das geht in den Geschäftsbereich, dem jetzt noch die Frau
StRin Pittermann vorsteht. Das wird um den Jahreswechsel herum wahrscheinlich
auch anders sein.
Die Agenden betreffend Jugend hat man ausgelagert.
WienXtra beziehungsweise alle möglichen Agenturen, beispielsweise
EventConsulting, machen die Jugendpolitik.
Die Bildung ist größtenteils beim Stadtschulrat.
Darauf werde ich dann noch ein bisschen zu sprechen kommen.
Also bleibt die Information. Die Informationspolitik
macht die Frau Stadträtin. Sie informiert im Wesentlichen über sich selbst und
tut natürlich auch alles dazu, damit das auch bekannt wird. Um 293 000 EUR.
So "Kurier"-Inserate, wie wir sie ja heute hier haben – in den
anderen Zeitungen werden wir das noch sehen –, die kosten schon etwas. Und das
alles nur, damit man liest, dass die Frau Vizebürgermeister eine Party
präsentiert.
Ich erinnere an die Diskussionen über den Geldmangel
im Sozialbereich, über den Geldmangel im Pflegebereich, über all das, was da
passiert – mittlerweile sind auch schon wieder die Ermittlungsbehörden wegen
Lainz tätig geworden –, und dann haben Sie überhaupt keinen Genierer, eine
derartige Summe Geldes für eine derart kurzfristige Vergnügungsveranstaltung
auf die Reise zu schicken. Also ich möchte nicht in Ihrer Haut stecken. Ich
will Ihnen ja nicht unmoralisches Verhalten attestieren, aber ich denke mir,
wenn man noch einen Funken von Moral und Anstand hat, müsste man sagen, für
diese 293 000 EUR gibt es in dieser Stadt wahrlich bessere
Verwendungsmöglichkeiten. (Beifall bei der FPÖ.)
Aber natürlich, eine SPÖ, die in Wien Polemik statt
Politik betreibt, die auf die Politik vergessen hat, die vergisst natürlich
auch, die richtigen Schwerpunkte zu setzen, und da kann es schon einmal
passieren, dass einem beim Sozialbudget so rund 100 Millionen EUR
verloren gehen in der Kalkulation. Dann rechnet man hin und her und schaut,
dass man auf die richtigen Beträge kommt. Und dann bekommt man als Erklärung im
Ausschuss präsentiert: Na ja, die Verrechnung in einem Teilbereich bei den
Landeslehrern habe nicht so funktioniert, wie man es sich an sich erwartet hat,
dass es gegenüber dem Unterrichtsministerium funktionieren müsste.
Da fügt es sich dann schon sehr seltsam, wenn im Zuge
dieser gesamten Diskussion genau jener Spitzenbeamte im Stadtschulrat – Leiter
der Pflichtschulabteilung, gestandener Sozialist, langjähriger Funktionär bei
den sozialistischen Lehrern, hochkompetenter Mann, keine Frage, der aber immer
auch darauf geschaut hat, dass es den Sozialisten im Wiener Schulwesen gut geht
– jetzt auf einmal mit blühender Gesundheit versehen mit 57 Jahren in
Pension geht. Ende November geht der Knall und Fall in Pension. Da fragt man
sich natürlich, was hat jemanden, der sehr motiviert in seinem Geschäft tätig
ist, dazu motiviert, so schlagartig in die Pension zu wechseln.
Na ja, das Geheimnis ist leicht gelüftet. In der
Diskussion rund um die Frage der Abrechnung der Lehrer zwischen der Stadt Wien
und dem Unterrichtsministerium war sich die Verwaltungsvertretung – formulieren
wir es einmal vorsichtig so – zwischen der Gemeinde auf der einen Seite und dem
Stadtschulrat auf der anderen Seite nicht ganz einig, was richtig ist. Im Zuge
dessen hat halt dann schlussendlich einer gemeint: So nicht mehr, so nicht mit
mir! Ich lasse mich für Abrechnungsmodalitäten, von denen ich überzeugt bin,
dass sie nicht korrekt sind, so nicht weiter verwenden. Und er hat daraus die
Konsequenzen gezogen.
Das soll man hier auch einmal klar
und deutlich aussprechen, wie eng es mit dem Geld bei Ihnen geworden ist, wie
weit Sie von Ihren im Budget vorgelegten Kalkulationen in Wahrheit schon weg
sind, welche Schwierigkeiten Sie haben, zu Geld zu kommen, in welche massive
interne Diskussionen Sie geraten sind. Das könnte
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