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Landtag, 3. Sitzung vom 29.01.2016, Wörtliches Protokoll  -  Seite 35 von 66

 

schlechtsmerkmalen einteilt, genauso gut könnte man sie nach Größe oder Haarfarbe einteilen“.

 

Jetzt stellen wir uns vor, es wird ein Baby geboren, die Hebamme sagt: „Gratulation, ein Mädchen!“ Da könnte die Hebamme genauso sagen: „Gratulation, 51 cm!“ – Ist das genau das Gleiche? Das ist auch Willkür.

 

Der Hauptfehler der Gender-Theorie, das kann ich Ihnen in einem Wort zusammenfassen, ist es, zu sagen, dass das biologische Geschlecht keine Auswirkungen auf die Psyche hat. Das ist wissenschaftlich einfach falsch! Es ist sogar, würde ich sagen, vollkommen unökologisch für den Menschen. Und da gab es eine Befragung bei Eltern, die gesagt haben, dass sie zum Beispiel Gender-Sprache ablehnen. 85 Prozent der Eltern haben gesagt, das wollen wir nicht. Und es gibt Länder in Europa, die die Finanzierung von Gender-Instituten wegen Unwissenschaftlichkeit bereits eingestellt haben.

 

Aber verstehen Sie mich nicht falsch, ich verwerfe nicht das Wort Gender an sich, ich finde einige Aspekte ganz wichtig und wesentlich. Zum Beispiel die Gender-Medizin, denn in der Gender-Medizin lernen wir, dass Krankheiten und Therapien bei Männern und Frauen ganz unterschiedliche Auswirkungen haben. Und es ist ganz wichtig, dass man das erforscht und danach handelt. Aber hier sehen wir wieder, dass die Anatomie sehr wohl eine Rolle spielt. Ohne Anatomie bräuchte ich ja keine Gender-Medizin. Wenn die Anatomie erfunden wäre, dann wäre die Gender-Medizin unwesentlich. (Abg. Martina Ludwig-Faymann: Wo haben Sie studiert, in Linz? )

 

Kurz zusammengefasst: Gender-Theorie ist keine Wissenschaft, sondern eine Weltanschauung. (Beifall bei FPÖ und ÖVP. – Abg. Peter Kraus, BSc: Sie haben das studiert?!) – Ja, darum erkläre ich das. Es ist keine Wissenschaft, sondern eine Weltanschauung. Der Wiener Bildungsplan, ich habe auch andere Studien gemacht, wenn Sie meine eigene Wissenschaft in Frage stellen, ich habe viel studiert, aber in Gender-Studies bin ich auch der Meinung, dass ich keine wissenschaftliche Ausbildung erhalten habe, ja. Man müsste sehr wohl die Finanzierung der Gender-Institute in Österreich noch einmal überprüfen. (Beifall bei FPÖ und ÖVP.)

 

Kurz zusammengefasst: Wir mögen den Bildungsplan, wir werden heute auch zustimmen. Wir haben nur einen Vorbehalt. Wir möchten hiermit auch protokollieren, dass wir, weil wir ihn als Leitfaden verstehen, uns damit anfreunden können, aber unterm Strich geht es uns um unsere Kinder. Und unsere Kinder brauchen beste Betreuung und beste Bildung und nicht Ideologie. – Vielen Dank. (Beifall bei der ÖVP.)

 

Präsident Dipl.-Ing. Martin Margulies: Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abg. Dr. Kickert.

 

12.41.50

Abg. Dr. Jennifer Kickert (GRÜNE)|: Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Landesrätin! Sehr geehrte Damen und Herren!

 

Ich möchte die Aussage eines meiner Vorredner im Namen meiner Fraktion – und ich zitiere jetzt: „Die Experten aus der grünen pädophilen Ecke.“ Zitat Ende – schärfstens, und zwar wirklich allerschärfstens zurückweisen. Dieses Niveau ist dieses Hauses nicht würdig! (Beifall bei den Grünen. – Abg. Mag. Wolfgang Jung: Sagt Ihnen der Name Cohn-Bendit etwas?)

