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Gemeinderat, 49. Sitzung vom 24.01.2024, Wörtliches Protokoll  -  Seite 60 von 69

 

übernachten oder wissen tatsächlich nicht, wohin. Auch da richten sie sich dafür ein, um bei diesen seltenen, aber doch immer wieder auftretenden Notfällen helfen zu können. Und etwas, was auch ganz stark in diese ehrenamtliche Arbeit reinspielt: Sie stellen einen Raum kostenlos zur Verfügung, das sogenannte Freiräumchen, in dem Initiativen und Personen, ohne Miete zahlen zu müssen, ihre entweder Expertise oder Arbeiten dort durchführen können, alles im Rahmen der LGBTIQ-Community, und das alles um 21.000 EUR. Ich möchte also ein bisschen das Verhältnis aufzeigen zwischen dem, was da auf der einen Seite als Drohkulisse aufgebaut worden ist, und worum es tatsächlich geht. Es ist also keinesfalls eine große Stelle der Indoktrinierung, sondern ganz im Gegenteil, es ist ein Ort, an dem Jugendliche und auch andere Personen, Eltern von Jugendlichen, sich Rat holen können und vor allem dann an Stellen verwiesen werden, die die Expertise zur weiteren Beratung haben.

 

Die zweite Stelle, die ich auch hervorheben möchte, ist eben QWIEN, das Zentrum für queere Geschichte. Zusätzlich zu dem, was Kollege Weber schon gesagt hat, möchte ich darauf hinweisen, dass neben der wissenschaftlichen Arbeit in diesem Jahr eine ganz besondere Herausforderung auf sie zukommt, weil sie in neue Räumlichkeiten umziehen. Da ist einmal ein Archiv aus persönlichen Beständen entstanden, das jetzt zu einem ganz wichtigen und - wie bereits erwähnt - international anerkannten Archiv für die queere Geschichte wird. Diese neuen Räumlichkeiten müssen natürlich, weil sie neu sind, auch alle Stücke spielen, und das ist eine große Herausforderung. Die Herausforderung ist, sage ich, Brandschutz und Barrierefreiheit und Ähnliches mehr zu berücksichtigen.

 

Die wissenschaftliche Arbeit dieses Zentrums ist überhaupt nicht zu gering zu schätzen, weil die Aufarbeitung von Akten vor dem Zweiten Weltkrieg, während der NS-Zeit und danach wirklich viel Arbeit bedingt. Das ist nämlich neben der Auswertung vor allem schon die Digitalisierung. Ich weiß nicht, ob Sie sich jemals die Mühe gemacht haben, Ihre alten Dokumente einmal zu digitalisieren und dann auch noch so auffindbar zu verwahren, dass Sie darauf zugreifen können. Das ist viel Arbeit.

 

Zum Abschluss möchte ich eine spezielle Forschungsarbeit hervorheben, nämlich die Forschungsarbeit zur Verfolgung lesbischer Frauen während der NS-Zeit. Diese wird heuer abgeschlossen und in einer Publikation enden, aber möglicherweise wird es auch eine Ausstellung dazu geben. Und allein das sind Ergebnisse, die zeigen, dass es sich hier keineswegs um eine absurde und unwissenschaftliche Politik handelt, sondern ganz im Gegenteil, diese Förderung fördert wissenschaftliche Arbeit. (Beifall bei den GRÜNEN sowie von GR Mag. Josef Taucher und GR Georg Niedermühlbichler.) Und das noch dazu in einem Bereich, der seit mindestens 90 Jahren leicht übersehen worden ist. Ich bin ziemlich sicher, dass diese Forschungsarbeit, die schon seit mehreren Jahren läuft, neue Erkenntnisse bringen wird.

 

Das zu den Akten, und jetzt zu der bereits angekündigten Korrektur in eigener Sache. Ich habe in meiner letzten Rede im Dezember zur Förderung der Wiener Volkshochschulen GmbH mit einer etwas missverständlichen Formulierung den Eindruck erweckt, ich hätte eine Information zur Schließung des Standortes Danhausergasse von der Direktorin der VHS Polycollege Stöbergasse selbst erhalten. Das ist nicht so gewesen, ich habe diese Information von dritten Personen erhalten. Das heißt, für diesen Eindruck, falls der irgendwem außer fünf Leuten in ganz Wien aufgefallen sein sollte, entschuldige ich mich. Ich habe mich aber natürlich auch schon direkt bei der betroffenen Direktorin der VHS Stöbergasse für diesen falschen Eindruck entschuldigt. Aber abgesehen von diesem Eindruck erhalte ich alle Kritikpunkte zur fehlenden Transparenz zu dieser Evaluierung und zu der möglicherweise erfolgten Standortanalyse der VHS aufrecht. Alles andere obliegt Ihnen. - Danke vielmals für die Aufmerksamkeit. (Beifall bei den GRÜNEN.)

 

Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Zu Wort gemeldet ist GRin Mag. Berger-Krotsch. Bitte.

 

15.23.25

GRin Mag. Nicole Berger-Krotsch (SPÖ)|: Sehr geehrter Herr Vorsitzender! Sehr geehrter Herr Vizebürgermeister! Meine sehr geehrten Damen und Herren hier im Saal! Liebe Zusehende via Livestream!

 

Ja, seit ich mir gestern Abend die Anträge der FPÖ zu Gemüte geführt habe, weiß ich jetzt noch mehr und noch intensiver, dass wir in der Stadt mit unserem Ansinnen, gegen Diskriminierung und für Gleichstellung einzutreten einfach auf dem richtigen Weg sind. Denn wenn da - ich weiß nicht, ob Sie es alle auch gelesen haben - erwähnt wird, etwa Binnen-I, Sternchen, Schrägstriche und Genderdoppelpunkte zu eliminieren, oder Sie dann weiterschreiben, dass die Verwendung „nicht zur Durchsetzung partikulärer Interessen dienen darf“, dann weiß ich, was es geschlagen hat. Ich sehe Sie da förmlich zusammensitzen im FPÖ-Klub und sich lustig machen über den Feminismus oder - in Ihren Worten - den Genderwahn. Oder wenn Sie in einem anderen Antrag despektierlich von „Transgenderwahn“ schreiben und meinen, im zitierten Lehrbuch aus Deutschland „Alles Divers“ wird Kindern vermittelt, das Transsexualität vollkommen normal wäre, und dann von Indoktrinierung weiterschreiben und dass das Buch schlichtweg rasch entfernt werden muss. Also auch hier sehe ich Sie wieder im FPÖ-Klub auf die Schenkel klopfen und sich lustig machen.

 

Ich glaube, hier gilt es, von dieser Stelle aus klar und strikt Nein zu sagen, Nein gegen diese Worte, Nein gegen Ihr Ansinnen, Nein gegen die Hetze und die Phobie, die hier mittransportiert werden. Wir lassen uns in Wien die WienerInnen nicht auseinanderdividieren, und wir unterstützen dort vor allem, wo es Hilfe und Unterstützung braucht, und gerade eben auch, wo Ungleichheiten und Diskriminierung immer noch so vorherrschen wie eben auch bei der LGBTIQ-Community. (Beifall bei SPÖ und NEOS.)

 

Wir setzen uns gemeinsam in der Stadtregierung an 365 Tagen im Jahr ein für die Anliegen, für die Herausforderungen der LGBTIQ-Community, eben auch anhand der beiden Akte oder auch der QWIEN, die wir jetzt von der Kultur mitnehmen. Es wurde schon erwähnt die wertvolle Arbeit, die in den Organisationen, in den Vereinen,

 

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