 

Bei allem anderen, was dieser Abgeordnete im Laufe seiner Rede gesagt hat, stelle ich fest, dass er als Experte für „eh alles“ bestehende Realitäten, anders als meine Vorrednerin, offensichtlich weder zur Kenntnis nehmen will noch zur Kenntnis nehmen kann. (Beifall bei den GRÜNEN. – Abg. Mag. Dietbert Kowarik: Das könnte man über Sie auch sagen, Frau Kollegin!)

 

Präsident Dipl.-Ing. Martin Margulies: Ich danke sehr. Eine weitere Wortmeldung liegt mir jetzt nicht vor. Ich erkläre die Verhandlung für geschlossen und erteile der Berichterstatterin das Schlusswort.

 

12.43.18

Berichterstatterin Amtsf. StRin Mag. Sonja Wehsely|: Sehr geehrter Herr Präsident!

 

Ich bin etwas überrascht über die Art und das Thema, zu dem diese Debatte geführt wurde. Ich habe vieles erwartet, aber das nicht. Ich möchte einen Punkt, den der Herr Abg. Florianschütz angesprochen hat, noch verstärken, damit das auch ganz klar ist: Es ist in unserem Ausschuss gestern angesprochen worden, dass die Problematik der Festmachbarkeit, um welchen Bildungsplan es sich handelt, der Grund wäre, warum die FPÖ nicht zustimmen kann. Ich habe dann in der Sitzung und in den Nachbesprechungen gleich nach dem Ausschuss gesagt, es ist überhaupt kein Problem, eine ISBN-Nummer ist eine ganz klare Definition, wovon wir sprechen, genauso wie ja auch Normen, auf denen zum Beispiel Teile der Bauordnung basieren, keine Gesetze und keine Verordnungen sind, sondern von einem privaten Institut, nämlich dem Normungsinstitut festgelegt werden. (Abg. Mag. Dietbert Kowarik: Das ist ein bisschen ein Unterschied, Frau Kollegin! Da sollten Sie sich einmal informieren, wie Gesetzgebung funktioniert!), Wir können sehr gerne einen Zusatzantrag, einen Abänderungsantrag zu diesem Initiativantrag stellen, ganz spontan, um das festzulegen. Damit haben Sie nicht gerechnet, und als dieses Angebot kam, das auch der Abg. Florianschütz und die Frau Abg. Novak gemacht haben, ging es plötzlich nicht mehr um dieses Thema, sondern da ging es dann um den Inhalt des Bildungsplanes.

 

Ich nehme zur Kenntnis, dass Sie hier nicht zustimmen wollen, was Ihr gutes Recht ist. Was ich jetzt auch sehr gut verstehe nach dieser Diskussion – Kollege Aigner, welche frühkindliche Pädagogik Sie da offenbar irgendwie erlebt haben, auf das möchte ich jetzt nicht eingehen. Was aber schon mit der Frage des Wiener Bildungsplans verhältnismäßig wenig zu tun hat, aber – wenn die Diskussion so läuft – gesagt werden muss, ist, dass es hier offenbar ein Wissensdefizit gibt, worum es geht beim Wiener Bildungsplan, aber natürlich auch in allen möglichen Lehrplänen die Grundschule betreffend, dass nämlich das soziale Geschlecht und die gesellschaftlichen Geschlechterrollen sozial zugewiesen sind, Herr Kollege Aigner, dann ist das so, um es mit einem banalen Beispiel zu sagen, dass es eben nicht am Doppel-X-Chromosom liegt, in der Puppenküche zu spielen und nicht am XY-Chromosom liegt, mit Matchbox-Autos zu spielen, sondern dass das gesellschaftlich zugewiesen ist. (Beifall bei SPÖ und GRÜNEN.) Es ist das Ziel der Elementarpädagogik und es ist in Wien auch das Ziel

 

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